Schmidts F1-Blog

Was planen Ferrari und Mercedes?

Toto Wolff & Maurizio Arrviabene - F1 2017 Foto: sutton-images.com 27 Bilder

Seit der Präsentation der Formel 1-Vision für 2021 ist es verdächtig ruhig geworden. Liberty wäre jetzt gut beraten, den zehn Teams eine Frist zu setzen, meint Michael Schmidt in seinem Blog. Nach dem Motto: Friss oder stirb!

Am 6. April haben die Formel 1-Chefs Chase Carey und Ross Brawn den 10 Formel 1-Teamchefs ihre Vision der Formel 1 ab 2021 präsentiert. Danach ein paar lauwarme Statements der Teams und die Aussage von Mercedes und Ferrari, dass man hinter verschlossenen Türen mit Liberty verhandeln wolle.

Es ist völlig klar, warum börsennotierte Unternehmen wie Ferrari, Mercedes oder Renault eine öffentliche Diskussion über das Thema scheuen. Sie müssten ihren Aktionären erklären, warum sie an einer Formel 1 festhalten wollen, die sie Geld kostet, statt bei einer Rennserie mitzumachen, die für sie zum Profit-Center werden könnte. Das aber können sie nicht. Deshalb gibt es von Mercedes und Ferrari auch keine offizielle Ablehnung.

Ferrari und Mercedes kaufen sich Zeit

Toto Wolff & Chase Carey - GP Bahrain 2018 F1-Bosse präsentieren Plan ab 2021 150-Millionen-Budget-Deckel

Seit einem Monat nun schon passiert scheinbar nichts. Oder haben Sie von Fortschritten der Verhandlungen gehört? Ich nicht. Der Fahrerlagerfunk weiß mehr. Nämlich, dass Ferrari die Formel 1-Chefs abblitzen ließ. Der Vorschlag gefällt Maranello nicht. Das war‘s.

Die anderen Top-Teams bringen teilweise abstruse Vorwände vor. Es geht um Team-Uniformen, mentales Training für Angestellte, First-Class-Flüge. Wenn diese Ausgaben Teil des 150 Millionen Dollar Budgets seien, dann hätte man weniger Geld für die Entwicklung des Autos. Das sei unfair gegenüber den Teams, die auf so einen Klimbim verzichten.

Mit Verlaub: Das kann keine ernsthafte Diskussion sein. Das sind Ablenkungsmanöver. Da kauft sich jemand Zeit, weil er ein klares Bekenntnis scheut und ganz andere Pläne hat. Doch Zeit für was? Eine Piratenserie vielleicht?

Das ist ziemlich unrealistisch, glaubt selbst Bernie Ecclestone: „Es würde zu viel Zeit und zu viel Geld kosten, Verträge mit TV-Anstalten und Veranstaltern abzuschließen und die ganze Infrastruktur aufzubauen. Die Hersteller haben es schon einmal versucht und dann eingesehen, dass es nicht geht.“

Liberty-Gegner schmieden Allianzen

Der Plan der Rebellen muss also ein anderer sein. Wenn Ferrari und Mercedes das Geschäft übernehmen wollen, müssen sie es für Liberty kaputtmachen. Und das geht nur schleichend und hinter den Kulissen. Zum Beispiel, indem man Kundenteams abhängig macht, so dass sie am Ende gar nicht mehr an einer von Liberty organisierten Serie teilnehmen können, auch wenn sie finanziell noch so attraktiv ist.

Sauber wäre zwar finanziell unabhängig, doch die jüngsten Umstrukturierungen in Hinwil mit einer Holding-Firma, die einen Freund von Ferrari-Chef Sergio Marchionne im Vorstand hat, lässt ahnen, worauf das ganze hinausläuft: Alfa Romeo wird mehr Einfluss bei Sauber nehmen, vielleicht sogar das Team gleich ganz kassieren. Wir hören, dass Marchionne jetzt das gleiche mit HaasF1 plant.

Chase Carey & Berne Ecclestone - GP Aserbaidschan 2018 Foto: xpb
Chase Carey sollte die Teams mehr unter Druck setzen - wie damals Bernie Ecclestone.

Mercedes muss gar nicht viel tun, um Abhängigkeiten zu schaffen. Force India geht am Stock, seit Firmengründer Vijay Mallya regelmäßig eine bekömmliche Summe aus dem Budget für private Zwecke abzweigt. Angeblich stehen immer noch Motorenrechnungen von 2017 offen. Mercedes könnte Force India platzen lassen, wann immer es ihnen gefällt.

Auch Williams gerät Zug um Zug in eine prekäre Situation. Trotz aller Dementis von Williams und Lawrence Stroll: Wir wissen, dass die Idee einer Partnerschaft nach dem Modell Ferrari und HaasF1 an Mercedes herangetragen wurde. Noch kämpfen Claire Williams und Paddy Lowe um die Unabhängigkeit des Rennstalls. Es ist die Frage, wie lange sie es noch können, wenn die sportliche Talfahrt so weiter geht.

Wenn insgesamt sechs Teams die Liberty-Vorschläge ablehnen, dann stehen die Besitzer der Formel 1 ganz schnell ohne Hosen da. Deshalb muss das F1-Management jetzt klare Verhältnisse schaffen. Setzt den zehn Teams eine zeitnahe Frist! Dann müssen sie sich entscheiden, ob sie mitmachen oder nicht. Nach dem Motto Friss oder stirb!

In diesem Fall müssten auch die Teams Farbe bekennen, die den Plan ablehnen. Was ihnen nicht so leicht fallen dürfte. Diese Überfall-Taktik wäre übrigens nicht neu. Max Mosley und Bernie Ecclestone haben sie zwei Jahrzehnte lang mit Erfolg praktiziert.

Neues Heft
Top Aktuell Force India - Esteban Ocon - Sergio Perez - GP Brasilien 2018 Durchhänger für Force India Nur 16 Punkte aus sechs Rennen
Beliebte Artikel Toto Wolff & Maurizio Arrivabene - Formel 1 - GP Bahrain - Training - 6. April 2018 Reaktion auf F1-Pläne für 2021 „Gut zu wissen, wo Liberty hin will“ Toto Wolff & Chase Carey - GP Bahrain 2018 F1-Bosse präsentieren Plan ab 2021 150-Millionen-Budget-Deckel
Anzeige
Sportwagen Porsche 911 991 (2018) GT3 Touring-Paket Porsche 911 Carrera bis GT2 RS Elfer-Einmaleins in 5 Minuten Subaru WRX STI Diamond Edition Subaru WRX STI Diamond Edition 354 PS aus Südafrika
Allrad Jeep Gladiator JT Pickup Jeep Wrangler Gladiator (2019) Erste Bilder durchgesickert Toyota Tundra Kalifornien Toyota Tundra im Waldbrand-Einsatz Retten bis das Rücklicht schmilzt
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu