George Russell & Toto Wolff - GP Bahrain 2021 Motorsport Images
Valtteri Bottas - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
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Kimi Räikkönen - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021
Carlos Sainz - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 2021 68 Bilder

Schmidts F1-Blog: Warum sagt Russell sorry?

Schmidts F1-Blog Warum sagt Russell sorry?

George Russell hat für die Kollision mit Valtteri Bottas in Imola öffentlich Abbitte geleistet. Wenn das seine ehrliche Meinung ist, dann geht das in Ordnung. Wenn ihm das aber Mercedes nahegelegt hätte oder er dem öffentlichen Druck nachgegeben hat, dann nicht, meint Michael Schmidt.

Es war der Aufreger beim zweiten WM-Lauf des Jahres. Der Unfall zwischen Valtteri Bottas und George Russell. Jeder hatte seine Meinung dazu, inklusive der beiden Crashpiloten. Bottas und Russell gaben sich in den ersten Emotionen gegenseitig die Schuld.

Ich war zugebenermaßen beim ersten Hinschauen gespalten. Russell kam mit so viel Überschuss auf den Mercedes angeflogen, dass Bottas mit einem Angriff des Williams-Piloten rechnen musste. Ihm musste auch klar sein, dass für den Angreifer die Spur ganz schön eng werden würde, wenn er weiter auf der trockenen Linie bleibt. Der Williams war ja schon auf halber Höhe.

Ich finde, Bottas hätte Russell die rechte Spur schon viel früher zumauern müssen, wenn er einen Angriff hätte verhindern wollen. Auf den zweiten Blick würde ich bei der Schuldfrage auch etwas mehr Richtung Russell tendieren. Bottas hat ihm zumindest eine Wagenbreite Platz gelassen, auch wenn die vollständig im Nassen lag.

George Russell - Formel 1 - GP Emilia Romagna - Imola 2021
Jerry André
Auf die erste Erregung folgte die Entschuldigung von George Russell.

Russell-Angriff gerechtfertigt

Russell ist auch nicht auf dem Gras ausgerutscht, sondern schon vorher. Man hört kurz vor dem Quersteher wie die Motordrehzahl hochschnellt. Da ist das rechte Vorderrad noch ein Stück vom Grünstreifen entfernt. Russell muss also mit einem Hinterrad auf die weiße Linie gekommen sein. Er ist also schon mit ziemlich viel Gottvertrauen in das kleine Loch gefahren, das ihm Bottas außen noch ließ.

Egal, wie sich nun die Schuld verteilt. Ich kann Toto Wolffs Meinung nicht teilen, dass es sinnlos war einen Mercedes-Fahrer anzugreifen, weil Bottas ihm bei abtrocknender Bahn sowieso wieder überholt hätte und davongefahren wäre. Russell lag nicht durch Zufall hinter Bottas. Er war dort schon das ganze Rennen.

Wenn Bottas nicht von einem Williams überholt werden will, muss er halt schneller fahren. Ich wäre auch gespannt gewesen, wie man im Mercedes-Lager reagiert hätte, wenn Russell nicht Bottas sondern Sergio Perez attackiert hätte. Grundsätzlich muss jeder im Feld das Recht haben jeden anzugreifen.

Keine erzwungene Entschuldigung

Ich habe kein Problem damit, wenn Russell seine Aktion am Tag des Rennens verteidigt. Macht wahrscheinlich jeder Fahrer. Ich habe auch kein Problem damit, wenn er später seine Meinung ändert. Ich habe aber ein Problem, wenn er die Meinung nur ändert, weil der öffentliche Druck zu groß wird. Und das schien mir bei Russell der Fall.

Es wäre nicht das erste Mal, dass sich Rennfahrer in den Staub werfen, nur weil das von Fans in den sozialen Kanälen oder von ein paar besserwisserischen Medien eingefordert wird. Die haben nichts zu fordern. Die können ihre Meinung äußern, und Schluss. Keiner von denen, und da nehme ich mich nicht aus, ist je in einem Formel-1-Auto gesessen und war jemals mit einer Situation konfrontiert wie Bottas und Russell.

Uns allen steht eine Meinung zu, aber nicht die Forderung, dass der eine oder andere sich öffentlich entschuldigen muss. Wenn George Russell nur diesem Druck nachgegeben und sein Urteil deshalb geändert hat, fände ich es schade. Er ist einer der wenigen in diesem Geschäft, der sein Herz auf der Zunge trägt. Man sollte ihn nicht verbiegen.

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