Podium - GP Italien 2016 sutton-images.com
Pascal Wehrlein - GP Italien 2016
Podium - GP Italien 2016
Nico Rosberg - GP Italien 2016
Startaufstellung - GP Italien 2016 67 Bilder

Schmidts F1-Blog

Monza ist ein Live-Erlebnis

Monza stand für Highspeed, Windschattenfahren, Herzschlagfinale. Das war einmal. Die moderne Aerodynamik macht aus Monza eine Strecke wie jede andere. In mancher Hinsicht sogar schlimmer. Die Prozession beim letzten GP Italien ist kein Zufall, meint Michael Schmidt.

Mein erstes Monza-Erlebnis war der GP Italien 1970. Am Tag nachdem Jochen Rindt tödlich verunglückt war. Ich habe das Rennen im Fernsehen gesehen. Es war das, was mein Bild von Monza prägte. Ein Highspeed-Spektakel mit Windschattenfahren im Zentimeterabstand.

Die Spitzengruppe bestand aus bis zu 8 Fahrern und sie haben sich in einer Runde gleich mehrfach in der Führungsarbeit abgelöst. Teilweise winkte der Spitzenreiter den Zweiten vorbei. Um selbst wieder etwas Windschatten fahren zu können. 1965 gab es 45 Führungswechsel. Alle auf der Strecke. Diesmal waren es zwei. Beide in der Boxengasse, weil Nico Rosberg eher zum Reifenwechsel kam.

Enge Duelle bei hohem Tempo

Clay Regazzoni hat den Grand Prix 1970 dann mit 5 Sekunden Vorsprung gewonnen. Im Pulk riss von einer Sekunde zur nächsten der Kontakt ab, weil der Zweite geschlafen hatte. Ein Jahr später gingen die ersten Fünf im Abstand von 0,61 Sekunden über die Ziellinie.

Acht Fahrer führten das Rennen an. Das war kein Einzelfall. Auch 1969 konnte man die ersten 4 Fahrer mit einem Tuch abdecken. Der Abstand des Siegerquartetts betrug 0,19 Sekunden. 2016 trennten den Fünften vom Ersten 45 Sekunden.

Henri Pescarolo fuhr beim letzten Monza-Rennen ohne Schikanen mit 247,016 km/h eine Rekordrunde, die jahrzehntelang Bestand hatte. Fernando Alonso schnellste Rennrunde in diesem Jahr lag bei 244,373 km/h.

Der Honda V6-Turbo hatte knapp doppelt so viel PS wie Pescarolos Cosworth V8, und Alonso sitzt in einem Auto, das im Windkanal entwickelt wurde. Der March 711 von Pescarolo hatte einen Windkanal vermutlich nie gesehen. Simulation war noch ein Fremdwort. Telemetrie auch. Man hatte dem March einfach den vorderen Flügel abmontiert um Top-Speed zu gewinnen.

Aerodynamik leidet unter „Dirty Air“

Die moderne Aerodynamik ist für Monza mehr Fluch als Segen. Sie macht aus den Rennen ein Einzelzeitfahren im Pulk. Die Turbulenzen des vorausfahrenden Autos sind noch 200 Meter dahinter spürbar.

Wenn dann noch ein Minimum an Abtrieb zur Verfügung steht, verstärkt sich der Effekt, dass man nicht dicht aufschließen kann. Das Bremsen wird zum Balanceakt. Das Ausbremsen umso mehr. Es ist schwierig, aus dieser Konstellation spannenden Rennsport zu fabrizieren.

Monza ist ein Live-Erlebnis und kein TV-Sport. Wer in den königlichen Park fährt, ist automatisch elektrisiert. Man wird von der Stimmung und der Tradition geradezu erschlagen. Und bekommt auf der Rennstrecke auch ohne Überholmanöver Spektakel geboten.

Wenn das Heck beim Anbremsen aus 350 km/h unruhig wird, die Autos beim Ritt durch die Schikanen mangels Anpressdruck immer knapp am Rausfliegen tänzeln und die Fahrer den Speed durch die schnellen Kurven Lesmo, Ascari und Parabolica exakt treffen müssen, dann erkennt man erst die Fahrkunst der Piloten.

Mein erster Rennbesuch im Autodrom liegt 39 Jahre zurück. 200.000 Menschen machten Monza 1977 am Renntag zum Hexenkessel. Mit Mario Andretti auf Lotus gewann zwar kein Ferrari-Pilot, aber doch irgendwie der Richtige. Ferrari-Pilot Niki Lauda war als Zweiter mit einem Bein Weltmeister. Das versöhnte die Tifosi. Ich bin seitdem immer wieder hingefahren. Monza verzeiht man auch langweilige Rennen.

Motorsport Aktuell Kevin Magnussen - Haas - 2019 Magnussen rechnet mit der Formel 1 ab Seit sechs Jahren keinen Sieg

Kevin Magnussen ist nach sechs Jahren ohne Sieg frustriert.

Mehr zum Thema GP Italien (Formel 1)
Sebastian Vettel - GP Italien - 2019
Aktuell
Mercedes - Formel 1 - GP Italien - Monza - 2019
Aktuell
Kubica-Lenkrad - GP Italien 2019
Aktuell