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Schmidts F1-Blog zur Corona-Krise

F1-Probleme liegen im System

Formel 1-Chef Chase Carey hofft, dass die Formel 1-WM 2020 noch in diesem Sommer beginnen kann. Das ist optimistisch, meint Michael Schmidt in seinem Blog. Er erklärt, warum die Formel 1 mehr vom Virus betroffen ist als andere Sportarten.

Absagen, nichts als Absagen. Das Coronavirus hat bis jetzt nur Löcher in den Formel-1-Kalender geschlagen. Am 12. Februar wurde der GP China abgesagt, pardon verschoben. Da hatte die Seuche im Ursprungsland des Virus gerade ihren ersten Höhepunkt erreicht.

Dann erwischte es den Saisonauftakt in Australien. 13 Stunden später fielen mit Bahrain und Vietnam weitere Dominosteine um. Es dauerte nur vier Tage, da waren auch die drei Mai-Rennen in Holland, Spanien und Monaco Geschichte. Am 23. März gab Baku auf. Jenes Rennen, das die Optimisten als Saisonstart gehandelt hatten.

Wie geht es weiter? Ich würde sagen, auch Montreal und Le Castellet wackeln bedenklich. Wer jetzt noch positiv denken will, blickt auf den Juli. Da ginge es mit Österreich und England los. Aus heutiger Sicht jedoch undenkbar. Österreich und England gelten aktuell mit Italien und Spanien zu den großen Corona-Sorgenkindern Europas.

Auf die Frage, wann es wieder losgeht, weiß auch Formel1-Chef Chase Carey keine Antwort. Irgendwann im Sommer, sagt er in einem offiziellen Statement. Man habe mit der vorgezogenen Sommerpause alle Möglichkeiten geschaffen, den Kalender flexibel zu halten. Und man sei bereit, die Saison über das ursprüngliche Finale am 29. November hinaus zu verlängern, wenn es nötig sein sollte. Carey hofft auf 15 bis 18 Rennen. Es sollten einmal 22 sein.

Das ist eine mutige Ansage. Ich fürchte, dass der Internationale Motorsport das größte Problem hat, den Spielbetrieb wieder anzuwerfen. Mehr sogar noch als die Olympischen Spiele, die ja mittlerweile um ein ganzes Jahr verschoben wurden.

Chase Carey - F1 - GP Australien 2020
Aktuell

Formel 1 als weltweite Sportveranstaltung

Schuld sind systemrelevante Gründe: Die Formel 1 fährt auf der ganzen Welt. Olympia findet nur in Tokio statt. So kann man sich auf ein Land konzentrieren. Bei uns gibt es Gegenden, da herrschen Zustände wie im Krieg. Andere sind bis jetzt noch mit einem blauen Auge davongekommen.

Der Tross von 2.500 Menschen in unserem Zirkus kommt aus vielen Ländern. Vor allem aber aus den Corona-Hochburgen Italien, England, Frankreich, Spanien, Deutschland und den USA. Selbst wenn einer der Austragungsorte das Virus in den Griff bekommt, ist noch lange nicht gesagt, ob alle F1-Gäste auch dorthin reisen dürfen.

Die nationalen Fußball-Ligen träumen davon, im Mai wieder zu spielen. Und wenn es sein muss vor leeren Rängen. Das ist die leichtere Aufgabe. Weil alles im Land bleibt. Die Fußballspieler müssen bei den nationalen Wettbewerben keine Grenzen überschreiten. Die Vereine verlieren zwar die Zuschauereinnahmen, aber sie können so wenigstens die TV-Gelder und die Sponsorzuwendungen retten.

In der Formel 1 sind Rennen ohne Publikum praktisch nicht denkbar. Weil die Veranstalter eine separate Partei sind, die sich nur über Zuschauer refinanzieren kann. Von den Einnahmen aus den TV-Rechten, der VIP-Gäste im Paddock Club und von den Serien- und Event-Sponsoren haben sie nichts. Diese Einkünfte fließen samt und sonders in die Tasche von Liberty.

Impressionen - Formel 1 - GP Australien - Melbourne - 11. März 2020
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Die Formel 1 reist mit 2.500 Mitarbeitern und jeder Menge Fracht um den ganzen Globus.

Veranstaltern brechen Einnahmen weg

Warum also soll ein Promoter 30 Millionen Dollar Antrittsgeld bezahlen, wenn er von vornherein weiß, dass er auf diesem Geld sitzen bleibt? Und nicht nur auf dem. Die Austragung einer Grand-Prix-Veranstaltung selbst kostet auf einer permanenten Rennstrecke rund vier Millionen Dollar. Bei einem Stadtkurs mit Auf- und Abbau ist es ein Vielfaches.

Rennen ohne Zuschauer können sich nur Länder leisten, denen der Imagegewinn wichtiger ist als eine ausgeglichene wirtschaftliche Bilanz. Also Bahrain, Vietnam, Russland, Abu Dhabi, Aserbaidschan, China. So ein Restprogramm wollen wir nicht wirklich.

Zumindest dieses Problem könnte Liberty lösen. Indem man selbst Veranstalter spielt und sich die Strecken für wenig Geld anmietet. Dann hätte man zwar immer noch keine Zuschauer auf der Tribüne, aber die anderen Einnahmequellen würden wenigstens sprudeln. So wie beim Fußball mit Geisterspielen.

Beim zweiten Problem kann Liberty nichts tun. Es liegt in Gottes Hand, wann das Coronavirus so weit besiegt ist, dass wieder normales Leben einkehrt. Ich fürchte, dass wird eher länger als kürzer dauern.

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