Sebastian Vettel - GP Mexiko 2016 Wilhelm
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Daniel Ricciardo - GP Mexiko 2016 24 Bilder

Schmidts F1-Blog

Lasst die Fahrer am Funk frei reden!

Sebastian Vettel gerät wegen seiner Funksprüche in die Kritik. Bis vor kurzem haben wir Emotionen in der Formel 1 vermisst. Jetzt regen sich genau die auf, die sich vorher beklagt haben. Seid froh, dass wir nach dem Rennen ein Gesprächsthema haben, meint Michael Schmidt.

Der GP Mexiko war nicht das Wochenende von Sebastian Vettel. Er hatte ein Auto, mit dem er hätte gewinnen können. Und dann ging am Samstag alles schief. Am Sonntag lief der Ferrari wieder, doch der Preis des schlechten Startplatzes war einfach zu hoch. Irgendwie ist dieses Auf und Ab symptomatisch für die Saison von Ferrari. Immer dann, wenn das Auto funktioniert, steht man sich selbst im Weg.

Vettel schimpft im Frust

Trotz der schlechten Ausgangsposition brachte sich Vettel am Ende des Rennens in die Lage, um einen Podiumsplatz zu kämpfen. Vor ihm ein Red Bull, hinter ihm einer. Dass ihm ausgerechnet Max Verstappen vor der Nase herumfuhr, machte die Sache nicht einfacher. Mit dem hatte sich Vettel im Verlauf der Saison bereits ein paar Mal in den Haaren gehabt, hauptsächlich wegen Verstappens Art sich auf der Rennstrecke zu verteidigen.

Dann kamen zwei Dinge zusammen. Vettel griff an, Verstappen kürzte durch die Wiese ab. Ferrari ließ Vettel im Glauben, der Gegner müsse den Platz wieder hergeben. Was der aber nicht machte. Schlimmer noch. Verstappen hat Vettel 2 Runden später durch gezieltes Langsamfahren in den ersten 3 Kurven in die Fänge von Daniel Ricciardo getrieben. So lange Vettel mit Ricciardo beschäftigt ist, würde er selbst Ruhe haben. Ganz schön clever, das Bürschchen.

Wenn Vettel da zusammen mit dem Frust über die Situation bei Ferrari die Sicherungen durchbrennen, muss man Verständnis haben. Es wäre wahrscheinlich jedem von uns genauso gegangen. Okay, er hat in der Hitze des Gefechts ein paar nicht ganz jugendfreie Dinge gesagt und mit FIA-Rennleiter Charlie Whiting die falsche Zielscheibe angepeilt. Er hat sich dafür auch entschuldigt. Wo ist jetzt noch das Problem?

Nur noch brave Funksprüche?

Stellen Sie sich vor, Kimi Räikkönen hätte in der Vettel-Art am Funk über einen Fahrerkollegen geschimpft. Alle hätten es wohl cool gefunden. Und wie haben wir Juan Pablo Montoya beim GP Malaysia 2002 gefeiert, als der Kolumbianer für eine Kollision mit Michael Schumacher bestraft wurde, an dem eher sein Gegner schuld war. Montoya feuerte ein paar derbe Flüche Richtung Rennleitung ab und sie wurden weltweit ausgestrahlt. Die Fans jubelten, die Bedenkenträger mauerten. Wir bekamen danach nur noch die braven Funksprüche serviert. Wie langweilig.

Irgendwann haben selbst die Dümmsten kapiert, dass Sport von Emotionen lebt, und sie haben diesen paranoiden Wahnsinn abgeschafft, Funksprüche zu unterdrücken. Und jetzt ist es auch wieder nicht recht. Nur weil Vettel ein paar Kraftausdrücke gebrauchte, die man in der Öffentlichkeit nicht sagt. Oder Verstappen einen „Bastard“ nennt. Besonders unsere englischen Kollegen haben sich darüber künstlich aufgeregt. Und ausgerechnet die „Sun“, das größte Revolverblatt des Landes. Die lebt von solchen Geschichten. Ich sage Ihnen: Jeder von denen, die sich jetzt echauffieren, gebraucht das F-Wort mindestens 10 Mal am Tag. Was für eine Bigotterie.

Man kann darüber streiten, ob Vettels verbaler Rundumschlag angemessen war, aber man muss nicht mit erhobenem Zeigefinger jetzt den Gutmenschen herauskehren, der so etwas in vergleichbarer Situation nie tun würde.

Verstappen kündigt Funk-Diät an

Max Verstappen wurde in Austin der Arroganz bezichtigt, nur weil er seinen Renningenieur anschnauzte, er fahre hier nicht um Platz 4. Leute, sind wir froh, dass es hin und wieder eine Entgleisung gibt! Das zeigt uns, unter welcher Anspannung die Fahrer in ihren Cockpits arbeiten. Die Kritik an Verstappen führte dazu, dass der in Zukunft nur noch mit Ja, Nein oder Okay antworten will. Max, überleg dir das noch einmal! Uns sind deine ungeschminkten Funksprüche lieber.

Wer jetzt eine Klostersprache am Funk verlangt, tut dem Sport keinen Gefallen. Nach dem GP Mexiko hatten wir ein Gesprächsthema. Die einen regen sich auf, die anderen sagen: Recht so. Bernie Ecclestone meinte zu Vettels Flüchen am Funk: „Gut oder schlecht, er hat wenigstens eine Meinung. Und das ist gut so.“

Motorsport Aktuell Sebastian Vettel - GP Mexiko 2016 Vettels Mexiko-Boxenfunk unzensiert Verstappen ist ein Bastard

Wir haben den unzensierten Boxenfunk von Sebastian Vettel, Max Verstappen...

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