Schmidts F1-Blog

Renault darf nicht sterben

Renault - 1982 - GP Belgien - Zolder - F1 Foto: Wilhelm 50 Bilder

Seit zwei Monaten steht der Verbleib von Renault in der Formel 1 auf der Kippe. Bernie Ecclestone hätte die Franzosen wegen Streitigkeiten uns Geld am liebsten über die Klinge springen lassen. Für den Sport wäre es ein schlechtes Signal. Renault darf nicht sterben, meint Michael Schmidt.

Renault hat schon bessere Zeiten in der Formel 1 erlebt. In den letzten beiden Jahren gab es hauptsächlich Ohrfeigen für die Franzosen. Dabei hat der vielgeschmähte Hybridantrieb aus Viry-Chatillon 2014 drei Grand Prix im Red Bull-Chassis gewonnen. Mehr hat auch Ferrari noch nicht zusammengebracht. Nur bei Ferrari zeigt die Formkurve bergauf, bei Renault dagegen bergab.

Ecclestone selbst Schuld an Zwickmühle

Nach den Enttäuschungen der zweiten Hybrid-Saison schwankte Renault 2 Monate lang zwischen Weitermachen und Aufhören. Wenn Renaults Formel 1-Story fortgeschrieben wird, dann gleich richtig. Mit einem Werksteam wie zwischen 1977 und 1985 und zwischen 2002 und 2009.

Doch Konzernchef Carlos Ghosn will sich den Verbleib seiner Firma in der Königsklasse von Bernie Ecclestone vergolden lassen. Auch Ferrari, McLaren, Williams, Mercedes und Red Bull haben die Hand aufgehalten. Die letzten zwei davon mit weniger Historie als Renault.

Nachdem der bereits halb geschiedene Liefervertrag zwischen Red Bull und Renault für die stolze Summe von 30 Millionen Euro doch noch verlängert worden war, wollte Ecclestone von einer Sonderzahlung an Renault plötzlich nichts mehr wissen.

Er hatte, was er brauchte. Einen Motor für Red Bull. Da kam es bei Bernie gar nicht gut an, dass sein Gegenspieler Ghosn es wagte, ihm die Pistole auf die Brust zu setzen, nach dem Motto: Geld her, oder ich gehe.

Der Formel 1-Chef hätte Renault am liebsten über die Klinge springen lassen. Dabei hat er sich die Grube selbst geschaufelt. Warum hat er sich auf diese unseligen Bonuszahlungen eingelassen? Die Top-Teams hätten sich auch so bis 2020 für die Formel 1 verpflichtet. Wo sollen sie denn hin? Nach Le Mans oder Indianapolis? Da gibt es mal gar kein Geld zu verdienen. Jetzt holen Bernie die Geister wieder ein, die er rief.

Renault Verdienste um die Formel 1

Doch dafür opfert man nicht eine Firma, die der Formel 1 viel Gutes getan hat. Renault hat den Turbo-Motor in die Formel 1 eingeführt, hat das pneumatische Ventilsystem erfunden, den Massedämpfer, das Vorspannen des Antriebsstrangs beim Start, das Anblasen des Diffusors.

Sie haben die Motorentechnik mit exotischen Zylinderwinkeln von 67 bis 110 Grad bereichert, zwei Werksteams an den Start gebracht und immer Motoren geliefert, wenn Not am Mann war. Seit 1977 ist der französische Konzern fast ununterbrochen in der Formel 1. Nur 1987 und 1988 erlaubte sich Renault eine Verschnaufpause, von 1998 bis 2000 trat man unter dem Siegel Mecachrome an.

Renault hat viele tolle Geschichten geschrieben. Die Tragik, dass der Turbopionier nicht der erste Turbo-Weltmeister war. Die Genugtuung, 1992 endlich die Vormachtschaft von Honda gebrochen zu haben. Die WM-Titel 2005 und 2006. Der Red Bull-Siegeszug, den Paris so stümperhaft vermarktet hat. Renault-Motoren trieben elf Weltmeister an. Michael Schumacher holte einen Titel mit Renault-Power, Sebastian Vettel gleich deren vier. Bernie Ecclestone und Carlos Ghosn, reißt euch zusammen: Renault darf nicht sterben.

In unserer Galerie blicken wir noch einmal zurück auf die F1-Historie von Renault.

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