Schmidts F1-Blog zu McLaren & Renault

Überzogene Erwartungen

McLaren - Formel 1 - GP China 2018 Foto: xpb 30 Bilder

McLaren will seinen Chassis-Chef Tim Goss loswerden. Renault-Technikdirektor Bob Bell spricht von nicht erfüllten Zielvorgaben. Bei McLaren und Renault brennt der Baum. Beide müssen mindestens Vierter werden und wollen die Lücke zur Spitze schließen. Das sind völlig überzogene und unrealistische Erwartungen, meint Michael Schmidt.

Tim Goss ist das erste Opfer eines Plans, der nicht aufgeht. Der nicht aufgehen kann. McLaren hat noch nicht bestätigten Gerüchten zufolge seinen langjährigen Chassis-Projektleiter Tim Goss beurlaubt. Ob diese Maßnahme gerechtfertigt ist, können wir von außen nicht beurteilen. Doch der Zeitpunkt der Entlassung spricht Bände. Er kam nach dem dritten Rennen der Saison. Wenn das der Maßstab ist, müssten noch ein paar mehr Teams ihre Technikchefs auf die Straße schicken. Da kann man darauf warten, dass auch bei Renault demnächst der Rauch aufsteigt.

Renault inzwischen mit 1.200 Mitarbeitern

McLaren und Renault haben das gleiche Ziel. Beide wollen mindestens Vierter in der Konstrukteurs-WM werden. Oder sollen wir besser sagen: Sie müssen es. McLaren treibt ein Versprechen an die Besitzer des Teams, die den Tausch von Honda- zu Renault-Motoren finanziert haben und dafür tief in die Tasche greifen müssen, weil das Auto immer noch weitgehend sponsorfrei ist. Man hat den Geldgebern erzählt, dass sie bislang nur der Motor vom Gewinnen abgehalten hat. Die Ingenieure haben der Teamleitung versichert, dass sie ein Auto bauen können, das an der Spitze mitfahren wird. Wie wir heute sehen können, war der Honda-Motor zumindest in der zweiten Saisonhälfte 2017 nicht so schlecht wie er geredet wurde und das McLaren-Chassis vielleicht auch nicht so gut, wie man glaubte. Renault hat seine Mannschaft auf von 700 auf 1.200 Mitarbeiter aufgestockt. Man hat dem Vorstand die notwendigen Investitionen mit dem Argument aus dem Kreuz geleiert, dass man Mercedes, Ferrari und Red Bull nur einholen könne, wenn man mit gleichen Waffen kämpft.

Carlos Sainz - Renault - Formel 1 - GP China - Shanghai - 14. April 2018 Renault unzufrieden mit Saisonstart „Abstand zu Top-Teams angewachsen“

Gleichzeitig haben sich die beiden Teams Ziele gesetzt, die völlig unrealistisch sind. Renault wollte den Abstand zu den Topteams halbieren. McLaren hatte den Anspruch, sie gleich ganz zu schließen. Mit Verlaub: Das ist gar nicht möglich. Jedenfalls nicht in so kurzer Zeit. Die drei Topteams fahren 1,5 Sekunden vor dem Rest des Feldes ihr eigenes Rennen. Das ist nach Formel 1-Normen ein Klassenunterschied und nicht etwas, das man in ein oder zwei Jahren einfach so wettmacht. Mercedes, Ferrari und Red Bull haben ihre Teams über Jahre hinweg zu Monstern mit über 800 Mitarbeitern in der Chassis-Abteilung aufgeblasen. Das sind gewachsene Strukturen. Die kann man nicht einfach so aus den Angeln heben, indem man den Motorpartner tauscht oder in Windeseile die Belegschaft verdoppelt und die Fabrik renoviert. In den letzten 82 Rennen haben die drei Topteams 225 der 242 Podiumsplätze belegt. Das ist doch kein Zufall.

Ich behaupte mal: McLaren und Renault werden erst zu den drei Topteams aufschließen, wenn eine Budgetdeckelung kommt und die Formel 1 gleichzeitig mit den Autos und Motoren bei Null beginnt. Solange werden die Teamchefs ihren Dienstherren immer neue Gründe liefern müssen, warum die völlig überzogenen Erwartungen nicht erfüllt werden können. Und wenn es nur das immer funktionierende Mittel eines Bauernopfers ist. McLaren und Renault haben bei ihren ehrgeizigen Zielvorgaben noch ein anderes Problem. Sie reduzieren die Fehlersuche auf sich selbst. Red Bull zeigt, dass man mit dem gleichen Motor um den Titel fahren kann.

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