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Schmidts F1-Blog

Was wollt Ihr mehr?

Beim GP Spanien passierte erst wenig, dann innerhalb von drei Runden alles. Trotzdem maulten viele TV-Anstalten, das Rennen sei langweilig gewesen. Was wollen die mehr, fragt sich F1-Experte Michael Schmidt in seinem aktuellen Blog.

Es kann nicht jedes Wochenende einen Grand Prix wie in Bahrain geben. Wäre auch langweilig. Den GP Spanien empfanden viele als Schlaftablette. Weil 63 Runden nicht viel passierte und dann alles auf einmal. Doch genau das hat den Reiz dieses Rennens ausgemacht. Diese komplette Kehrtwende von null auf 100.

Innerhalb von drei Runden duellierten sich Lewis Hamilton und Nico Rosberg, Fernando Alonso und Kimi Räikkönen, und Sebastian Vettel pflügte sich durchs Feld. Wer das als langweilig empfindet, versteht nichts vom Motorsport. Der soll in Zukunft besser Basketball schauen. Da wird jede Minute ein Korb geworfen.

Im Fußball schimpft keiner über Langweile

Erinnern Sie sich an das Champions League-Finale zwischen Bayern München und Manchester United 1999? Da wurde der Spielstand in der Nachspielzeit über den Haufen geworfen. Das sind Spiele, an die man sich erinnert. Übertragen auf den Motorsport: Es kann nicht in jeder Runde Überholmanöver geben. Da würde sich der Reiz des Zweikampfes schnell totlaufen.

Und es war in Barcelona ja nicht so, dass nur im Konvoi gefahren wurde. Die Dreistopper Vettel und Massa mussten sich von hinten nach vorne boxen. Alonso hat es ein paar Mal vergeblich gegen Räikkönen versucht. Perez knackte nach mehreren Anläufen Nico Hülkenberg.

Wer ein Autorennen ansatzweise lesen kann, der hat spätestens nach der Serie der zweiten Boxenstopps gemerkt, dass sich da im Finale etwas zusammenbraut. Diese Spannung hätten die TV-Anstalten gut verkaufen können. Stattdessen maulen die meisten herum, dass der Grand Prix wieder mal langweilig war.

Das Problem ist nicht die Show auf der Rennstrecke, sondern dass die meisten TV-Manager ahnungslos sind. Und dann heulen sie sich bei Bernie Ecclestone oder bei den Teamchefs aus, dass sie zu viel Geld für eine schlechte Show bezahlen. Rufen die gleichen Kritiker eigentlich auch bei jedem Null zu Null im Fußball die FIFA oder die UEFA an?

TV-Anstalten verantwortlich für künstliche Spannungsmacher

Wenn die TV-Anstalten das Rennen besser verkaufen würden, hätten sie vielleicht auch ein paar Zuschauer mehr. Aber da fehlt vielleicht manchmal auch der Durchblick. Die Engländer mal ausgenommen. Ich bin mir sicher, Martin Brundle hat seine Zuschauer auf den Showdown lange vorher vorbereitet.

Leider finden die Fernsehsender bei den Drahtziehern des Geschäfts meistens ein offenes Ohr. Weil die scharf auf die Kohle aus den Übertragungsrechten sind. Das Ergebnis sind Panikreaktionen auf der anderen Seite. Wie der Ruf nach kürzeren Rennen. Oder künstliche Spannungsmacher wie doppelte Punkte zum Saisonende.

Der jüngste Scherzartikel: Nach jeder Safety-Car-Phase soll stehend gestartet werden. Weil der Start der spannendste Moment im Rennen ist. So könnte man ein bisschen Action einstreuen. Mit Verlaub: Wie soll man mit diesem Klamauk Zuschauer an den Fernseher fesseln? Keiner kann vorher sagen, ob es überhaupt eine Safety-Car-Phase gibt.

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