Nikita Mazepin - Mercedes - Formel 1 - Test - Barcelona - 15. Mai 2019 Motorsport Images

Schmidts F1-Blog zu Nikita Mazepin

Formel 1-Fahren zu einfach

Nikita Mazepin fährt bei seinem ersten Mercedes-Test in Barcelona Tagesbestzeit. Drei Zehntel langsamer als Valtteri Bottas, drei Zehntel schneller als Lewis Hamilton in der Qualifikation. Das zeigt, dass es heute zu einfach geworden ist, ein Formel 1-Auto zu fahren. Die FIA muss dringend etwas Grundlegendes an diesen Autos ändern, meint Michael Schmidt.

Bei allem Respekt. Nikita Mazepin und Antonio Fuoco sind keine zukünftigen Weltmeister. Wenn man sich ihre Vorstellungen in der Formel 2 so anschaut, dann haben sie noch nicht einmal Formel 1-Format. Doch dann fährt dieser Mazepin am zweiten Testtag in Barcelona Bestzeit. Mit 1.15,775 Minuten ist der Russe nur 0,264 Sekunden langsamer als Valtteri Bottas einen Tag zuvor, aber immerhin 0,265 Minuten schneller als Lewis Hamilton am Qualifikations-Samstag.

Okay, Mazepin fuhr Pirellis weichste C5-Mischung und Hamilton nur den C3-Typ. Aber von den Winter-Testfahrten wissen wir, dass der C5-Reifen nicht so viel besser ist, weil er sich in den ersten beiden Sektoren schon halb auflöst. Beim Tankinhalt gab es bestimmt keinen Unterschied. Auch Hamilton ist am Samstag mit einem Minimum an Sprit gefahren. Bottas hatte wie Mazepin die C5-Reifen drauf. Man muss hoffen, dass der Finne etwas mehr Kraftstoff an Bord hatte, sonst müsste man sich die Frage stellen, warum ein zweifacher Saisonsieger nur zwei Zehntel schneller fährt wie ein mittelmäßig begabter Nachwuchspilot, der zum ersten Mal im aktuellen Mercedes saß.

MIt fast 1.000 PS zum Einkaufen

Auch Ferrari-Junior Antonio Fuoco kam verdächtig schnell auf Speed. Der 22-jährige Italiener kannte den SF90 bislang nur aus dem Simulator. Wie Mick Schumacher bei seinem Bahrain-Test. Und auch er machte auf Anhieb eine gute Figur. Racing Point-Simulatorfahrer Nick Yellolly stand den Stammpiloten trotz mangelnder Fahrpraxis kaum nach. Früher mussten Formel 1-Einsteiger erst einmal Steine fressen, außer es saßen Supertalente wie Alain Prost, Ayrton Senna oder Michael Schumacher im Cockpit. Da lagen in der Regel nicht Zehntel, sondern Sekunden zwischen den Neulingen und den Veteranen.

Das führt zu dem Schluss, dass Formel 1-Fahren viel zu einfach geworden ist. Die Motoren haben zwar fast 1.000 PS, doch sie sind so fahrbar wie ein Straßen-Motor. Da gibt es kein Turboloch, kein schmales nutzbares Drehzahlband, bei dem Power entweder da ist oder nicht. RTL-Experte Christian Danner meinte, man könnte mit einem modernen Formel 1-Auto auch zum Einkaufen fahren. Die Autos produzieren mehr Anpressdruck als je zuvor. Und der ist auch noch halbwegs stabil.

Antonio Fuoco - Ferrari - Formel 1 - Test - Barcelona - 15. Mai 2019
xpb
Antonio Fuoco war im Ferrari auf Anhieb schnell.

Wenn die Fahrer über eine leichte Instabilität im Heck schimpfen, dann ist das im Vergleich zu früher Klagen auf hohem Niveau. Mit 743 Kilogramm Leergewicht und Radständen jenseits von 3,60 Meter passieren alle Richtungswechsel aus Sicht eines Formel 1-Profis wie Nico Hülkenberg wie in Zeitlupe. Dazu kommt, dass eine Strecke wie Barcelona praktisch in allen Kurven ein riesiges Auffangnetz bietet. Mit Ausnahme von Kurve 9 kann man schon mal über das Limit hinausgehen, ohne dass man irgendwo anstößt.

Wie anders ist da doch die IndyCar-Szene, speziell auf den großen Ovalen. Da sind die Autos trotz nur 700 PS in den Superspeedways übermotorisiert. Weil die Miniflügel vorne und hinten kaum Abtrieb bieten. Und da rauschen dann selbst ein Superstar wie Fernando Alonso oder der Rookie des Jahres Felix Rosenqvist am zweiten Trainingstag in die Mauer. Man spürt sofort: Diese Autos werden am Limit bewegt.

Wir ziehen instinktiv vor den Fahrern den Hut. In der Formel 1 fragen wir uns immer öfter, ob da die Autos nicht besser sind als die Fahrer. Wir wissen es logischerweise besser. Natürlich sind Lewis Hamilton, Sebastian Vettel und Max Verstappen immer noch die Superstars im Cockpit. Wir sehen es nur leider nicht mehr. Weder im Fernsehen, noch an den Rundenzeiten. Weil wir nicht mehr feststellen können, was das Auto ausmacht und was der Fahrer. Dabei wäre es so einfach, die Rennfahrerei schwieriger aussehen zu lassen: Weniger Abtrieb, noch mehr Power, weniger Gewicht, kürzere Radstände, weniger Fahrhilfen und selektivere Rennstrecken.

Formel 1-Testfahrten (Tag 2): Die In-Season-Tests in Barcelona

Nikita Mazepin - Mercedes - Formel 1 - Test - Barcelona - 15. Mai 2019
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