Sauber im Singapur-Pech

Kobayashi büßt für falsche Signale

Kamui Kobayashi Foto: Sauber 25 Bilder

Sauber hätte aus Singapur mehr als nur einen WM-Punkt entführen können. Doch das Glück stand nicht auf der Seite des Schweizer Teams. Während Sergio Perez von drei Kollegen unter Beschuss genommen wurde, bekam Kamui Kobayashi eine Strafe aufgebrummt, die er nicht verdiente.

Eigentlich hätte der GP Singapur für Sauber einen üppigen Punktesegen bringen müssen. Für eine Strecke mit einem derartig hohen Reifenverschleiß sind Sergio Perez und Kamui Kobayashi mit ihren Sauber-Ferrari bestens gerüstet. Das weiße Auto ist ein Reifenstreichler.

Am Ende flog die Sauber-Truppe aber mit nur einem WM-Punkt in den Urlaub nach Pukhet. Und dass, obwohl Sergio Perez im Verlauf der 61 Runden drei Mal von seinen Kollegen fast von der Strecke geschoben worden wäre. Als der Mexikaner in den letzten Runden seinen Reifenvorteil gegen Sutil und Rosberg ausspielen wollte, kamen ihm Felipe Massa und Sebastian Vettel in die Quere.

Massa traf bei seiner Aufholjagd zuerst auf Perez, der am Ende des Dreierpulks fuhr. In der 60. von 61 Runden quetschte sich Massa dank frischerer Reifen zwischen Sutil und Perez. Sie hatten zwölf Runden weniger auf der Lauffläche. Und plötzlich gab es für die Gruppe, die um Rang sieben kämpfte, keine 61. Runde mehr. Vettel setzte zum Überrunden an. Der Red Bull-Pilot konnte die Gruppe nicht verschonen, denn von hinten nahte Jenson Button.

Kobayashi wird Opfer der Technik

Kamui Kobayashis Hoffnungen endeten nach der Safety-Car-Phase. Beim Re-Start lag er zusammen mit Trulli und Liuzzi zwischen Vettel und Button. Der McLaren kam erst nach eineinhalb Runden an dem weißen Hindernis vorbei. Da hatte Vettel längst schon wieder 8,5 Sekunden Vorsprung. Die Rennleitung verpasste Kobayashi eine Durchfahrtstrafe wegen Missachtens der blauen Flaggen. Objektiv gesehen eine gerechte Strafe. Und trotzdem konnte Kobayashi nichts dafür. Das Signalsystem funktionierte nicht einwandfrei.

Der Sauber-Kommandostand bekommt die Information über die Position der Autos auf drei Wegen: Seite drei im FIA-Computer, GPS und das automatische Flaggensystem, das dem Fahrer auf das Display gespielt wird. Das elektronische Auge informierte den Japaner erst in Kurve 18 in der Runde des Re-Starts, dass Button überrunden wollte. In Kurve fünf der folgenden Runde ließ Kobayashi den drängelnden McLaren-Piloten vorbei. Also eigentlich im Rahmen des Erlaubten.

Keine Gnade für Kobayashi

Die Rennleitung blieb trotzdem hart. Sie warf Kobayashi vor, er hätte Button im Spiegel sehen müssen. Doch in der Nacht ist es schwierig, die Autos in den winzigen Spiegeln auseinanderzuhalten. Kobayashi ging davon aus, dass der Mann hinter ihm Trulli im Lotus sei.

Auch eine Beschwerde von Sauber-Teammanager Beat Zehnder konnte die Rennleitung nicht gnädig stimmen. Es wäre zu viel verlangt, zugeben zu müssen, dass das elektronische Überwachungssystem nicht unter allen Umständen einwandfrei funktioniert. "Auf normalen Rennstrecken gibt es eigentlich keine Probleme. Aber auf Stadtkursen hat das System manchmal Mühe mit der Ortung", erzählt Zehnder.

Änderung der Safety-Car-Regeln?

Die FIA könnte sich die ganzen Diskussionen ersparen, wenn in Zukunft bei einer Safety-Car-Phase die Überrundeten wieder an der Spitze vorbeigewunken werden, um nicht zwischen den Autos zu liegen, die um die Führung und Punktepositionen kämpfen. Doch die gleichen Fahrer, die das jetzt fordern, waren dafür verantwortlich, dass die Regel so ist wie sie ist.

Sie hatten seinerzeit gemahnt, dass das Durchwinken gefährlich sei, weil im Feld Zickzack gefahren werde, um die Reifen auf Temperatur zu halten. Das könne zu Kollisionen führen, wenn die Nachzügler überholen, um sich zurückzurunden. Die schlechten Erfahrungen von Button haben die Diskussionen um ein spannungsförderndes Procedere hinter dem Safety-Car wieder angestoßen. Änderungen für 2012 sind nicht ausgeschlossen.

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