Lewis Hamilton - Mercedes  - GP Japan 2016 - Suzuka xpb

Schmidts F1 Blog

Die Formel 1 spielt verrückt

Wenn es nichts mehr zu schreiben gibt, werden Mücken zu Elefanten gemacht. Ferrari und Mercedes bekamen es zu spüren. Da weiteten sich Belanglosigkeiten zum Hauskrach aus. Die Saison dauert einfach viel zu lang, meint Michael Schmidt.

Mein Vorschlag an Liberty Media, die neuen Hausherren der Formel 1 in spe: Packt weniger Rennen in den Kalender. 18 Grand Prix reichen völlig. Warum? Wir sind jetzt im 17. von 21 Rennen und alles dreht sich im Kreis. Nicht nur die Autos. Immer die gleichen Themen, die gleichen Fragen, die gleichen Antworten. Nico Rosberg wird turnusgemäß gefragt, was er anders macht als vorher. Lewis Hamilton zum hundersten Mal, wie er mit seinem Motorpech umgeht. Ferrari-Rennleiter Maurizio Arrivabene muss die Ferrari-Krise erklären, Toto Wolff den Balanceakt mit zwei Fahrern, die sich um den WM-Titel streiten, Sebastian Vettel seine vielen Unfälle beim Start, Fernando Alonso ob er nächstes Jahr wieder gewinnt und Sergio Perez, warum er nun doch bei Force India fährt. Nachdem er davor jedes Wochenende gefragt wurde, warum gerade das in Frage gestellt war.

Es braucht Abwechslung in all der nervtötenden Routine.

Man musste Mercedes schon fast dankbar sein für den Motorschaden in Malaysia, Sebastian Vettel für eine weitere Startkollision und Red Bull für den Doppelsieg, der endlich mal wieder eine andere Farbe als Silber auf das Siegerpodest bracht. Es waren Abwechslung in all der nervtötenden Routine.

Wenn es nichts mehr zu erzählen gibt, werden Mücken zu Elefanten gemacht. Die Formel 1 spielt verrückt. Ferrari-Rennleiter Maurizio Arrivabene stolperte über ein eigentlich belangloses Zitat. „Jeder im Team muss sich sein Geld verdienen.“ Jeder? Also auch Vettel. Und weil es beim vierfachen Weltmeister gerade nicht so gut läuft und sein Ende 2017 auslaufender Ferrari-Vertrag noch nicht verlängert ist, strickten einige daraus ein Misstrauensvotum des Chefs gegen seinen Starpiloten. Der Telegraph dichtete sogar: „Vettels Zukunft bei Ferrari in Gefahr.“

Auch Mercedes bekam die Aufgeregtheiten eines Geschäfts zu spüren, das nicht endlos in der Lage ist, genügend Geschichten für gefräßige Internetportale zu produzieren. Lewis Hamilton wollte in der offiziellen Pressekonferenz am Donnerstag lieber mit seinem Smartphone spielen, als Fragen zu beantworten, die er schon vorher zig mal beantwortet hatte. Er wollte den Motorschaden von Malaysia vergessen, statt immer wieder daran erinnert zu werden. Prompt gab es Ohrfeigen für sein Benehmen. Der Kleinkrieg gipfelte zwei Tage später darin, dass Hamilton auf die Medienschelte mit Verweigerung antwortete. Er werde in Zukunft gar keine Fragen mehr beantworten.

Weniger Rennen wären mehr

Es war nicht sonderlich klug von Hamilton, in der heißen Phase der WM einen Nebenkriegsschauplatz zu eröffnen. Nico Rosberg wird sich heimlich über die zusätzliche Ablenkung freuen, die sich der WM-Rivale da eingebrockt hat. Ich behaupte: Im fünften Rennen der Saison wären Arrivabenes Erklärungen nicht zum Hauskrach mutiert, und Hamilton hätte vermutlich brav auf jede Frage geantwortet, so dass es erst gar nicht zu dem Eklat im Mercedes-Pavillon gekommen wäre.

War das schon der Höhepunkt? Ich glaube nicht. Wir werden auch noch in Austin, Mexiko-City, Sao Paulo und Abu Dhabi Geschichten brauchen und welche konstruieren, wenn die Rennstrecke oder der Transfermarkt nichts mehr hergeben. Es waren nicht die letzten Kleinigkeiten, die es in die Schlagzeilen schaffen. In Bezug auf die Anzahl der Rennen und eine Übersättigung der Nachrichtenlage gilt der Spruch: Weniger wäre mehr.

Motorsport Aktuell Lewis Hamilton - Mercedes - Formel 1 - GP Japan - Suzuka - Qualifying - Samstag - 8.10.2016 Eklat um Hamilton Rosberg 82 Zentimeter vor Hamilton

Lewis Hamilton muss Punkte auf Nico Rosberg gutmachen.

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