Max Verstappen - GP Mexiko 2017 xpb

Schmidts F1-Blog

Das schreit 2018 nach Kollisionen

Max Verstappen fährt trotz seiner jungen Jahre schon auf dem Niveau von Vettel und Hamilton. Und 2018 wird er von Beginn an ein Auto zum Gewinnen haben. Für 2018 erwartet Michael Schmidt deshalb eine erhöhte Crash-Gefahr an der Spitze.

Hat Lewis Hamilton deshalb so ausgelassen seinen vierten WM-Titel gefeiert, weil er ahnt, dass er auf den fünften vielleicht ein bisschen länger warten muss? Und Sebastian Vettel war vermutlich aus dem gleichen Grund so frustriert, dass die seit dem GP Japan zur Mission impossible gewordene Titelkampagne wie erwartet in Mexiko scheiterte.

Da wurde eine goldene Chance vertan. Wer weiß, ob sie so schnell wiederkommt. Das wurde den beiden Hauptakteuren beim GP Mexiko erst richtig klar. Max Verstappen hat endlich ein Siegerauto. Und er hat zwei der letzten vier Rennen gewonnen. Und das auch noch überlegen. Und im Verstappen-Stil: Kompromisslos, frech, fehlerlos.

WM-Kampf 2018 wird allen Fans gefallen

Red Bull wird 2018 nicht wieder die erste Saisonhälfte vertrödeln. Das einzige Fragezeichen ist der Renault-Motor, der immer noch zwischen Gut und Böse schwankt. Da blüht uns nächstes Jahr ein Dreikampf, der allen gefallen wird, außer vielleicht Hamilton und Vettel. Weil sie einen Gegner bekommen, der unberechenbar ist.

Sie mussten zuletzt im Zweikampf mit Verstappen feststellen, dass er ihnen in dieser Disziplin einen Schuss Unbekümmertheit, Schlitzohrigkeit und Risikobereitschaft voraus hat. Und das, obwohl er erst seine dritte Formel 1-Saison bestreit, Vettel und Hamilton aber schon ihre elfte.

Lewis Hamilton vs. Max Verstappen - GP Malaysia 2017
sutton-images.com
In diesem Jahr zogen Hamilton und Vettel im Duell mit Verstappen meistens zurück.

Verstappen fährt, als säße er noch im Kart, sagt TV-Experte Martin Brundle. Das könne auch mal schiefgehen. Es geht aber selten schief. Im Gegenteil. Als sich Hamilton, Vettel und Verstappen zu dritt in die ersten drei Kurven einfädeln, kommt nur einer ohne Blessuren raus. Und das auch noch an der Spitze.

„Glück“, behauptet Brundle. „Verstappen“, erwidert Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko. Ich glaube auch, dass das kein Zufall ist. Keiner sucht den Zweikampf so wie der „verrückte“ Holländer. Und trotzdem kommt er öfter mit heiler Haut davon als andere.

Verstappen mit gutem Timing beim Überholen

Selbst wenn er mal Schuld ist wie bei der Kollision mit Teamkollege Daniel Ricciardo in Budapest. Ricciardo steigt aus, Verstappen fährt weiter. Seine Überholmanöver sind fast alle überragend getimt. Max überholt an Stellen oder auf Linien, mit denen keiner rechnet.

Die Startcrashs in Barcelona, Spielberg und Singapur nehmen wir mal raus. Alle drei Mal nahm Verstappen eine eher passive Rolle ein und alle drei Mal passierte es, bevor die erste Kurve richtig umfahren war.

In Barcelona drückte Valtteri Bottas den Ferrari von Kimi Räikkönen in den Red Bull. Beim Heimspiel in Österreich löste Daniil Kvyat eine Kettenreaktion aus, die auch noch Fernando Alonso ins Verderben riss. In Singapur fädelte Räikkönen ein, weil er zu früh nach rechts zog. Verstappen war längst vom Gas gegangen, um aus der Falle wieder rauszukommen.

WM-Favoriten ziehen im Zweikampf zurück

Für mich macht es den Eindruck, dass Frechheit meistens siegt. Verstappen setzt darauf, dass die anderen zurückziehen. Wenn Vettel in Mexiko draufhält, als Verstappen ihn auf der Außenspur angreift, dann schlitzt er ihm den Reifen auf. Dann ist sein Frontflügel aber auch gleich ganz kaputt, so wie eine Kurve später beim Kontakt mit Hamilton.

Massa vs. Verstappen - GP Italien 2017
xpb
Massa hielt in Monza dagegen. Und schon krachte es.

Der Mercedes-Pilot hätte seinen größeren Radius durch Kurve 3 auch dazu nutzen können sich noch weiter außen an dem Red Bull vorbei zu drängeln, doch er zuckte zurück, als Verstappen diese Spur versperrte. Vermutlich mit voller Berechnung. Er hat damit Vettel in den Mercedes getrieben.

Was mich wundert: Vettel und Hamilton hätten eigentlich wissen müssen, dass bei Verstappen der Angriff von außen Methode hat. So wie bei Juan Pablo Montoya früher. Michael Schumacher ist immer wieder darauf reingefallen.

Der Trick versagt erst, wenn auch der Mann auf der Innenspur nicht zuckt. So wie Felipe Massa in der ersten Schikane in Monza. Der Brasilianer ließ sich von Verstappen nichts gefallen und fuhr ihm den Reifen platt. Massa hatte aber auch weniger zu verlieren als die WM-Kandidaten.

Härtere Bandagen im WM-Duell 2018

Wenn nächstes Jahr die drei Top-Stars von Anfang an um den WM-Titel fahren, werden auch im Zweikampf härtere Bandagen angelegt. Weil dann alle unter gleichen Voraussetzungen in den Zweikampf gehen. Und weil Verstappen auch im Kollegenkreis polarisiert. Nächstes Jahr geht es um die Frage, wer Platzhirsch im WM-Revier ist.

Ich wette, dass wir 2018 zwischen den drei mehr als eine Kollision sehen, so wie zu den Zeiten von Ayrton Senna, Alain Prost, Nigel Mansell und Nelson Piquet. Deshalb wünsche ich mir auch noch Fernando Alonso dazu. Auch der kämpft bis zur letzten Patrone, wie der Zweikampf mit Hamilton gezeigt hat. In diesem Fall noch ohne Karambolage. Weil es Alonso zurzeit nur für die Galerie fährt.

Motorsport Aktuell Max Verstappen - Christian Horner - Helmut Marko - Red Bull -  GP Mexiko 2017 Helmut Marko optimistisch nach Mexiko-Sieg "Sehe uns 2018 im Titelkampf"

Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko kann wieder strahlen.

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