Schmidts F1-Blog

So verscheucht man Zuschauer

Fernando Alonso - McLaren - GP Monaco 2015 Foto: xpb 110 Bilder

Beim zweiten Training zum GP Monaco standen 57 Minuten lang die Motoren still. Weil ein Regenguss den Asphalt gewässert hat. Die Zuschauer sahen eine leere Strecke. Wie will man neues Publikum anlocken, wenn man aus Sorge um die Motoren nicht fährt, fragt Michael Schmidt.

Die Formel 1 zerbricht sich im Moment den Kopf, wie sie neue Zuschauer gewinnen und die alten halten will. Aus der Strategiegruppe kommt in der Regel wenig Konstruktives. Die Fahrer haben jetzt eine Umfrage gestartet, die herausfinden soll, was die Fans wirklich wollen. Doch was nutzen all diese Aktionen, wenn die Regie schon bei den grundlegenden Dingen versagt.

Ein Ticket für das Donnerstagstraining in Monte Carlo kostete in diesem Jahr je nach Tribüne 48 bis 83 Auro Eintritt. Kinder durften umsonst rein. Ein löbliches Angebot. So macht man Appetit, in Zukunft vielleicht auch einmal ein ganzes Wochenende zuzuschauen. Doch dann trampelt die Formel 1 mit ihrer Arroganz und Perfektionswut alles kaputt, was man eigentlich gut gemeint war.

Fast eine Stunde Stillstand im Monaco-Regen

Als in der 22. Minute des zweiten Trainings ein heftiger Regenschauer niederging, versteckten sich alle Teams in der Box. Und sie blieben auch dort, obwohl es längst nicht mehr regnete. 57 Minuten lang. Auch für die TV-Zuschauer gab es Langeweile pur. Fast eine Stunde lang irrten die Kameras über eine leere Strecke.

Diesmal taugte die Ausrede nicht, dass man Regenreifen sparen wollte. Der Wetterbericht lässt für Samstag und Sonntag keine Regenschlacht erwarten. Es gab nur einen Grund für die freiwillige Fahrpause. Die Teams wollten ihren Motoren Kilometer sparen und kein Risiko eingehen.

Fans zahlen für leere Strecke

Leute, das darf doch nicht wahr sein?! Jeder mit einem gesunden Menschenverstand sollte sich ausmalen können, was man bei den Zuschauern anrichtet, die für Action bezahlt haben, aber keine Action geboten bekommen. So verscheucht man die Fans, statt sie zu gewinnen.

Was hätte es den Motoren geschadet, wenn sie auf regennasser Piste für 100 Kilometer betrieben worden wären? Sie sind da sowieso im Spar-Modus unterwegs. Da muss der Sport über den eigenen Interessen stehen. Wenn jeder sein normales Trockenprogramm auf nasser Strecke abspult, sind alle gleich betroffen. Und die Strecke wird schneller trocken.

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