Schmidts F1-Blog zu Sebastian Vettel

Sperre auf Bewährung würde reichen

Lewis Hamilton - Sebastian Vettel - Formel 1 Foto: xpb 100 Bilder

Sebastian Vettels Revanchefoul gegen Lewis Hamilton beim GP Aserbaidschan bewegt die Gemüter. Die FIA untersucht den Fall ein zweites Mal. Mit der Gefahr einer Überreaktion. Eine Sperre auf Bewährung reicht auch, meint Michael Schmidt.

Dieser GP Aserbaidschan hatte alles, was ein Autorennen braucht. Zweikämpfe, Überholmanöver, unerwartete Wendungen, einen Überraschungssieger, Pannen der Großen, Sternstunden der Kleinen und eine handfeste Kontroverse zwischen den beiden Superstars. Manche sprachen von einem Skandal. Sebastian Vettel war seinem WM-Gegner Lewis Hamilton zuerst hinten ins Auto gefahren und dann noch einmal von der Seite.

Vettel kann ein Hitzkopf sein

Das erste war ein Auffahrunfall. Vettel hat nicht aufgepasst. Sein Gegner ging vom Gas, Vettel beschleunigte. Das musste im Heck des Mercedes enden. Ein Missverständnis hinter dem Safety Car, wie es immer mal wieder vorkommt. Wir denken nur an die Kollision zwischen Michael Schumacher und Juan Pablo Montoya 2004 im Tunnel von Monte Carlo. Also nicht der Rede wert.

Was dann folgte war eine Mischung aus Revanchefoul und Erziehungsmaßnahme. Vettel ging von einem Bremstest aus, der keiner war, aus seiner Sicht aber so aussehen musste. Ein Jackie Stewart, Alain Prost oder Mika Häkkinen hätten in der Situation vermutlich Ruhe bewahrt, sich die Emotionen für eine Verbalattacke nach dem Rennen aufgehoben. Ayrton Senna oder Michael Schumacher wäre vermutlich auch der Gaul durchgegangen. Wie weit sie gegangen wären ist eine Frage, die wir nie mehr beantwortet kriegen. Und was Hamilton im umgekehrten Fall gemacht hätte, auch nicht.

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Vettel kann ein Hitzkopf sein, wenn er auf der Rennstrecke seiner Meinung nach ungerecht behandelt wird. Das mit dem unfreundlichen Handzeichen war okay. Die Kollision ging zu weit. Dafür wurde er bestraft. Manche meinen nicht hart genug. Nun, immerhin hat er dadurch das Rennen verloren. Und um es noch einmal klar zu machen. Er hätte den Grand Prix in Baku nicht wegen des Rammstoßes gewonnen.

Hamilton fiel wegen eines lockeren Nackenschutzes zurück, der nichts mit der Kollision zu tun hatte. Noch nicht einmal die Safety Car-Phase, die zu der Panne mit dem Kragen im Cockpit führte, wurde durch Vettels Unbeherrschtheit ausgelöst. Da kann sich Hamilton bei den Force India-Piloten bedanken. Dass er trotz der kürzeren Boxenzeit hinter Vettel landete, muss sich der Mercedes-Fahrer selbst ankreiden. Er war in den entscheidenden zwei Runden 3,2 Sekunden zu langsam.

Hamilton hat jetzt einen Schuss frei

Das Urteil der Sportkommissare hat Vettel 13 Punkte gekostet, die ihm am Ende der Meisterschaft noch wehtun könnten. Das ist nicht Nichts. Sein Fehlverhalten hat weder das Rennen beeinflusst, noch war es gefährlich. Es war, wie es Jenson Button richtig einschätzt, einfach nur töricht. Weil es Hamilton in die Rolle des Opfers drängt und den WM-Rivalen stark macht. Der Engländer hat jetzt einen Schuss frei. Dass die FIA den Fall noch einmal aufrollt, geht auch in Ordnung, weil Vettel Wiederholungstäter ist. Jetzt gar nichts zu machen, würde andere animieren, Unstimmigkeiten auf der Strecke gleich selbst zu bestrafen.

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Vergleiche mit der Kollision Schumacher gegen Villeneuve hinken. Die fand im Rennen statt, mit der klaren Absicht den Gegner am Überholen zu hindern. Ein Ausfall von Villeneuve hätte direkt die WM entschieden. So wie es bei den Karambolagen zwischen Senna und Prost 1989 und 1990 der Fall war. Auch die Analogie zum Fußball, bei dem ein vergleichbares Verhalten garantiert mit einer roten Karte geahndet würde, passt nicht. Im Fußball hätten die 10 verbliebenen Spieler auf dem Platz immer noch die Chance das Ergebnis zu beeinflussen. Ein Rennfahrer sitzt allein im Auto. Viel werden mit dem Argument kommen, dass man die Kleinen hängt und die Großen laufen lässt. Ich wage mal zu behaupten, dass der gleiche Vorfall zwischen Marcus Ericsson und Stoffel Vandoorne im Kampf um Platz 15 gar nicht bemerkt worden wäre. Und schlimmstenfalls auch nicht mehr als eine 10-Sekunden-Strafe gegeben hätte.

Aufgrund der Sachlage wäre eine direkte Sperre ein zu hohes Strafmaß. Weil es in das Titelrennen eingreifen würde und ein Schatten über einen tollen WM-Kampf fallen würde, der durch die jüngste Kontroverse noch eine Spur heißer wird. Bis zum Schluss würde man herumrechnen, wie die WM wohl ohne eine Sperre ausgegangen wäre, ob sie gerecht war und ob der Weltmeister den Titel auch verdient hat. Die FIA wäre gut beraten, den Blick fürs Ganze zu wahren. Ein Rennen Sperre mit einem Jahr Bewährung erfüllt auch seinen Zweck. Es wäre eine Lösung, bei der alle das Gesicht wahren.

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