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Ferrari - GP Italien - Monza - Formel 1 - 31. August 2017
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Schmidts F1-Blog zu Ferrari: Wer gehen will, soll gehen

Schmidts F1-Blog zu Ferrari und Sergio Marchionne Wer gehen will, soll gehen

Wir haben es fast erwartet. Ferrari-Präsident Sergio Marchionne droht mit Ausstieg, weil die Zukunftsplanung der neuen Formel 1-Besitzer sich nicht nach den Wünschen von Ferrari richtet. Als ob Ferrari die Formel 1-WM gehören würde. Wer gehen will, soll gehen, findet Michael Schmidt.

Die FIA und das Formel 1-Management haben das Motorenkonzept für 2021 vorgestellt. Die Antwort der Hersteller kam postwendend. Sie lehnen der Vorschlag ab. Das gleiche werden wir nach der Präsentation der Budgetdeckelung am heutigen 7. November erleben. Ein Aufschrei der Entrüstung wird durch die Werksteams gehen. Ferrari ging bereits einen Schritt weiter. Präsident Sergio Marchionne droht mal wieder mit Rückzug. Er will den Sandkasten, in dem Ferrari mitspielt, selbst gestalten. So, als würde ihm die Formel 1 gehören.

Das passt in die Firmentradition. Auch Enzo Ferrari hat der Formel 1 mehrmals die Freundschaft gekündigt, ließ Rennen aus oder trat unter der Bewerbung des North American Racing Teams in den Farben weiß-blau an. Er ist immer wieder zu Kreuze gekrochen und zurückgekehrt. Weil der alte Herr ganz genau wusste, dass die Formel 1 der Nährboden für den Mythos Ferrari ist.

Herr Marchionne weiß das offenbar noch nicht. Sonst hätte er im Rahmen einer Telefonkonferenz mit Analysten nicht behauptet, dass ein Ausstieg aus der Formel 1 das Geschäftsergebnis von Ferrari quasi explodieren ließe. Fragt sich nur in welche Richtung. Zweifellos würde Ferrari rund 400 Millionen Euro im Jahr einsparen. Doch die Langzeitfolgen wären fatal. Ferrari wäre mittelfristig ein ganz normaler Sportwagenhersteller, wenn seine roten Autos nicht mehr auf den Rennstrecken der Welt fahren würden. Und dann würde auch der Aktienkurs in den Keller fallen.

Auch 400 Millionen sind keine Titelgarantie

Marchionnes Argumentation macht überdies keinen Sinn. Er will an einem Reglement festhalten, das Ferrari am Ende doppelt so viel kosten würde, als wenn man endlich die sinnlosen Kostentreiber der Königsklasse abschafft. Das Formel 1-Geschäft von Ferrari könnte ein zusätzliches Profitcenter sein, wenn Herr Marchionne künftig nur noch 200 Millionen in sein Team stecken müsste. Wäre ich Ferrari-Aktionär, ich würde Herrn Marchionne verklagen. Weil er mir meinen Gewinn stiehlt. Ich finde, Ferrari sollte genug Selbstvertrauen haben, dass man auch mit einem geringeren Budget vorne mitfahren kann. Die 400 Millionen sind ja auch keine Titelgarantie, wie dieses Jahr gezeigt hat. Wenn Ferrari durch ein Gesundschrumpfen des Sports ein paar Gegner mehr bekommt, dann hilft das nur dem Sport. Das muss auch Ferrari kapieren.

Ich kann nur hoffen, die Reformer bleiben hart. Schickt die nach Hause, die nicht mitspielen wollen. Wenn jeder nur mitmacht, wenn nach seinen eigenen Regeln gefahren wird, kommt nie etwas Gescheites dabei raus. Wer gehen will, soll gehen. Enzo Ferrari hatte vor 40 Jahren noch Alternativen. Marchionne hat sie nicht. Wo will Ferrari hin? In die Langstrecken-WM? Die hat sich gerade durch ihren High-Tech-Wahn und die Hochpreispolitik selbst abgeschafft. Da kann Ferrari dann ein LMP2-Auto bauen. Oder wahlweise in Indianapolis mit einem roten Dallara antreten. Es wäre an der Zeit, dass die Agnelli-Familie ihren wild gewordenen Ferrari-Präsidenten einbremst. Das ewige Herumgejammere geht den Leuten nur auf die Nerven und kostet Ferrari nur Sympathien.

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