Neuer Alfa Romeo Sauber C37 für die F1-Saison 2018

Technik-Infos, Daten, erste Bilder

Sauber C37 - Alfa Romeo - F1-Auto 2018 Sauber C37 - Alfa Romeo - F1-Auto 2018 Sauber C37 - Alfa Romeo - F1-Auto 2018 Sauber C37 - Alfa Romeo - F1-Auto 2018 34 Bilder

Der Sauber C37 soll das Schweizer Traditionsteam wieder nach vorne bringen. Wir zeigen die ersten Bilder des F1-Renners für 2018 und haben exklusive Infos zur Entwicklung.

Wochenlang hatte man bei Sauber die Präsentation des neuen C37 geplant. Noch in letzter Minute wurden zahlreiche Sponsoren vorgestellt. Doch kurz vor dem offiziellen Launch am Dienstag (20.2.2018) schwirrten bereits die ersten Bilder des Neuwagens durchs Netz und machten die Überraschung kaputt.

Die neue Lackierung des Rennwagens reißt niemanden mehr vom Hocker. Sie war schon bei der pompösen Verkündung der neuen Partnerschaft mit Alfa Romeo enthüllt worden. Die italienische Automarke ist mit ihrem Logo prominent auf der Motorhaube, der Nase, auf den seitlichen Leitblechen und dem Heckflügel vertreten.

Sauber C37 in vielen Punkten verändert

Interessanter ist ein genauerer Blick auf die Technik, denn da hat sich Einiges getan. Schon die ersten Bilder verraten, dass man in der Entwicklungsabteilung viel Mühe in den Neuwagen gesteckt hat. Die Nase trägt nun kleine Öffnungen neben dem zentralen Zapfen – ähnlich wie vergangenes Jahr bei Force India gesehen.

Sauber C37 - Alfa Romeo - F1-Auto 2018 Foto: Sauber
Der Heckflügel steht nun auf zwei Stelzen.

Die oberen Querlenker der Vorderradaufhängung wurden nach dem Vorbild von Toro Rosso und Mercedes höher an den Radträgern montiert. Besonders spannend geht es auch im Bereich vor den Seitenkästen zur Sache. Die seitliche Crashstruktur teilt die großen Lufteinlässe in zwei separate Kanäle. Das hat man so noch bei keinem Auto gesehen.

Außen lenken verschachtelt drei vertikale Leitbleche die Luft um das Chassis. Auch der Halo wurde aerodynamisch optimiert. Der weiß lackierte Schutzbügel bekam ein kleines Flügelchen auf der Oberseite verpasst. Selbst die Außenspiegel bekamen eine strömungsgünstige Verkleidung verpasst.

Bei der Airbox entwickelte Sauber das Konzept aus dem Vorjahr weiter. Der zentrale Lufteinlass über dem Cockpit ist weiter durch eine zentrale Strebe geteilt, die als Überrollbügel dient. Außen sammeln vier separate Hutzen Luft zur Kühlung des Ferrari-V6-Triebwerks.

Auch am Heck gibt es Neuigkeiten. Die Motorhaube senkt sich wie vom Reglement vorgeschrieben nach unten ab. Die schmale, schwarz lackierte Finne an der Oberseite trägt eine zusätzliche Lufthutze. Der Heckflügel dahinter steht nun auf zwei Stelzen und nicht mehr auf einer. Gut möglich, dass das Ferrari-Getriebe Sauber zu dieser Anordnung gezwungen hat. Bei Haas sieht das Ganze identisch aus.

Sauber will die Wende

Technisch hat sich also viel getan. Das war auch notwendig, um das Ruder endlich herumzureißen. Das Hybridzeitalter meinte es bisher nicht gut mit den Schweizern. Seit 2014 hat man in 67 von 79 Rennen nicht gepunktet. Sauber dümpelte mit Ausnahme von 2016 im Tabellenkeller herum. Und stand zwischendurch vor der Pleite. Seit die schwedischen Investoren Mitte 2016 das Team übernahmen, werden in Hinwil neue Prozesse etabliert, Werkzeuge verbessert und eine Organisation wiederaufgebaut, die man in den Jahren der finanziellen Engpässe auf Schmalspur betrieb.

Sauber hat in den letzten Monaten viele neue Ingenieure geholt. „Wir haben die Mannschaft um rund zehn Prozent aufgestockt“, berichtet Technikdirektor Jörg Zander. Für die Konstruktion. Für das Design-Büro. Für die Aerodynamikabteilung. Es sollen noch mehr kommen. 2017 war ein Jahr der Konsolidierung. 2018 wird das nächste Übergangsjahr. Sauber ist mit dem neuen Auto wieder zu spät dran. Ein verhältnismäßig kleines Rennteam, das sich im Umbruch befindet, kann nicht mit Volldampf zwei Autos parallel entwickeln wie die Großen.

Sauber C37 - Alfa Romeo - F1-Auto 2018 Foto: Sauber
Zum Test in Barcelona soll das Auto komplett fertig sein.

Bei der Präsentation trug der C37 noch ein paar Teile, die im Rapid-Prototyping-Verfahren hergestellt wurden. Die Musterbauteile ersetzten vor allem Kohlefaserteile, die nicht zum Stichtag fertig wurden. Das ist nicht unüblich. Auch Renault verbaute 2017 bei der Fahrzeugvorstellung noch Rapid-Prototyping-Teile. „Es wachsen mehr als 4.000 Bauteile zusammen. Alles muss perfekt ineinander greifen. Und das eben auf die Stunde genau. Da kann man sich vorstellen, wie komplex die Projektplanung und das Zeitmanagement sind“, sagt Zander. Bis zum Teststart am 26. Februar soll der neue C37 alle richtigen Bauteile tragen. Das bedeutet noch ein paar stressige Tage. Der Technikchef ist zuversichtlich.

Kurz vor Weihnachten homologierte die FIA das Monocoque des Alfa Romeo Sauber C37. Bis dahin war es ein weiter Weg mit einigen Schlenkern. Im Juni hatte Sauber mit dem groben Konzept für den C37 begonnen. Damals noch im Glauben, ein Auto für die Honda-Antriebseinheit zu bauen. Bis der neue Teamchef Frédéric Vasseur Ende Juli 2017 die Partnerschaft aufkündigte. Der Franzose hatte erst kurz zuvor die Teamleitung übernommen.

Sauber C37 mit 2018er Ferrari-Motor

Wie bereits erwähnt fährt Sauber in diesem Jahr wieder mit Ferrari-Motoren – diesmal aber mit der aktuellsten Ausbaustufe. „Kurz vor der Sommerpause bekamen wir umfangreiche Daten von Ferrari. Realistisch betrachtet muss man sagen, dass wir uns erst Ende August, Anfang September gänzlich mit dem neuen Auto beschäftigt haben“, sagt Zander. „Die anderen, die seit März, April aktiv an ihrem 2018er Auto entwickeln, haben dadurch gegenüber uns einen Vorteil von sechs Zehntelsekunden erarbeitet.“

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Der Wechsel von Honda auf Ferrari hat Sauber in etwa fünf bis sechs Wochen zurückgeworfen. Der Ferrari-V6 ist anders gebaut als der Honda, hat ein anderes Abgaskonzept, verlangt einen anderen Einbau und ein anderes Kühlpaket. Es mussten erst neue CFD-Simulationen durchgeführt und dann Anpassungen an den Windkanalmodellen vorgenommen werden. Das Packaging beeinflusst die Konzeption des Autos und der Aerodynamik. Neben Motor, Hybrid-Bausteinen und Getriebe bezieht Sauber auch die Hinterachse von Ferrari.

Immerhin: Allein die aktuelle Antriebsspezifikation verspricht eine signifikante Leistungssteigerung. Auf Strecken wie in Monaco drei bis vier Zehntel. Auf Highspeed-Pisten wie Monza und Montreal rund 1,2 Sekunden. „Wir kämpfen jetzt mit gleichen Waffen und können uns auf die Weiterentwicklung konzentrieren.“ Nicht nur der Power-Schub versetzt Sauber in eine bessere Lage. Das Team kann sich jetzt besser mit anderen Teams vergleichen. Vor allem mit HaasF1, das ebenfalls mit Ferrari-Motoren fährt. Man muss den Motor-Faktor dazu nicht mehr rausrechnen.

Neuer Vorderachse folgt Mercedes-Beispiel

Sauber geht mit dem C37 neue Wege, auch wenn Zander einschränkt. „In einer Revolution steckt auch immer Evolution. Wir haben kein neues Blatt Papier genommen und alles neu gemacht. Das geht so auch nicht. Man muss immer auf eine Referenz zurückgreifen. Die Experten werden die Sauber-Charaktere im Auto erkennen.“ Der Aerodynamik zuliebe streckt Sauber auch den Radstand um 120 Millimeter, und folgt damit dem Trend der Konkurrenz. Die Vorderachse rückt nach vorne. Das schafft mehr Platz für Aerodynamik-Bauteile wie Leitbleche. Ein kürzeres Auto ist zwar agiler. Dafür aber erhofft sich Sauber durch den längeren Radstand mehr Stabilität am Kurveneingang – eine Schwäche des C36.

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Im Vorjahr kämpfte Sauber lange mit einem übergewichtigen Auto. „Anfang 2017 sah das gar nicht schlecht aus. Mit den Entwicklungen übers Jahr hat das Auto tatsächlich an Gewicht zugelegt. Wir können aber auch verbuchen, dass zum Ende der Saison wieder alles gut war. Beim letzten Rennen hatten wir kein Übergewicht mehr. Auch der Fahrer hat daran gearbeitet.“ Gemeint ist Marcus Ericsson, dem 2018 Charles Leclerc statt Pascal Wehrlein an die Seite gestellt wird.

Das Mindestgewicht steigt von 728 auf 733 Kilo. Allein durch die Integration des Halos und durch die verschärften Sicherheitsanforderungen für den Frontalaufprall laden die Autos jedoch etwa 15 Kilo auf. Der Großteil muss an anderer Stelle abtrainiert werden. „Auf dem Papier sollten wir das Mindestgewicht erreichen. Aber wir arbeiten mit Referenzgewichten. Und die sind nicht so genau.“ Andere Teams haben bessere Werkzeuge.

Der Halo und das Verbot der Heckflossen und des T-Flügels kosten zwischen 15 und 20 Abtriebspunkten. Drei bis vier Punkte entsprechen in der Sauber-Skala etwa einem Zehntel. Den Verlust von etwa einer halben Sekunde hat Sauber kompensiert. Ohne Zutun von Alfa Romeo. Das Marketingwort „Technikpartnerschaft“ klingt vielleicht gut, entspricht aber nicht der Realität. Die Alfa-Ingenieure haben keine neuzeitlichen Kenntnisse in der Formel 1. Alfa war zuletzt 1985 in der Königsklasse vertreten.

Sauber vorsichtig optimistisch

Mit Prognosen für 2018 ist Sauber vorsichtig. „Wenn wir von Platz zehn wegkommen, wären wir alle glücklich. Wir haben sicher einen Schritt nach vorne gemacht. Unser Auto hat durch die Neuerungen viel Potential, das wir aber erst freisetzen müssen. Wir werden sicher Lehrgeld bezahlen. Aber wir haben sicher eine Basis für eine steile Entwicklungskurve.“ Die ersten Upgrades kommen zur zweiten Testwoche in Barcelona. Darunter ein neuer Frontflügel.

Der Sauber C37 der zweiten Barcelona-Woche ist zu großen Teilen auch das Auto für Melbourne. „Wir stellen die Entwicklung aber nicht ein. Wenn wir die eine oder andere Verbesserung noch erfahren, werden wir uns anstrengen, sie nach Australien zu bringen. Es ist aber auch eine Frage der Zeit. Logistik spielt für das Rennen in Melbourne eine große Rolle.“

2018 ist also als das nächste Übergangsjahr ausgerufen. Zander will weiter an seiner Mannschaft schleifen. Er glaubt: „Wir können 2018 viele Dinge umsetzen und stabilisieren. Ich denke, dass wir Ende 2018 eine Topmannschaft haben werden. Wir haben viele Talente, die noch leistungsstärker werden, wenn wir unsere Prozesse weiter etablieren und vertiefen.“

Neuester Kommentar

Der Sauber wirkt unheimlich fett, vor allem von hinten. Da sieht die Abdeckung aus wie eine fette Kröte.
Was wollen die mit so vielen Lufteinlässen? Ist das Auto ein Fallschirm???

JeanL 20. Februar 2018, 21:49 Uhr
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