Schmidts F1-Blog

Warum nicht Afghanistan oder Nordkorea?

Bernie Ecclestone - GP Brasilien 2013 Foto: xpb 37 Bilder

Der GP Deutschland ist in Gefahr. In Indien wird auch 2015 nicht gefahren. Dafür soll Aserbaidschan auf die Formel 1-Landkarte kommen. Der GP-Zirkus entfernt sich immer mehr von seinen Fans und lässt teure Ruinen zurück. Das ist der Preis, den man bezahlt, wenn der Sport den Geldesel für Investoren spielen muss, findet Michael Schmidt.
 

Am Anfang steht meistens ein schlechter Schachzug. Schlechte Lösungen führen zu weiteren schlechten Lösungen. Irgendwann kann man dem Teufelskreis nicht mehr entfliehen. In der Formel 1 standen gleich zwei Fehlentscheidungen am Anfang einer Spirale, die den Sport einmal auffressen könnte.

Die erste: Bernie Eclestone verkaufte das Geschäft an zwei Banken, denen weitere Investoren folgten. Zur Zeit besitzt CVC die meisten Aktien. 35,1 Prozent, um genau zu sein. Der zweite Fehler: Die FIA trat in vorauseilendem Gehorsam die kommerziellen Rechte ab. Sie wollte die EU-Kommission besänftigen, die um die Jahrtausendwende der Königsklasse Fesseln anlegen wollte. Das war nicht nötig. Bei der FIFA und dem Olympische Kommittee liegt auch alles in einer Hand: Das Regelwerk und die Rechte.

Formel 1 als Mittel zum Zweck

CVC ist ein Investor. Die Formel 1 ist für die in Luxemburg registrierte Firma Mittel zum Zweck. Sie muss Geld verdienen. Das tut sie auch. Sie hat CVC bereits den fremdfinanzierten Kaufpreis eingespielt und einen Kredit über 2,92 Milliarden Dollar refinanziert. Im März 2012 wurde eine zweite Anleihe über 2,27 Milliarden Dollar aufgenommen, wieder mit dem GP-Geschäft als Bürgschaft. Das schafft Abhängigkeiten. Und die sind nicht gut für den Sport.

Bernie Ecclestone muss als Chefbroker von CVC so viel Geld einspielen wie möglich. Das ist sein Job. Würde er es nicht tun, sucht sich CVC einen anderen. Damit ist auch Bernie ein Getriebener. Er muss die TV-Anstalten wie eine Zitrone auspressen, notfalls wie in Frankreich frei empfängliches Fernsehen gegen Pay TV austauschen, er muss Anreize wie doppelte Punkte zum Finale schaffen, um den TV-Anstalten künstliche Spannung zu bieten, und er muss immer neue Rennen finden, die CVC Geld einspielen. Diese Rennen liegen nicht in Europa. Dort ist keiner mehr bereit, über 20 Millionen Startgeld zu bezahlen.

Deshalb flogen peu à peu Holland, Portugal, San Marino, Österreich und Frankreich aus dem Kalender. Bald könnte es auch Deutschland treffen, hat Ecclestone angedroht. Dass die Formel 1 ihr Zuhause in Europa hat, interessiert nicht. Auch nicht, dass Schauplätze dazu stießen wie die Türkei, Malaysia, Bahrain, Abu Dhabi, Indien und Korea, wo sich zwar kein Mensch für Motorsport interessiert, dafür aber gut Kasse gemacht wurde.

2016 gastiert die Formel 1 vielleicht in Aserbaidschan

Aber auch dort schwindet die Zahlungsbereitschaft. Die Türkei und Korea sind schon aus dem Kalender geflogen. Indien hat in diesem Jahr um eine Verschnaufpause gebeten. Sie können aber auch 2015 nicht bezahlen. Im Klartext: Indien kommt nie mehr zurück. Dafür darf es in diesem Jahr Russland probieren und 2016 vielleicht Aserbaidschan. Da fragt man sich unwillkürlich: Wann fahren wir nach Afghanistan und Nordkorea?

Der Buddh International Circuit in Indien ist nach dem Otodrom bei Istanbul und Yeongam in Korea die dritte Sportruine, die der Zirkus hinterlässt. Jede von ihnen hat mindestens 250 Millionen Euro gekostet. Ist diese Politik der verbrannten Erde gut für das Image der Formel 1? Wahrscheinlich nicht. Aber das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Es wird immer mehr unsinnige Entscheidungen geben, immer mehr absurde GP-Schauplätze und immer mehr, die aus diesem ruinösen Spiel aussteigen. Und glauben Sie ja nicht, dass alles besser wird, wenn CVC verkauft. Der nächste Investor könnte noch schlimmer sein.

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