Sauber-Schrauber schlagen alle

Schnelle Stopps dank neuer Technik

Sauber - GP Aserbaidschan 2018 Foto: Sauber 34 Bilder

2017 war Sauber noch Schlusslicht auf der Rennstrecke und bei den Boxenstopps. Das ist Geschichte. Mittlerweile rollen die Schweizer regelmäßig im Mittelfeld mit. Und die Reifenwechsel wurden im Schnitt um eine Sekunde schneller.

In der WM-Wertung 2017 rangierte Sauber abgeschlagen auf dem letzten Platz. Bei den Boxenstopps das gleiche Bild. Sauber schaffte es nur bei einem der 20 Rennen mit seinem besten Boxenstopp in die Top Ten. Interner Rekord waren die 3,05 Sekunden von Marcus Ericsson beim GP Österreich.

Doch 2018 ist der Aufwärtstrend klar erkennbar. In den ersten sechs Rennen der Saison taucht der Name Sauber bereits sieben Mal unter den ersten Zehn der Reifenwechsel-Rangliste auf. In der DHL-Punktewertung liegen die Schweizer hinter Red Bull, Mercedes, Ferrari und Williams auf Platz 5.

Zwei Mal hat Sauber nach internen Messungen die magische Zweisekunden-Schallmauer geknackt. 1,88 Sekunden in Shanghai, 1,96 Sekunden in Barcelona. Gemessen vom Stillstand bis zum grünen Licht auf der Ampel. In einem Fall war der Fahrer von der schnellen Abwicklung so überrascht, dass er den Gewinn beim Reifenwechsel mit einer schlechten Reaktionszeit fast wieder verspielte.

Sauber gewinnt Boxenstopp-Wertung

Sauber - GP Monaco 2018 Foto: Sauber
Kein Fahrer wurde in Monaco schneller abgefertigt als Charles Leclerc.

In Monte Carlo gewann Sauber die DHL-Wertung erstmals, die die Reaktionszeit des Fahrers mit einschließt und vom Anhalten bis zum Wegfahren misst. Der Boxenstopp von Charles Leclerc dauerte nur 2,21 Sekunden. Das schafften selbst die großen Teams in der engen Boxengasse des Stadtkurses nicht schneller.

Dass Sauber schnell Reifen wechseln kann, ist kein Zufall. Im Schnitt haben sich die Eidgenossen bei der Abfertigung ihrer Autos im Vergleich zum Vorjahr um eine Sekunde verbessert. Das hat viele Gründe. Eine bessere Ausrüstung bei den bis zu 8.000 Euro teuren Schlagschraubern. Neu konstruierte Komponenten wie Radnaben und Radmuttern. Ein intensiveres Training der Mechaniker mit einem speziellen Fitnessprogramm für Rumpf- und Oberkörpermuskulatur. „Im Training sind wir schon fast enttäuscht, wenn wir es nicht unter zwei Sekunden schaffen“, lacht Teammanager Beat Zehnder.

Vor 2017 musste Sauber mit schmalen Auto üben

Je enger es im Mittelfeld zugeht, desto wichtiger werden die Boxenstopps. „Da kann es einen Unterschied von einer Position im Feld ausmachen, ob er zwei oder zweieinhalb Sekunden dauert“, betont Zehnder. Ein Vorteil aus Sicht von Sauber ist, dass die Mechaniker im Winter mit einem Auto nach aktuellem Reglement üben konnten. In der Winterpause 2016/2017 stand als Testdummy nur ein schmales 2016er Auto mit den alten, schmalen Reifen zur Verfügung. Der 2017er Sauber wurde wegen der späten Motorentscheidung erst in letzter Minute fertig.

Für die Mechaniker machen die unterschiedlichen Radgrößen einen riesigen Unterschied aus. Die breiteren Räder sind schwerer und umständlicher bei Montage und Demontage. Sauber denkt jetzt bereits über den nächsten Schritt nach. Einen speziellen Aufbau eines Radträgers und Achse auf einem Laufband. Da kann dann der Ablauf auch individuell ohne das ganze Auto geübt werden.

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