Sauber überholt Toro Rosso

Der Trick mit der Ericsson-Bremse

Marcus Ericsson - Sauber - GP Mexiko 2018 Foto: Wilhelm 78 Bilder

Sauber hat in Mexiko acht Punkte abgeräumt und damit Toro Rosso von Platz 8 verdrängt. Grundstein für den zweiten doppelten Punktgewinn war perfektes Teamwork. Marcus Ericsson blockte die Verfolger ab und schaffte damit Luft für Charles Leclerc.

Eigentlich hatte Teammanager Beat Zehnder die Attacke auf Platz 8 erst für den GP Brasilien eingeplant. „Da sind wir immer gut. Aber jetzt ist es halt schon in Mexiko passiert.“ Sauber hat mit einem Doppelschlag, dem zweiten nach dem GP Österreich, Toro Rosso von Platz 8 verdrängt. Wenn der Schweizer Rennstall die Position halten kann, wäre das 3,5 Millionen Dollar wert. Und ein echter Boost für das Selbstvertrauen eines Teams, das vor einem Jahr noch klar Letzter im Feld war. In dieser Saison gingen schon zum zwölften Mal Punkte nach Hinwil.

Der Schlüssel für den Sauber-Erfolg im Land der Azteken war die Nacht von Freitag auf Samstag. Da krempelten die Ingenieure noch einmal die mechanische Abstimmung komplett um. „Am Samstag waren die Autos wie verwandelt“, bestätigte Teamchef Frédéric Vasseur. Darauf ist Charles Leclerc besonders stolz: „Ich hatte eine klare Meinung, was falsch an dem Auto war. Das habe ich den Ingenieuren gesagt, und sie haben auf mich gehört.“

13 Sekunden Luft für Leclerc

Der künftige Ferrari-Pilot lernt auch außerhalb des Autos ständig dazu. Im Cockpit ruft der Monegasse regelmäßig Bestleistungen ab. Auch diesmal. Zuerst der Aufstieg ins Q3, dann der 7. Platz. Nur Nico Hülkenberg war aus dem Mittelfeld schneller. Renault hatte wie in Austin das beste Auto für diese Strecke. Der 7. Platz von Leclerc war auch das Produkt perfekten Teamworks. Marcus Ericsson hatte den Auftrag, dem Teamkapitän den Rücken freizuhalten. Der Schwede machte seinen Job meisterhaft.

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Ericsson fuhr schnell genug, dass ihn Sergio Perez nicht überholen konnte. Und er verschaffte Leclerc bis zu dessen Boxenstopp in der 13. Runde 13 Sekunden Luft. Ericsson selbst blieb bis Runde 16 auf der Strecke. Erst in der 14. Runde brach der Widerstand. Dann schaffte es Perez am Auto mit der Nummer 16 vorbei. Doch das Einbremsen war von Erfolg gekrönt. Der Mexikaner kam nach seinem Boxenstopp in Runde 30 hinter Leclerc wieder auf die Strecke. Perez überholte den Sauber zwar drei Runden später, fiel dann aber mit Bremsproblemen aus.

Wichtig für Leclerc aber war, dass die Meute hinter ihm im Windschatten von Ericsson genug Zeit verloren hatte. Vor allem Stoffel Vandoorne sah eine Zeitlang wie ein wehrhafter Gegner aus. Die McLaren sind im Reifenverschleiß ähnlich gut wie die Sauber. Reifenmanagement war auch bei Sauber das große Thema. Dazu Zehnder: „Charles und Marcus hätten schneller fahren können, aber wir mussten die Reifen über die Distanz bringen. Zum Schluss haben wir ihnen freie Fahrt gegeben. Sofort sind die Rundenzeiten von Charles von 1.24 auf 1.20 Minuten gefallen.“

Ericsson verliert 9 Sekunden beim Boxenstopp

Ericsson hatte Pech. Der Schwede verlor beim Boxenstopp 9 Sekunden Zeit. Links vorne hatte die Radmutter verkantet. „Zum Glück haben wir es rechtzeitig gemerkt, und der Mechaniker konnte ein zweites Mal ansetzen“, erzählt Zehnder. Ohne den Zwischenfall wäre Ericsson vor Vandoorne auf Platz 8 gelandet. Er war auch so zufrieden: „Das war eines meiner besten Formel 1-Rennen. Ich musste hart arbeiten, um meine Reifen zu managen. Nach dem verunglückten Boxenstopp war ich gezwungen, Positionen gutzumachen. Das ist mir ohne Fehler gelungen.“

Am Ende erwies sich die Taktik von Renault und Sauber als richtig. Lieber auf dem ungeliebten Hypersoft-Reifen ins Q3 fahren, als auf Positionen zu verzichten und mit härteren Reifen einen langen ersten Stint zu fahren. Wegen des Überholproblems war die Position auf der Strecke einfach zu wichtig. Leclerc hätte nie gedacht, dass er mit den Hypersoft-Gummis 13 Runden weit kommt. „Ich hatte Angst, sie brechen schon nach drei Runden ein. Als es länger ging, war ich echt erleichtert. Das Reifenmanagement war hier viel schwieriger als in Sotschi. Die Klippe, über die du fällst, wenn der Reifen einbricht, ist riesig. Du konntest von einer Runde auf die andere fünf Sekunden verlieren.“

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