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Haas - Halo-Test - Formel 1 - 2016
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Renault - Halo-Test - Formel 1 - 2016
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Schmidts F1-Blog zum Halo

Ein schwarzer Tag für den Motorsport

Die FIA hat gegen den Willen der Teams den Halo für 2018 durchgedrückt. Sie entstellt ohne Not die Autos und wird damit viele Fans vertreiben, befürchtet Michael Schmidt in seinem Blog.

Es musste so kommen. Die FIA ließ den Teams, den Fahrern und den Fans keine Wahl: Halo oder Shield. Weil der Shield nicht ausgereift ist, kommt der Halo. Gegen den Willen von neun der zehn Teams. Gegen eine knappe Mehrheit der Fahrer. Das kam bei einer Umfrage im Winter heraus, wird aber verschwiegen.

Der Halo kommt, weil er bei herumfliegenden Teilen oder Kollisionen 18 Prozent mehr Sicherheit geben soll. In Bezug auf lose Räder mag das stimmen, doch die wurden in den letzten Jahren immer stärker gesichert und werden es ab 2018 mit einem dritten Radseil noch mehr.

Unfälle wie der von Tom Pryce mit dem Feuerlöscher 1977 in Kyalami oder der von Felipe Massa mit der Feder 2009 am Hungaroring kommen in 100 Jahren zwei Mal vor. Gegen die kann man sich nicht absichern. Und wenn man es doch will, müsste man sich die Frage stellen müsste: Wo fangen wir an, wo hören wir auf?

Risiko-Analyse des Halo lückenhaft

Sebastian Vettel - Ferrari - Halo 2 - Heiligenschein - Cockpitschutz - GP England 2016
xpb
Der Halo entstellt die Formel 1-Autos. Das wird Fans kosten.

Dass der Halo bei bestimmten Unfallszenarien zum Problem werden kann, wird der Risikoanalyse nicht erwähnt. Der Report geht nur auf die Urangst ein, dass ein umgestürztes Auto Feuer fängt und der Fahrer sich nicht befreien kann. Die Gefahr wird als gering betrachtet, weil Rennautos heute nicht mehr brennen. Dem kann man zustimmen. Dass ein kleineres Objekt durch den Rahmen des Halo auf weniger gut geschützte Teile des Fahrers als den Kopf abgelenkt werden könnte, dass sich ein anderes Auto bei einem seitlichen Aufprall in dem Heiligenschein verhakt und das Zielobjekt unkontrolliert mit sich reißt und dann mit doppelter Masse irgendwo einschlägt oder den Fahrer gleich direkt verletzt, wurde unter den Tisch gekehrt.

Sei‘s drum. Der Halo ist wie der Shield ein Fremdkörper, der nicht zum Rest des Autos passt. Das Provisorium nimmt der ultimativen Fahrmaschine ihre Ernsthaftigkeit, ihre Aggressivität, ihren Sex-Appeal. Er lässt sie lächerlich aussehen. Etwas Schlimmeres kann man einem Rennauto nicht antun.

Glauben Sie, ein Kind oder Jugendlicher wird sich ein Poster von einem Ferrari oder Mercedes mit einem Halo über dem Cockpit an die Wand hängen? Glauben Sie, man wird noch in Ehrfurcht vor den schnellsten Autos der Welt stehen, wenn ein Heiligenschein den Fahrer halb verdeckt?

Kommt Halo auch in kleineren Serien?

Ich bin Motorsport-Fan geworden, weil die Autos einfach geil aussahen. Mich hat Midget oder Nascar nie interessiert, weil das für mich fahrende Hutschachteln waren. Der Halo wird die Formel 1 viele Fans kosten, und das in einer Zeit, in der man neue Fans gewinnen will.

Und es wird weitergehen. Alle Motorsportkategorien unter dem FIA-Patronat werden künftig einen Halo haben müssen, bis runter zum Kartsport. Wenn man einem Formel 1-Fahrer das Restrisiko nicht zumuten kann, dann auch nicht einem Kind im Go-Kart.

Renault - Halo-Test - Formel 1 - 2016
Aktuell

Zugegeben, das sind emotionale Argumente. Sie allein würden vielleicht noch nicht ausreichen, den Halo zu beerdigen. Doch die FIA hat mit ihrem ersten Diktat aus Sicherheitsgründen in der Ära Todt die Büchse der Pandora geöffnet. Der Halo wäre unter Abwägung aller Pros und Contras nie gekommen, hätte die FIA nicht Angst vor juristischen Konsequenzen. Und dieses Fass hat sie ohne Not aufgemacht.

Seit die Bianchi-Familie den Weltverband wegen Nachlässigkeit verklagt, will sich die FIA gegen jeden und alles absichern. Mit der Veröffentlichung der Dokumentation über den Halo hat sich die Pariser Behörde in Zugzwang gebracht. Würde sie nicht auf dem Halo bestehen, könnte bei einem Unfall mit Kopfverletzungen eine Klage drohen. Der Kläger würde sich auf die Dokumentation berufen und der FIA vorwerfen, etwas unterlassen zu haben, was ihrer Meinung nach mehr Sicherheit bietet.

FIA bringt sich selbst in Zugzwang

Und genau jetzt wird es gefährlich für den ganzen Sport. Dieses Spiel kann man so weiter treiben. Was passiert, wenn das nächste Mal ein Auto am anderen aufsteigt, und ein Fahrer, Streckenposten oder Zuschauer als Folge verletzt wird? Müssen wir uns nicht auch gegen Unfälle dieser Art absichern? Vielleicht mit Schutzbügeln rund um die Räder so wie bei Leih-Karts auf der Kirmes. Oder gegen 1.000 andere Unfallszenarien, an die wir noch gar nicht denken? Mit dem Halo-Urteil ist die Motorsportbehörde gezwungen auf alles zu reagieren, was potenziell gefährlich sein könnte.

Jean Todt argumentiert, dass jedes Leben, das gerettet werden kann, gerettet werden muss. Das ist richtig und falsch zugleich. Richtig, weil es fahrlässig wäre, es nicht zu tun. Falsch, weil es in letzter Konsequenz den Motorsport kaputtmacht. Wenn die FIA alle Leben retten und sich juristisch 100-prozentig absichern will, dann muss sie ein Tempolimit von 100 km/h auf der Rennstrecke einführen. Oder noch besser Rennautos, die von alleine fahren. Deshalb war der 19. Juli ein schwarzer Tag für den Motorsport.

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Beim Thema Sicherheit spielt der Look keine Rolle. Daran gewöhnt man sich.
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