Charles Leclerc & Mattia Binotto - GP Singapur 2019 xpb
Safety-Car - GP Singapur 2019
Sebstian Vettel - GP Singapur 2019
Charles Leclerc - GP Singapur 2019
Max Verstappen - GP Singapur 2019 22 Bilder

Schmidts F1-Blog zum Vettel-Sieg

Kritik an Ferrari ungerecht?

Ferrari musste sich in Singapur Kritik gefallen lassen. Weil der zweitplatzierte Fahrer die bessere Strategie bekam. auto motor und sport F1-Experte Michael Schmidt nimmt die Italiener in seinem Kommentar allerdings in Schutz.

Schon während des Rennens war klar. Das gibt Ärger. Charles Leclerc verlangte am Funk Erklärungen. Ein Mal, zwei Mal, immer wieder. Die drei Safety-Car-Phasen gaben ihm genug Gelegenheit Dampf abzulassen. Wie konnte es sein, dass der schlechter platzierte Ferrari die bessere Taktik bekam? Und warum wurde ihm bei den Re-Starts via Regieanweisung der Saft abgedreht? Aus dem Befehl „SOC 7“ konnte Leclerc ablesen, dass er Sebastian Vettel in Ruhe lassen soll. Er forderte volle Motorleistung, wurde stattdessen ermahnt, keine Risiken einzugehen und den Motor zu schonen.

Leclercs Frage, warum Vettel und nicht er den früheren Boxenstopp bekam, war durchaus berechtigt. In allen Teams gilt die goldene Regel: Der Fahrer, der vorne liegt, hat das Recht auf den ersten Stopp. Doch diesmal ist Ferrari kein Vorwurf zu machen, die Reihenfolge umgedreht zu haben. Es war die einzig richtige Entscheidung. Weil nur so ein Doppelsieg möglich war.

Die Ferrari lagen auf den Plätzen 1 und 3. Wenn Leclerc zuerst abgefertigt wird, verliert Vettel einen Platz. Es war klar, dass Red Bull mit Max Verstappen schon den Finger am Abzug hatte, um mit ihm den Undercut zu versuchen. Und Mercedes würde mit Lewis Hamilton eine Runde später reagieren. Wenn Ferrari aber Vettel aus dem Verkehr holen würde, bestand eine gute Chance ihn an Hamilton vorbei auf Platz zwei zu bringen.

Dass Vettel mit dem früheren Boxenstopp auch noch Leclerc überholen würde, konnte Ferrari nicht ahnen. Es war nie geplant, in die interne Reihenfolge einzugreifen. Der Undercut brachte 3,9 Sekunden. Man hatte mit 2,5 Sekunden gerechnet. „Auch wir haben den Effekt total unterschätzt“, gab man bei Mercedes zu.

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Hätte Ferrari die Plätze wieder tauschen sollen?
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Ja, Leclerc hat nichts falsch gemacht und wurde um den Sieg betrogen.
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Kein Risiko beim Spitzenreiter

Ferraris früher Boxenstopp in der 19. Runde war mit hohen Risiken behaftet. Es war klar, dass Vettel innerhalb von fünf Runden auf eine Gruppe mit Stroll, Ricciardo, Gasly und Giovinazzi aufläuft, die um ihre Plätze kämpfen würden. Ferrari musste davon ausgehen, dass die Soft-Reifen der Mercedes nach dem Bummeltempo zu Beginn des Rennens noch gut in Schuss sein würden.

Und man hatte keine Ahnung, wie lange der harte Reifen halten würde. Jede Runde, die man mit dem Soft-Reifen länger auf der Strecke bleiben konnte, war eine gute Runde. Weil zu befürchten war, dass einer der Gegner extrem lange auf der Strecke bleibt, um mit frischeren Reifen am Ende des Rennens zum Angriff zu blasen.

Eine Risiko-Strategie mutet man nie dem Spitzenreiter zu. Er kann nur verlieren. Vettel konnte dagegen nur gewinnen. Wie groß wäre das Geschrei bei Leclerc gewesen, wenn er den ersten Boxenstopp bekommen, der Schachzug aber nicht funktioniert hätte? „Auch wir hätten so gehandelt“, räumte man bei Mercedes ein.

Schon nach einer Runde war klar, dass Ferrari mit Vettel genau richtig gepokert hatte. Und dass man dadurch Leclerc die Führung gestohlen hat. Wären das nicht genug Gründe gewesen, die Reihenfolge später wieder zu tauschen? Ferrari sagt, man hätte es überlegt, es aber wieder verworfen. Warum, sagt Ferrari nicht.

Sebastian Vettel - Ferrari - GP Singapur 2019 - Rennen
Wilhelm
Ferrari hilft Sebastian Vettel mit dem Taktik-Geschenk in Singapur aus der Krise.

Hätte Vettel den Platz getauscht?

Wir können nur vermuten, warum es nicht mehr zum Platztausch kam. Er hätte die internen Spannungen nur noch vergrößert. Es hätte die Gefahr bestanden, dass Vettel weghört. Er wurde ins Risiko geschickt, also sollte er auch dafür belohnt werden. Ihm wurde in Spa ein dritter Platz geopfert, damit er Hamilton blockiert, um Leclerc genug Luft für seinen ersten GP-Sieg zu verschaffen.

Er bekam in der Qualifikation in Monza keinen Windschatten vom Teamkollegen, was ihn wahrscheinlich die Pole Position gekostet hat. Und dann hätte Ferraris Heimspiel ganz anders ausgehen können. Auch hier musste Vettel unfreiwillig Schützenhilfe leisten. Er zog Leclerc zur Trainingsbestzeit, was der Grundstein für dessen späteren Sieg war.

Ferrari hat mit seiner Entscheidung in Singapur gleich doppelt gewonnen. Man feierte den ersten Doppelsieg seit Ungarn 2017. Und man hat Vettel in einer Phase aufgebaut, in der für den vierfachen Weltmeister alles schief zu laufen schien. Jetzt hat man zwei starke Fahrer.

Anders herum wäre der Teamfrieden in Gefahr gewesen und Vettels langsam zurückkehrendes Vertrauen ins Auto wäre durch eine Stallregie zu seinen Ungunsten wieder beschädigt worden. Deshalb hat Ferrari in Singapur alles richtig gemacht.

Motorsport Aktuell Sebstian Vettel - GP Singapur 2019 F1 Fahrer-Noten GP Singapur 2019 Ein Grand Prix ohne Bestnoten

In Singapur gab es für den Rennsieger ausnahmsweise nicht die Bestnote.

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