Schmidts F1-Blog

Wo ist eigentlich die FIA?

Lewis Hamilton - GP Deutschland 2014 Foto: Wilhelm 33 Bilder

Zum ersten Mal seit 1960 gibt es keinen Grand Prix auf deutschem Boden. Es ist nach Frankreich das zweite Traditionsrennen, das aus dem Kalender fliegt. Die Absage ist ein schlechtes Signal in schlechten Zeiten. Und es wird das schwindende Interesse der Autonation an der Formel 1 beschleunigen, meint Michael Schmidt.

Das gab es zuletzt 1960. Kein Formel 1-Rennen auf deutschem Boden. Der Nürburgring tröstete sich vor 55 Jahren mit einem Formel 2-Rennen auf der Südschleife. Diesmal bleibt der Platz im Kalender leer. Dem Hockenheimring und dem Nürburgring war die Austragung des Rennens zu riskant. Der von Bernie Ecclestone aufgerufene Preis wäre nicht refinanzierbar gewesen. Die letzten Jahre waren an beiden Austragungsorten starke Zuschauerrückgänge verzeichnet worden. Zudem wurde viel zu lange verhandelt. Im März verkauft man nicht mehr 60.000 Tickets, die nötig gewesen wäre, um wenigstens mit einer schwarzen Null zu überleben.

Fatale Signalwirkung

Die Absage des Rennens reiht sich nahtlos in die Serie schlechter Botschaften ein, die die Formel 1 in letzter Zeit aussendet. Bernie Ecclestones kennt in diesem Punkt keine Sentimentalitäten. Seine Maxime lautete immer: "Wer sich an einen Pokertisch setzt, sollte genügend Geld in der Tasche haben." Doch so einfach kann es sich der Formel 1-Zampano in diesem Fall nicht machen. Deutschland ist nach Frankreich das zweite Motorsport-Kernland, das aus dem Kalender fliegt. Das Interesse mag schwinden, aber es ist immer noch größer als in Malaysia, Bahrain, Abu Dhabi, China, Russland oder in Aserbaidschan, wo die Formel 1 im nächsten Jahr ihre Zelte aufschlägt.

Die Formel 1 sollte zunächst dort fahren, wo ihr Publikum sitzt. Sich die Fans zu halten, ist immer noch eine einfachere Aufgabe als neue dazu zu gewinnen. Vor allem, wenn man keine Ideen hat, wie man neue Anhänger erreicht. Die Formel 1 kann es sich in ihrer momentanen Verfassung nicht leisten, sich aus ihren Kernmärkten zu verabschieden. Weil sie dadurch das Abwandern der Zuschauer noch beschleunigt.

Deutschland ist eine Autonation. Die Signalwirkung einer Absage ist fatal. Wenn Malaysia vom Formel 1-Globus verschwindet, kümmert das keinen Hund. Das ist in den Zeitungen eine Randnotiz wert. Das Aus für den GP Deutschland wurde weltweit registriert. Bei Investoren verstärkt sich dadurch der Eindruck, dass es sich bei der Formel 1 um ein Geschäft auf Talfahrt handelt. Die Nachricht lockt Sponsoren nicht an. Es schreckt sie ab.

Die Rechteinhaber machen kurzfristig mehr Geld, wenn sie ein Rennen in Europa durch eines in motorsportlichen Niemandsländern ersetzen. Doch hier zeigt sich, dass CVC nur kurzfristig denkt. Es geht um schnelle Refinanzierung, nicht um den Erhalt und Ausbau eines Sports. Der Schaden, der dadurch angerichtet wird, zeigt sich erst in ein paar Jahren. Weil dann auch die Länder wieder abgesprungen sind, die heute ein Vermögen für einen Grand Prix bezahlen. Ich erinnere nur an die Türkei, an Indien und Korea.

Wer ist der nächste? Monza bekam schon die gelbe Karte

Warum soll der GP Deutschland anders behandelt werden als irgendein Rennen in der neue Welt, das zwischen 20 und 40 Millionen Dollar für die Austragung des Grand Prix hinblättert? Ganz einfach. Weil er in den vergangenen 65 Jahren zum Erfolg der Rennserie mehr beigetragen hat als die Rennen in der neuen Welt. Weil er neben Monte Carlo, Spa, Monza und Silverstone zum Gerüst dieses Sports zählt. Monte Carlo bezahlt an Ecclestone gar nichts. Monza nur sehr wenig. Auch Spa bekommt Sonderkonditionen. Zu Recht.

Zuerst wurde Frankreich gekippt. Jetzt Deutschland. Man muss sich fragen, wer als nächstes über die Klinge springt. Ein Rennen aus unserem Grand Slam? Monza bekam von Ecclestone schon die gelbe Karte gezeigt. Auf Monza zu verzichten wäre so, als würde der Tennissport Wimbledon aus dem Turnierkalender kippen. Das Schlimme dabei ist: Man muss den Machern der Serie mittlerweile alles zutrauen.

Eine ganz armselige Figur macht dabei die FIA. Sie hat ein Veto-Recht in Bezug auf die Vergabe der Grand Prix. Sie könnte die Traditionsveranstaltungen schützen. Doch aus Paris kommt zu diesem Thema nicht einmal ein Kommentar.

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