Mercedes - Red Bull - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo Motorsport Images
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Brasilien - Sao Paulo - Freitag - 12.11.2021
Verstappen - Hamilton - Bottas - Formel 1 - GP Brasilien - Sao Paulo - Freitag - 12.11.2021
Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Brasilien - Sao Paulo - Freitag - 12.11.2021
Verstappen - Hamilton - Formel 1 - GP Brasilien - Sao Paulo - Freitag - 12.11.2021 39 Bilder

Schmidts F1-Blog zur DRS-Affäre um Hamilton

Schmidts F1-Blog zur DRS-Affäre Ein Fall mit lauter Verlierern

Eine der besten Formel 1-Saisons könnte durch ein Urteil der Sportkommissare entschieden werden. Die Disqualifikation von Lewis Hamilton steht auf hölzernen Beinen, ist den Statuten nach jedoch vertretbar. Sie zeigt aber auch eine Schwäche der FIA-Justiz.

Die FIA konnte in diesem Fall nur verlieren. Weil er sehr wahrscheinlich eine Weltmeisterschaft am grünen Tisch entscheidet, die bis jetzt alle in ihren Bann gezogen hat. Es wird einen Schatten über diese Saison werfen, egal auf welcher Seite man steht. Wir haben uns alle gewünscht, dass der Kampf zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen auf der Rennstrecke entschieden wird. Jetzt könnte es ein Regelverstoß sein, der erst durch ein im Sommer eingeführtes Messverfahren zu einem wird. Wenn schon Disqualifikation, dann lieber etwas Eindeutiges. Etwas, das jeder versteht. So etwas wie fünf Kilogramm untergewichtig. Basta. So aber wird immer ein Beigeschmack bleiben.

Lewis Hamilton - Mercedes - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo
xpb
Mercedes verzichtet auf einen Einspruch gegen das Urteil. Hamilton startet den Sprint von ganz hinten.

Millimeter-Entscheidung gegen Mercedes

Es war ein Fall, wie ihn die Formel 1 noch nie gesehen hat. Die routinemäßige Untersuchung der Autos nach der Qualifikation ergab bei Lewis Hamiltons Mercedes einen Heckflügel, der bei offenem DRS nicht der Regel 3.6.3. des Technik-Regelwerks entspricht. Die Spalte zwischen den beiden Heckflügelelementen war nahe den Endplatten größer als die erlaubten 85 Millimeter. Es war im wahrsten Sinne des Wortes eine Millimeter-Entscheidung.

Bei einer statischen Messung wurde der Flügel für legal befunden. Doch die Schublehre ließ sich mit Gewalt durch die Spalte schieben. Damit musste man annehmen, dass bei natürlicher Deflektion ein Zustand eintreten kann, der den Maximalwert überschreitet. Der trickreiche Punkt ist, dass der Regelverstoß nur dann ein Regelverstoß ist, wenn man die mitten im Jahr verschärfte Technische Direktive 011-19 anwendet. Mit der wurde das neue Testverfahren eingeführt, um eine absichtlich herbei geführte Verformung zu verhindern.

Wie grenzwertig der Fall ist, zeigt die Begründung der Sportkommissare. Mercedes bringt fünf entlastende Argumente vor, die von den Richtern alle akzeptiert werden, allerdings mit einem klaren Aber. Auch wenn Mercedes ausreichend begründen konnte, dass keine Absicht vorlag, dass die Diskrepanz entweder durch Ermüdung oder Überbelastung der betroffen Teile zustande kam, hatte das auf die Disqualifikation keinen Einfluss. Ein Millimeter zu viel ist wie zehn Millimeter zu viel, sagen die Sportkommissare.

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - GP Brasilien - Sao Paulo - Freitag - 12.11.2021
Motorsport Images
Max Verstappen kam mit einer Geldstrafe von 50.000 Euro davon.

Verstappen und seine Berührungen

Normalerweise ein schlüssiges Argument. Doch in diesem speziellen Fall ist es ein unbefriedigendes Urteil, weil nur die neue Testmethode den Regelverstoß justitiabel macht. Und der steht nicht im Regelbuch, sondern in einer Direktive. Ein bisschen wenig, wenn es um so viel geht. Zum wiederholten Mal zeigt sich die Schwäche eines Systems, das Interpretationen braucht, um die Regeln zu erklären.

Dazu kommt noch ein anderer Punkt, der die Hamilton-Fans auf die Palme treiben wird. Ein Zuschauervideo zeigte, wie ausgerechnet WM-Konkurrent Max Verstappen nach dem Verlassen des Autos zuerst an seinem Red Bull die Heckflügelspalte untersuchte und dann auch noch am Mercedes von Hamilton. Und zwar an zwei Stellen links und rechts des Verstellmechanismus. Eine genaue Video-Analyse ergab, dass Verstappen beim Berühren des Heckflügelhauptblattes nicht genügend Druck ausübte, um irgendetwas an dem Flügel zu ändern.

Die Sportkommissare gaben dem WM-Spitzenreiter eine Strafe von 50.000 Euro und verwiesen darauf, dass ein Fahrer nicht zum ersten Mal im Parc fermé Teile seines eigenen oder dem eines Konkurrenten berührte. Doch das ist nicht der Punkt. Zum ersten Mal war ein Tatwerkzeug betroffen. Und das ist dann kein Kavaliersdelikt mehr. Weil bei einem anders gelagerten Fall rein theoretisch Einfluss genommen werden könnte.

Genauso heikel ist, dass Verstappen seinen eigenen Heckflügel inspiziert hat. Am Red Bull mit der Startnummer 33 hatte während der Qualifikation der DRS-Mechanismus nicht funktioniert. Auch hier hat Verstappen durch sein Handauflegen nichts manipuliert. Und doch hätte er es in Theorie gekonnt.

Die Geldstrafe geht deshalb voll in Ordnung. Und auch der Hinweis, dass es in Zukunft auch härtere Strafen für ähnliche Vergehen geben könnte. Eigentlich sollte dieser Punkt explizit längst im Sportlichen Reglement stehen. Ein Fahrer darf beim Aussteigen im Parc fermé nur die Teile des Autos berühren, die er zum Aussteigen braucht. Für jeden Kontakt mit dem Fahrzeug, der nichts damit zu tun hat, sollte es in Zukunft eine Startplatzstrafe geben, egal ob die Berührung relevant war oder nicht. Das würde uns allen aufwendige Untersuchungen ersparen und für Klarheit sorgen. In diesem Fall wäre auch das Urteil über Hamilton viel früher gesprochen werden.

Formel 1 Aktuell Max Verstappen - Red Bull - GP Saudi-Arabien 2021 - Rennen Power Ranking GP Saudi-Arabien Red Bull schlägt sich selbst

Der Herausforderer leistete sich in Jeddah zu viele Fehler.

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