Schmidts F1-Blog zum Budgetdeckel

Zieht die Daumenschrauben an

Chase Carey - Liberty Media Foto: sutton-images.com 20 Bilder

Seit neun Monaten streiten sich die Teams mit Liberty um die Budgetdeckelung. Die Vorschläge der Teams waren teilweise so absurd, dass man dahinter eine bewusste Verzögerungspolitik vermuten musste. Jetzt zieht das F1-Management die Daumenschrauben fester. Richtig so, weil sonst gar nichts passiert, meint Formel 1-Experte Michael Schmidt.

Die erste Strategiesitzung des Jahres. Eine wie viele mit viel Palaver und wenig Substanz, dachten die Teamchefs, als sie nach Genf reisten. Doch dann trauten die Drahtzieher ihren Ohren kaum. Formel 1-Chef Chase Carey schlug plötzlich keinen verbindlichen Ton mehr an. Nachdem ein Dreivierteljahr ergebnislos über die Budgetdeckelung gestritten wurde, mit dem Versuch der Topteams die Obergrenze von 150 auf 200 Millionen Dollar nach oben zu drücken, präsentierten ihnen die Amerikaner nun eine ganz andere Rechnung.

Sie wollen den Budgetdeckel tiefer als ursprünglich geplant ansetzen. 2021 soll es mit 180 Millionen Dollar losgehen. Ein Jahr später wird auf 165 Millionen und 2023 auf 130 Millionen Dollar reduziert. Welche Kosten drin sind und nicht ist Verhandlungsmasse. Doch selbst wenn die Teams dem Formel 1-Management viele Ausnahmeregelung abringen, wird die Summe brutto nicht mehr als 150 Millionen übersteigen. Also deutlich weniger als den Topteams lieb ist.

Liberty muss handeln

Liberty meint es diesmal ernst. Es bleibt ihnen auch gar nichts anderes übrig. Den Amerikanern läuft die Zeit davon. Wenn sie jetzt nicht Nägel mit Köpfen machen, passiert gar nichts. Genau das war ganz offenbar der Plan der großen Teams. Verhandeln, bis es zu spät ist. Deshalb wurden ab Oktober auch regelmäßige Treffen der Teams zu diesem Thema ins Leben gerufen. Herausgekommen ist gar nichts. Im Gegenteil. Die kleinen Teams begannen zu begreifen, dass die Großen gar nichts ändern wollen, und am liebsten weiter mit doppelter Mannschaftstärke und dreifachem Budget gegen sie antreten würden. Kurz vor Ende der Saison spalteten sich Renault, Force India, Williams, HaasF1, Sauber und McLaren ab.

Die Budgetdeckelung ist der zentrale Pfeiler in den Reformierungsplänen von Liberty. Wenn das nicht klappt, sind sie gescheitert. Die Dominanz der drei Topteams und die Hoffnungslosigkeit der anderen erdrückt diesen Sport. Es war aber kaum Druck auf dem Kessel, weil die zehn Teams einigermaßen gesund dastanden. Das Sorgenkind Force India fiel in das Netz des kanadischen Milliardärs Lawrence Stroll. Doch der Eindruck täuscht. Blickt man hinter die Kulissen, dann könnte die Königsklasse schon in einem Jahr aus den Fugen geraten. Es gibt zu viele schlafende Problemfälle im Feld. Und Liberty weiß das.

Zu viele Sorgenkinder

Williams hat dank der Abfindung von Stroll noch Geld für eine Saison. Dann muss der Rennstall aus Grove einen großen Sponsor an Land ziehen. Sonst sieht es zappenduster aus. McLaren braucht dringend Erfolg. Die Besitzer aus dem Mittleren Osten werden sich nicht ewig mit Versprechungen hinhalten lassen. Doch wie will McLaren ohne Fernando Alonso kurzfristig das schaffen, was schon mit dem Spanier nicht klappte? HaasF1 wird nur bei der Stange bleiben, wenn sich die Traditionalisten im Feld, die die Zahl der selbst produzierten Komponenten erhöhen wollen, nicht durchsetzen. Renault bekommt von der Zentrale in Paris nur weiterhin Geld, wenn die Lücke zu den Topteams geschlossen wird. Red Bull macht über 2021 hinaus mit seinen zwei Teams nur weiter, wenn ihnen Honda-Power wieder die Chance gibt, um den Titel zu fahren.

Es schwelen einfach zu viele Brände unter der Oberfläche, als dass Liberty weiter mit der lockeren Hand regieren kann. Ich würde an Stelle des Formel 1-Managements und der FIA noch ganz anders auftreten. Den Teams wird ein Reglement vorgesetzt und dann heißt es: Friss oder stirb. Mit dem Ablauf des Concorde Abkommens gibt es ab 2021 die historische Chance für einen Neubeginn. Wir alle wissen, woran die Formel 1 krankt. Sie kostet zu viel Geld, sie fährt mit den falschen Motoren und falschen Autos und sie erfindet immer neue, noch kompliziertere Regeln, um künstlich Spannung zu erzeugen. Damit schafft sie neue Löcher statt alte zuzuschütten. Der Zeitdruck ist eine Gefahr, aber auch eine Chance für Liberty. Sie kann die Teams zu ihrem Glück zwingen. In knapp zwei Jahren stellt keiner eine Piratenserie auf die Füße.

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