Bernie Ecclestone - Formel 1 - GP Singapur - 22. September 2012 dpa
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Schmidts Formel 1-Blog

Ecclestone-Anklage auf dünnem Eis

Michael Schmidt kritisiert die dünne Beweislage, sollte Bernie Ecclestone tatsächlich wie vermutet in München angeklagt werden. In seinem aktuellen Blog erklärt der Formel 1-Experte, wer ein Interesse an der Verurteilung des Briten haben könnte.

Zwei Monate lang herrschte Ruhe im Fall der Schmiergeldaffäre um Bernie Ecclestone. Verdächtige Ruhe. In den letzten Wochen spuckt der Vulkan wieder Asche aus. Federführend ist die Süddeutsche Zeitung, die sich offenbar als verlängerter Arm der Münchener Staatsanwaltschaft sieht.

Dünne Beweislage bei möglicher Anklage

Zunächst tauchte eine obskure Geschichte auf, wonach der Staatsanwalt einen Beweis für Ecclestones Schuld gefunden zu haben glaubt. Eine Aussage des früheren BayernLB-Vorstands Gerhard Gribkowsky, der 44 Millionen Dollar kassierte und wegen Bestechlichkeit verurteilt wurde, bringt Ecclestone nach Informationen der Zeitung nun ernsthaft in Bedrängnis.
 
Demnach soll Ecclestone den Banker seinerzeit abfällig als "civil servant" bezeichnet haben. Übersetzt heißt das Staatsbediensteter oder einfach Beamter. Das diene der Staatsanwaltschaft als Hinweis dafür, dass dem Formel-1-Chef bewusst gewesen sein muss, dass es sich bei Gribkowsky um den Vertreter einer Staatsbank handelte. Diese gelten laut einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs als Amtsträger. Sie dürfen nicht einmal Kommissionen annehmen.
 
Wenn der Bericht der Wahrheit entspricht, muss man sich an den Kopf greifen. Wenn das der entscheidende Beweis für eine Verurteilung eines Verdächtigen sein soll, dann bewegt sich die Münchener Staatsanwaltschaft auf sehr dünnem Eis. Dann sind wir von einer Bananenrepublik nicht mehr weit entfernt. Wie oft bezeichnen wir Menschen als "Beamte", die langsam und ineffizient arbeiten? Fast jeden Tag, wenn wir uns über die schleppende Arbeitsprozesse des Amtsschimmels ärgern. Das kann doch kein schlüssiger Beweis sein.

Wer hat Interesse an einer Verurteilung?

In ihrem jüngsten Artikel zum Thema Schmiergeldaffäre schreibt die Süddeutsche Zeitung, dass Mercedes eine Absetzung Ecclestones vorantreiben will, sollte der in München angeklagt werden. Dazu braucht man nicht Mercedes. Das würden Ecclestones Auftraggeber von CVC Capitals schon selbst erledigen. Die Heckschützen im eigenen Haus sitzen längst auf der Lauer und warten nur auf die erstbeste Gelegenheit zuzuschlagen. Bei CVC gibt es eine ganze Reihe Leute, die glauben, sie könnten den Job besser erledigen als ihr Chefbroker. Wenn sie sich da mal nicht täuschen.

Im Sinne der Wahrheitsfindung wäre es vielleicht auch mal interessant, zu untersuchen welche Verbindungen zwischen der Münchener Staatsanwaltschaft, dem früheren Kirch-Manager Dieter Hahn und den am Verkauf der Formel 1-Aktien an CVC beteiligten Banken bestehen.

Diese haben ein vitales Interesse daran, dass Bernie Ecclestone wegen Bestechung verurteilt wird. Nur ein Schuldspruch gegen den Formel 1-Paten würde ihnen die Möglichkeit eröffnen, Zivilklagen gegen Ecclestone zu eröffnen, mit dem Ziel nachträglich mehr Geld aus dem 839 Millionen-Dollar Deal zu schlagen. Man könnte dann argumentieren, dass Ecclestone Gribkowsky geschmiert habe, um einen geringen Verkaufspreis zu erzielen. Die vermeintlichen Geschädigten dürften bei einem positiven Urteil die Hand aufhalten.

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