Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 - Testfahrten - Barcelona - 28.2.2017 xpb
Jolyon Palmer - Renault  - Formel 1 - Test - Barcelona - 1. März 2017
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Schmidts F1-Blog zur Pressepolitik der Teams

Informations-Verhinderungs-Fabrik

Die Fans waren nach 92 Tagen Winterpause ausgehungert. Und was macht die Formel 1? Sie mauert. Stattdessen versucht man in den sozialen Netzwerken die heile eigene Welt zu verkaufen, die oft so heil gar nicht ist. Der falsche Weg, meint Michael Schmidt.

Liberty Media will die Formel 1 besser verkaufen. Mehr Autogrammstunden, mehr Fan-Aktionen, mehr Präsenz in den sozialen Netzwerken. Die Amerikaner haben die Rechnung ohne die meisten Teams und auch die Fahrer gemacht. Deren Politik verfolgt mit wenigen Ausnahmen das Ziel: so wenig Information wie möglich.

Die Plattformen Facebook, Twitter und Instagram geben ihnen die Möglichkeit, die Welt so zu verkaufen, wie sie sie gerne hätten. Gleichzeitig wird versucht, die Zeit für die traditionellen Medien auf ein Minimum einzudampfen, in der Hoffnung, kritische Berichterstattung zu erschweren.

Nicht falsch verstehen: Die Selbstdarstellung der Teams hilft, den Sport Fan-freundlicher zu machen. Wenn eine Kamera Daniel Ricciardo am ersten Testtag vom Frühstück bis ins Rennauto begleitet, dann ist das ein nettes Extra. Aber mit überschaubarem Informationswert.

Versteckspiel um neue Autos lächerlich

Man kann nur hoffen, dass die Fans nicht auf die Informationskanäle der Teams reinfallen. Honda wird auf seiner Webseite nie von Motorschäden berichten, Ferrari nie von Fehlern bei der Rennstrategie und Fernando Alonso nie von einem Fahrfehler. Was passiert, wenn man der Öffentlichkeit nur die eigene Sicht verkauft, erlebt US-Präsident Donald Trump gerade in den USA. Er ist der beste Quotenbringer für die Medien, die nicht auf seine Twitter-Nachrichten reinfallen.

Auch die Fotografen haben es schwer. Sie müssen um jedes Foto kämpfen. Dabei sagt ein Foto oft mehr als ein 30 Sekunden-Clip im Fernsehen. Und gedruckte Information bleibt länger im Kopf als irgendwelches belangloses Gelaber auf Facebook.

Das Versteckspiel der Teams um die neuen Autos ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten. Nur Weltmeister Mercedes demonstrierte Lockerheit. Und die hätten am meisten zu verbergen. Die Konkurrenz überbot sich mit immer größeren Stellwänden und Menschenketten, die sich vor das Auto stellen.

Dabei hat jeder Technikchef am Ende des Tages Hunderte von Detailfotos der anderen Autos auf dem Tisch. Hat denn hier keiner kapiert, dass die neuen Autos die Stars der ersten Testwoche sind? Die Fans haben den ganzen Winter darauf gewartet.

Keine Pressemitteilung von Ferrari

Die Formel 1 ist ein komplizierter Sport. Man vergrößert die Fangemeinde nicht damit, wenn man sie mit Gemeinplätzen, Banalitäten und leicht verdaulichen Filmchen abspeist. Red Bull präsentierte das neue Auto in einem 66-sekündigen Video, auf dem man praktisch nichts sieht. Als der RB13 am ersten Testtag am Haken zurückkam, wurde er in einen Leichensack gepackt. Die Mechaniker hatten nichts Besseres zu tun, als das Verhüllte auch noch mit Sichtblenden zu verhüllen.

Ferrari hat das Informationsangebot zum neuen Auto mit einem 58-Sekunden-Film noch unterboten. Dazu karge Information, keine verwertbare Aussage von Fahrern und Technikern. Nach den ersten zwei Testtagen gab es nicht einmal eine Pressemitteilung. Die Fahrer bekamen mit der Ausnahme einer kurzen Fragestunde in einem Gatter hinter der Box einen Maulkorb umgehängt. Alle anderen Teammitglieder durften nur grüßen.

Da kann sich Teamchef Maurizio Arrivabene noch so oft auf die Tribüne setzen und Nähe zum Fan demonstrieren. Dienst am Fan beginnt mit der Information. Wetten, dass den Tifosi gerne ein bisschen mehr Einblick in den neuen Ferrari hätten, dass ihnen Erklärungen der Fahrer, des Teamchefs und der Ingenieure lieber sind als der warme Händedruck von Herrn Arrivabene.

Ferrari erreicht mit seiner Mauerpolitik genau das Gegenteil. In Italien blühten im Winter die wildesten Spekulationen. Zum Beispiel, dass Ferrari schon an einer B-Version baut, bevor die A-Version des SF70H auf den Rädern steht. Wer nichts sagt, muss sich nicht wundern, wenn es ihn kalt erwischt.

Wie sollen so Helden geboren werden?

Andere Teams sind nicht viel besser. Die Redezeit der Piloten ist auf ein Minimum beschränkt. Sie findet am Ende jedes Testtages in einem unwürdigen Gedränge hinter den Boxen statt. Die meisten Teams zur gleichen Zeit. Was soll dabei herauskommen? Wie sollen daraus Helden geboren werden?

Es gibt löbliche Ausnahmen. Mercedes, Force India und Renault lassen ihren Fahrern und Ingenieuren noch genügend Freiraum. Sie haben ihre Autos real und nicht nur virtuell vorgestellt. Aber auch hier zeigen sich schon Tendenzen, den Kontakt zu den Fahrern zu beschränken. Sie hätten wegen der zusätzlichen Fan-Aktionen immer weniger Zeit, heißt es.

Kein Problem damit. Wenn der Zuschauer einen direkteren Zugang bekommt, kann das nur gut für den Sport sein. Die Fahrer hätten aber immer noch genug Zeit, wenn sie nicht den halben Tag mit Technik-Briefings verbringen würden. Und davon hat der Fan gar nichts.

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