Schmidts F1-Blog zu Red Bull

An Ende steht Stallregie

Max Verstappen - Daniel Ricciaro - GP Aserbaidschan 2018 - Baku Foto: sutton-images.com 72 Bilder

Lasst die Rennfahrer gegeneinander fahren. Das wünschen sich alle Rennfans. Ich fürchte, dass der Crash der Red Bull-Piloten in Baku eher das Gegenteil bewirkt. Die Teams werden sich in Zukunft besser gegen interne Kollisionen absichern. Max Verstappen und Daniel Ricciardo werden unter Auflagen weiter gegeneinander fahren dürfen. Das wird nur nicht viel helfen, glaubt Michael Schmidt.

Kollisionen gehören zum Motorsport. Wie Elfmeter oder rote Karten im Fußball. Sie sind in letzter Konsequenz das Resultat eines Zweikampfes auf der Rennstrecke. Und Zweikämpfe wollen alle sehen. Wenn alle immer hintereinander herfahren und darauf warten, beim Boxenstopp einen Platz zu gewinnen, dann schlafen den Fans die Füße ein. Dass Überholmanöver nicht immer sauber ablaufen können, ist auch klar. Die Menschen im Cockpit sind keine Roboter. Deshalb wird beim autonomen Autorennen auch nie einer zuschauen. Weil alles vorherbestimmt wäre.

Schuld zu je 50 Prozent bei Fahrern

Kollisionen bekommen eine besondere Dimension, wenn sie zwischen Teamkollegen passieren. Ein Mal mag man sie akzeptieren. Ein zweites Mal schon nicht mehr. Bei Red Bull war es das zweite Mal. Im letzten Jahr räumte Max Verstappen in der Startrunde des GP Ungarn Daniel Ricciardo von der Strecke. Diesmal liegt die Schuld zu je 50 Prozent bei beiden Fahrern. So hat es das Team bestimmt, um im Nachgang noch weiteren Ärger zu vermeiden.

Max Verstappen - Daniel Ricciardo - Red Bull - Formel 1 - GP Aserbaidschan - 29. April 2018 Rennanalyse GP Aserbaidschan Red Bull-Eklat und Ferraris Taktik-Fehler

Über die Schuldfrage mag man streiten. Sie liegt wohl eher bei 70:30, wie es Niki Lauda gesehen hat. Verstappen hat erneut auf der Bremse zwei Mal die Spur gewechselt. Diese Art von Verteidigungsstrategie ist ihm offenbar nicht auszutreiben. Irgendwann einmal wird einer abheben, wenn er unglücklich das Hinterrad trifft. Deshalb war ich überrascht, dass es die Sportkommissare nur bei einer Verwarnung beließen. Daniel Ricciardo trägt insofern eine Mitschuld, weil er sich selbst untreu geworden ist. Der Australier sucht sich bei jedem seiner Überholmanöver einen Notausgang. Deshalb kracht es bei ihm auch so selten. Diesmal gab es für Ricciardo keinen Plan B. Er hatte auf der Innenspur keinen Platz zum Ausweichen mehr. Vielleicht hätte er sich besser absichern sollen, doch nachdem er 35 Runden lang gegen Verstappen angerannt ist, dann endlich vorbei kam, nur um beim Boxenstopp den Platz wieder zu verlieren, da ging auch bei dem sonst so besonnenen Australier der Gaul durch.

Verstappen zu ungeduldig

Das zeigt wie aufgeheizt das Duell zwischen den Red Bull-Piloten ist. Wenn Red Bull behauptet, man könne dieses Duell nicht mit Lewis Hamilton gegen Nico Rosberg vergleichen, dann haben sie Recht. Aber nicht in dem Sinn, wie es Red Bull versteht. Das Duell ist nicht harmloser. Es ist viel schlimmer. Verstappen und Ricciardo verbindet zwar keine Vergangenheit wie die ehemaligen Mercedes-Teamkollegen, sie kommen auch nicht aus sozial unterschiedlichen Schichten und sie kommen außerhalb des Cockpits auch besser zurecht als die ungleichen Mercedes-Zwillinge.

Ihre Rivalität nährt sich aus ganz anderen Quellen. Verstappen ist unbestritten eines der größten Talente der Motorsportgeschichte. Aber seine Turbo-Karriere, die ihn im Alter von 17 Jahren schon in die Formel 1 geführt hat, verblendet ihm auch manchmal die Sinne. Max ist der Meinung, dass er über Wasser gehen kann. Seiner Meinung nach müsste er schon längst Weltmeister sein. Red Bull hat ihm im Zuge der Vertragsverlängerung versprochen, dass 2018 sein Jahr werden würde. Und tatsächlich. Verstappen spürt, dass er mit diesem Red Bull RB14 ein Auto hat, mit dem der Titel möglich ist. Doch die Saison läuft nicht so, wie er sich das vorgestellt hat. Vier Rennen, vier Ausrutscher. Das ist ein klares Zeichen von Ungeduld.

Ricciardo der undankbarste Teamkollege

Es kommt noch schlimmer. Daniel Ricciardo fährt besser denn je. Er ist genauso schnell, genauso angriffslustig, nur kontrollierter, geduldiger und abgeklärter. Der Australier war gar nicht mehr auf Verstappens Rechnung. Der dachte, seine Gegner heißen Lewis Hamilton und Sebastian Vettel. Die interne Konkurrenz passt nicht ins Weltbild von Mad Max. Ricciardo ist der undankbarste Teamkollege, den man sich vorstellen kann. Weil er alles weglächelt. Weil er im Hintergrund keine Politik macht. Ricciardo bietet einfach keine Angriffsfläche. So lässt sich mit ihm auch nur schwer ein Feindbild aufbauen. Das hat schon Vettel 2014 bei Red Bull gemerkt.

Aber nicht nur Verstappen steht unter Erfolgszwang. Ricciardo muss in diesem Jahr eine wichtige Entscheidung treffen. Bleibt er bei Red Bull? Geht er zu Mercedes und Ferrari? Es muss den Strahlemann aus Perth hart treffen, dass er nur die Hälfte des Geldes verdient wie sein Stallrivale. Deshalb ist es für ihn mindestens genauso wichtig wie für Verstappen, dass er sich möglichst positiv ins Schaufenster stellt. Die beste Werbung für Ricciardo ist, wenn er seinen Teamkollegen schlägt. Und genau aus diesem Grund ist die Mischung bei Red Bull so explosiv. Und viel emotionsgeladener als sie es bei Mercedes je war. Zwei junge Löwen in einem viel zu engen Käfig. Das zeigt auch die Vorgeschichte zu dem Crash von Baku. Das waren drei Beinahe-Kollisionen. Schön für uns Zuschauer. Red Bull hat bestimmt nicht gelacht. Und musste sich am Ende vorwerfen lassen, warum man nicht früher die Reißleine gezogen hat. Die Doppelnull ist aus Sicht des Teams fatal. Zumal es schon die zweite nach Bahrain ist. So wird man gegen Mercedes und Ferrari nicht Weltmeister.

Was wird passieren? Red Bull wird seine Streithähne zunächst mit Auflagen weiterkämpfen lassen. So wie einst Mercedes. Ich glaube nur, dass sich Verstappen und Ricciardo nicht lange daran halten werden. Weil auch für sie zu viel auf dem Spiel steht. In der Hitze des Gefechts vergisst man schnell mal Verhaltensklauseln in seinem Vertrag. Ich möchte wetten, dass ganz am Ende Stallregie stehen wird.

Neues Heft
Top Aktuell Pirelli - F1-Reifen 2018 Pirelli stellt 2019er Reifen vor Fünf Mischungen, drei Farben
Beliebte Artikel Charles Leclerc - GP Russland 2018 Leclerc gegen Magnussen FIA gibt Leclerc Recht Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP USA - 19. Oktober 2018 Ferrari-Pannenserie geht weiter Vettel muss drei Plätze zurück
Anzeige
Sportwagen Porsche 911 GT3 R - Startnummer #4 - VLN 2018 - Langstreckenmeisterschaft - Nürburgring-Nordschleife Ergebnis VLN, 9. Lauf 2018 Zweiter Falken-Sieg der Saison BMW Z4 M40i, Supertest, Exterieur BMW Z4 M40i im Supertest Sportwagen-Comeback des Jahres
Allrad Mitsubishi L200 2019 Teaser Mitsubishi L200 Facelift 2019 Neuer Style für Japan-Pickup Rolls-Royce Cullinan (2018) Rolls-Royce Cullinan Fahrbericht So fährt das Luxus-SUV
Oldtimer & Youngtimer Opel Kapitän, Modell 1956, Frontansicht 80 Jahre Opel Kapitän Der große Opel Oldtimer Galerie Toffen 20.10.2018 Auktion Oldtimer Auktion Toffen 2018 Versteigerung am 20.10.2018