Platztausch bei Sauber

Leclerc ohne Angst vor Ferrari-Druck

Charles Leclerc - GP Singapur 2018 Foto: sutton-images.com 122 Bilder

Charles Leclerc ersetzt Kimi Räkkönen bei Ferrari. Der Finne tröstet sich mit einem Platz bei Sauber. Wie kam es zu dem Fahrertausch, was steckt dahinter, und was sagen die beiden Fahrer dazu? Hier die Stimmen der Beteiligten.

Kimi Räikkönen wusste es, als er in Monza ankam. Das Team teilte ihm mit, dass man seinen Vertrag nicht verlängern würde. Charles Leclerc musste noch eine Woche länger warten, bis sein Traum Bestätigung erhielt. „Maurizio Arrivabene hat mich letzten Samstag am Telefon informiert.“

Da war der Deal zwischen Räikkönen und Sauber bereits eingetütet. Sauber-Teammanager Beat Zehnder hielt über all die Jahre hinweg eine lose Verbindung zu seinem finnischen Freund. Als ihm Kimi in Monza erzählte, dass seine Tage bei Ferrari gezählt sind, erneuerte Zehnder seinen Verschlag, der in all den Jahren zum Running Gag wurde: „Wenn du keinen Platz mehr bei Ferrari hast, komm zu uns!“

In Monza war der Spruch ernst gemeint. Und die Gespräche wurden sofort intensiviert. Jetzt waren auch Teamchef Frédéric Vasseur und die schwedischen Besitzer involviert. Ferrari hat mit dem Transfer nichts zu tun. Maranello hat ihn geduldet, weil man froh war, dass Räikkönen noch irgendwo Unterschlupf fand.

„Kimi war auf dem Markt“, sagt Vasseur knapp. Soll heißen: Nicht die Ferrari-Connection hat den Finnen zu Sauber gebracht. Damit bleibt der Wunsch von Hauptsponsor Alfa Romeo bestehen, das zweite Cockpit mit Ferrari-Junior Antonio Giovinazzi zu besetzen. Die schwedischen Besitzer favorisieren Marcus Ericsson. Die endgültige Entscheidung könnte bei Vasseur liegen.

Räikkönen: „Habe meine Gründe, und das reicht mir“

Kimi Räikkönen kürzte das Frage- und Antwortspiel darüber, warum ein Ex-Weltmeister nach acht Jahren Ferrari bei einem kleinen Team wie Sauber andockt, mit einem einfachen Satz ab: „Weil ich es will.“ Das unterstrich er noch mit der Feststellung: „Ferrari zu verlassen war nicht meine eigene Entscheidung. Zu Sauber zu gehen dagegen schon.“

Vasseur atmete auf. Von einem Team Giovinazzi-Ericsson war nicht viel zu erwarten. Jetzt hat er einen Ex-Champion mit 285 GP-Starts Erfahrung im Team: „Kimi wird uns mit seiner Erfahrung als Team weiterhelfen. Und er wird in die Punkte fahren, wenn es das Auto erlaubt.“

Hamilton & Räikkönen - Formel 1 - GP Singapur - 13. September 2018 Foto: xpb
Kimi Räikkönen kann die Nachfragen nach seinen Sauber-Wechsel nicht nachvollziehen.

Räikkönens Gehalt wurde den Sauber-Möglichkeiten angepasst. Doch Geld war nie Räikkönens Triebfeder. Der Finne will einfach nur weiter Rennen fahren. Das ist auch mit 38 Jahren noch seine Lieblingsbeschäftigung. Über seinen Abstieg zu Sauber sollen sich andere den Kopf zerbrechen, lächelte Kimi und gab eine Kimi-typische Antwort: „Ich habe meine Gründe, und das reicht mir. Wenn ich dort für zwei Jahre unterschreibe, muss ich ja wohl happy sein.“

Vermutungen, Ferrari habe Räikkönen bei Sauber platziert, um sich damit die Loyalität im WM-Kampf von Sebastian Vettel gegen Lewis Hamilton zu erkaufen, sind damit bloße Spekulation. „Da wurde zu viel hinein interpretiert“, sagt auch Vettel.

Charles Leclerc hat sich von seinem positiven Schock, schon in seinem zweiten Formel 1-Jahr zum Ferrari-Fahrer befördert zu werden, schnell erholt. Der 20-jährige Monegasse sprach nur noch kurz vom Kindheitstraum, der sich nach nur 14 Formel 1-Starts schon erfüllt.

Jetzt hat er schon die nächste Aufgabe im Blick: „Viele Leute glauben, dass ich immensen Druck bekommen werde. Ich nicht. Das ist nicht meine Mentalität. Ich denke nicht darüber nach, was andere von mir erwarten. Ich fokussiere mich nur auf meinen Job. Wenn ich die richtigen Dinge tue, dann muss ich mir keine Sorgen machen.“

Leclerc: „Gehe nicht zu Ferrari um zu lernen“

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Leclerc stellt selbst hohe Ansprüche an sich: „Wenn das Auto so gut wie in diesem Jahr und damit siegfähig ist, muss ich um die Weltmeisterschaft fahren können. Das muss mein Ziel sein. Bin ich dazu bereit? Ich glaube schon. Natürlich hilft Erfahrung, und da habe ich noch viel aufzuholen. Doch Lewis Hamilton hat es auch im zweiten Jahr geschafft.“ Ferraris Neuzugang sieht sich quasi in der Probezeit: „Wenn ich mit einem Top-Auto nicht in der Lage bin, meine Ziele zu erreichen, dann verdiene ich den Platz bei Ferrari nicht.“

Der Schritt zu Ferrari sei nichts im Vergleich wie sein Aufstieg von der Formel 2 in die Formel 1. „Das war eine riesengroße Veränderung. Für mich war alles neu. Das Auto, die Prozeduren, der Aufwand. Bei Ferrari erwartet mich das gleiche, nur eine Dimension größer. Da muss ich mehr anpassen als neu lernen. Das sehe ich schon an dem Medienrummel hier in Singapur.“ Leclerc sagt klipp und klar: „Ich gehe nicht zu Ferrari, um zu lernen. Mein Lehrjahr hatte ich bei Sauber.“

Mit seinem neuen Teamkollegen Sebastian Vettel hat Leclerc noch nicht gesprochen. Vettel hat nicht einmal seine Telefonnummer. „Charles hat jetzt bestimmt genug um den Kopf“, entschuldigte der Heppenheimer die ausgebliebene Gratulation. Trotzdem haben die beiden früher schon kommuniziert. „Sebastian war immer nett zu mir. Immer wenn ich im Simulator war, hat er mir eine Nachricht zukommen lassen und sich für die gute Arbeit bedankt“, verrät Leclerc.

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