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Brabham BMW 1986
BMW F1 Motor 1986
Honda F1 2005
Honda F1 Motor 2005 18 Bilder

Schmidts F1-Blog zu Motoren: Das unlösbare Problem

Schmidts F1-Blog zu Motoren Das unlösbare Problem

Auf der Suche nach einem neuen Motoren-Reglement fährt die FIA in eine Sackgasse. Red Bull fordert einen Entwicklungsstopp. Mercedes unterstützt das, Ferrari kann ihn sich bei Angleichung der Motoren vorstellen, was aber Mercedes ablehnt. Die FIA sollte das unlösbare Problem schnell lösen, meint Michael Schmidt.

Eigentlich ist die Aufgabenstellung ganz einfach. Die Formel 1 braucht ein neues Motoren-Reglement, weil sie mit dem aktuellen in eine Sackgasse gefahren ist. Wie heute jeder zugibt, sind die Motoren zu komplex und zu teuer. Und das nur dafür, dass man am Ende sich mit dem Fähnchen Hybrid schmücken darf. Alle Beteiligten haben sich in die Hand versprochen, den Fehler von 2014 nicht zu wiederholen. Einig ist man sich auch, dass man nicht bis 2026 warten kann. Und dass der neue Antrieb einfacher und billiger sein und den Autokonzernen das Gefühl geben muss, er sei serienrelevant. Was er natürlich nie sein wird. Ist der aktuelle ja auch nicht. Man kann ja so tun als ob.

Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Bahrain - Sakhir - Qualifikation - Samstag - 28.11.2020
F1/FIA
Mercedes ist für einen Entwicklungsstopp, aber ohne künstliche Angleichung der Motoren.

Keine Balance of Performance

Doch so weit ist die Formel 1 noch gar nicht. Sie streitet sich jetzt erst einmal über den Weg dorthin. Der ursprüngliche Plan sah vor, die Entwicklung der aktuellen Antriebseinheiten 2023 zu stoppen, damit sich die Motorenhersteller bis 2026 auf die Konstruktion der neuen Triebwerke konzentrieren können. Schon da muss ich fragen: Seid ihr noch zu retten? Wozu bitte braucht man drei Jahre, um einen Motor zu entwickeln, der nach eigener Forderung einfacher und 50 Prozent billiger sein soll? Warum überhaupt bis 2026 oder 2025 warten? Das macht ein Mario Illien in einem Jahr.

Kommen wir zum Einfrieren der aktuellen Motoren zurück. Red Bull kann ohne einen Entwicklungsstopp 2022 nicht an seinem Plan festhalten, die Honda-Motoren ein Eigenregie weiter einzusetzen. Hier kann man sich die Frage stellen, ob das generell sinnvoll ist. Aber das muss Red Bull wissen. Mercedes wäre zu einem solchen Entwicklungsstopp bereit. Wäre ich auch, wenn ich den besten Motor habe.

Ferrari und Renault knüpfen ihn an Bedingungen. Sie machen nur mit, wenn vorher die Motoren auf ein gleiches Niveau gebracht werden. Würde ich an ihrer Stelle auch tun. Wer will schon drei Jahre lang freiwillig ein Leistungsdefizit mit sich herumschleppen? Doch wie funktioniert die Angleichung, wenn es Ferrari, Renault und Honda nicht auf natürlichem Weg schaffen? Über extra Entwicklungsschleifen für die Benachteiligten? Über mehr Benzin für die Unterlegenen? Das riecht nach Balance of Performance, die auch nicht besser wird, wenn man sie wie Ferrari "Convergence" nennt. Mercedes ist strikt dagegen. Bin ich auch. Aus Prinzip. Eine BOP hat im Motorsport nichts verloren.

Vergesst die MGU-H

Wir stehen also vor einem unlösbaren Problem. Nicht ganz. Die FIA muss dieses unwürdige Schauspiel schleunigst auflösen und sich nicht von den Herstellern mit Sonderwünschen in die Enge treiben lassen. Das hat sie in Le Mans schon einmal gemacht. Mit dem Erfolg, dass man den Herstellern jedes Jahr ein noch schöneres Geschenk machen wollte, das aber am Ende keiner darstellen konnte, weil es zu teuer war. Jetzt ist man bei der Billig-Formel LMDh angelangt. Da gibt es plötzlich Interessenten. Sogar große Autokonzerne.

Die FIA muss den Motorenherstellern jetzt die Pistole auf die Brust setzen. Wir brauchen die neuen Motoren und den CO2-neutralen Kraftstoff bereits 2023. Behaltet die V6-Turbos mit einem Spritlimit für das Rennen. Dann muss man nicht bei Null beginnen. Rüstet sie mit einem simpleren Hybridantrieb aus, dessen Leistung der Fahrer auf Knopfdruck abrufen kann. So wird Elektroleistung zum Überhol-Tool und damit zu einer Story, die man jedes Rennen verkaufen kann.

Jean Todt - FIA - GP Bahrain 2020 - Sakhir
xpb
Die FIA um Präsident Jean Todt sollte das Motoren-Problem schnell lösen.

Vergesst die MGU-H. Sie hat keinem etwas gebracht. Oder die Durchflussmenge. Zu schwer zu kontrollieren, unmöglich nach draußen zu verkaufen. Ob der Anteil der elektrischen Leistung 20 oder 60 Prozent beträgt, interessiert keinen Hund. Genauso wenig wie die 100 Kilogramm Durchfluss pro Stunde irgendjemand hinter dem Ofen hervorgelockt haben. Mit einem solchen Format hätten wir mit Hybrid und sauberem Sprit zwei grüne Faktoren im Spiel. Mehr Feigenblatt geht nicht. Das reicht für die Selbstdarstellung der Hersteller. Die Kosten bringt man mit einem Budgetdeckel in den Griff. Dann kann keiner sagen, dass es zu teuer ist, in nur zwei Jahren einen neuen Motor bauen zu müssen.

Wer nicht mitmachen will, soll zu Hause bleiben. Ein paar werden das gut finden und auf den Zug aufspringen. Und dann kommen auch die zurück, die sich jetzt falsch verstanden fühlen. Manchmal muss man die Autohersteller und Mineralölfirmen auch zu ihrem Glück zwingen. Für die Autokonzerne und Öl-Multis wäre eine Kampagne für emissionsfreien Kraftstoff wichtiger als das Thema Elektroantrieb. In diese Richtung lassen sie sich von der Politik ohnehin gerade ohne großen Widerspruch hineintreiben, obwohl jeder weiß, dass Elektroautos auf der Langstrecke untauglich sind und es auch in zehn Jahren noch sein werden.

Die Autokonzerne müssten eigentlich froh um jede Plattform sein, die zeigt, dass es noch andere Technologien von umweltfreundlicher Mobilität gibt. Sie selber haben ja seit dem Dieselskandal leider nicht mehr den Mut dazu, das öffentlich so zu sagen. Da könnte ihnen der Motorsport helfen.

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