Schmidts F1-Blog

Force-India-Rettung torpediert

Zak Brown - Claire Williams - Formel 1 Foto: sutton-images.com 68 Bilder

Force India befindet sich seit dem GP Ungarn im Gläubigerschutz. Jetzt braucht das Team die Zustimmung aller Teams, um weiterhin an der Preisgeld-Ausschüttung zu partizipieren. Im Moment sträuben sich Renault, Williams und McLaren noch. Das könnte das Ende eines Rennstalls bedeuten, kritisiert Michael Schmidt.

Die Formel 1 befindet sich mal wieder in einer kritischen Situation. Es geht um den Erhalt eines Teams. Force India musste zwei Tage vor den GP Ungarn Insolvenz anmelden. Es war die einzige Chance, den Rennstall seriös zu verkaufen. Mit Gründer Vijay Mallya und dessen Problemen mit dem indischen Staat hätte das Team keine Zukunft mehr gehabt.

Der Rettungsversuch eines Sponsors stand auf so schwachen Beinen, dass ihn der Richter ablehnte. Die Reaktion des Sponsors darauf auf Twitter diskreditiert den Absender. Wer unreflektiert und öffentlich Gläubigern die Schuld gibt, kann nicht sonderlich seriös sein. Sei‘s drum. Jetzt stehen fünf Interessenten bereit, Force India zu übernehmen, und mindestens drei davon garantieren dem Rennstall einen solide finanzierten Fortbestand.

Es gibt nur noch eine Hürde zu umschiffen. Alle anderen Teams müssen zustimmen, dass Force India bei einem Besitzerwechsel weiterhin an der Ausschüttung der Startgelder und TV-Einnahmen partizipiert und nicht wie jeder neue Rennstall bei Null anfangen muss. Das würde über den Zeitraum von drei Jahren einen Verlust von 150 Millionen Dollar bedeuten und wäre für die neuen Besitzer in spe ein Grund abzulehnen. Force India müsste schließen. 405 Mitarbeiter hätten keine Arbeit mehr, und 2019 würden nur noch 18 statt 20 Autos am Start stehen.

Renault, McLaren und Williams melden Bedenken

Formel 1-Chef Chase Carey wollte in Budapest die nötigen Unterschriften einsammeln. Doch drei Teams meldeten Bedenken an. Renault und ausgerechnet die britischen Traditionsteams Williams und McLaren, die sportlich gerade eine erbärmliche Vorstellung abgeben. Ich weiß nicht, was Claire Williams und Zak Brown auch nur darüber nachdenken lässt, ihre Unterschrift zu verweigern. Force India sterben zu lassen, wäre ein Anschlag auf den Sport. Die Formel 1 hat schon mit 20 Autos ein viel zu dünnes Starterfeld. Ist die Aussicht auf ein paar Dollar extra es wirklich wert, den Sport weiter zu beschädigen? So dumm kann man eigentlich gar nicht sein.

Force India - Logo - 2018 Force India gerettet Stroll investiert in Rennstall

Renault benutzt die Unterschrift als Druckmittel gegen Liberty. Der französische Rennstall will verhindern, dass die Formel 1 in Zukunft von Mercedes und Ferrari mit ihren B- und C-Teams kontrolliert wird. Zugegeben, das ist ein Problem, nur man hätte es schon längst auf anderem Weg lösen können und müssen. Der erste wäre, für einfachere und billigere Motoren zu stimmen. Aber Renault will wie die anderen Herstellern an den komplexen Hybrid-Monstern festhalten, die die Kundenteams in den Ruin treiben, weil sie im gleichen Maß die Konstruktion des Auto verteuern und verkomplizieren. Wo bleibt da die Logik, Herr Abiteboul?

In der Force India-Affäre muss jedes Team das große Bild sehen und nicht den eigenen Vorteil. So wie HaasF1, die viel mehr Gründe hätten, Force India eines auszuwischen. Force India war das Team, das am immer lautesten gegen das Modell Ferrari/HaasF1 gewettert hat. Der US-Rennstall gab ohne groß nachzudenken sein Ja-Wort.

Williams und McLaren gurken ja nicht wegen Geldmangel am Ende des Feldes herum, sondern weil sie einen schlechteren Job als Force India gemacht haben. Sie sollten besser vor der eigenen Haustüre kehren, als versuchen andere Teams am grünen Tisch zu eliminieren. Und sie sollten vor allem auch daran denken: Sie könnten schon bald die nächsten sein, die dann die Zustimmung der anderen Teams brauchen. Wenn sie sich jetzt weigern, muss man ihnen dieses Schicksal fast wünschen.

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