Schumi setzt Ferrari unter Druck

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Wende oder Ende: Michael Schumacher hat zum ersten Mal öffentlich klare Bedingungen an Ferrari für die Fortsetzung seiner beispiellosen Formel-1-Karriere gestellt. Auch einen Wechsel zu einem anderen Team schließt der Rekordweltmeister nicht mehr kategorisch aus.

"Das Auto muss konkurrenzfähig sein. Wenn ich nicht einmal eine Chance habe, Rennen zu gewinnen und um den Titel zu kämpfen, glaube ich nicht, dass ich große Lust verspüre, meine Karriere fortzusetzen", sagte der siebenmalige Titelträger in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin "Der Spiegel".

Schumacher, der auch mit sich selbst schonungslos ins Gericht ging, schloss allerdings einen Wechsel zu einem anderen Team nach dem Auslaufen seines Vertrages bei Ferrari Ende dieses Jahres nicht mehr hundertprozentig aus. "Zu 99 Prozent ja. Das eine Prozent muss ich mir offen lassen", sagte er wenige Tage nach seinem 37. Geburtstag. Eine Entscheidung will der siebenmalige Weltmeister Mitte dieses Jahres fällen.

"Praktisch heißt dies: Wenn sich so ein mageres Jahr wie zuletzt wiederholt oder es sogar noch schlechter wird, dann könnte Schumacher für immer Helm, Handschuhe und den Rennanzug ausziehen. Das ist eine neuer Gedanke von Schumacher", schrieb "La Gazzetta dello Sport" am Sonntag. "Il Secolo XIX" brachte die neuen Aspekte auf den Punkt: "Schumacher verlangt Garantien von Ferrari."

Kein Problem mit Räikkönen

Möglich sei es, dass er noch einmal bei Ferrari einen längerfristigen Kontrakt unterzeichnen würde, sagte Schumacher. "Auch das würde ich davon abhängig machen, wie sich die nächste Saison gestaltet." Schumacher würde "natürlich" auch zusammen mit dem Finnen Kimi Räikkönen im Team antreten. Der derzeitige McLaren-Mercedes-Pilot gilt als heißer Kandidat auf ein Cockpit bei der Scuderia nach dieser Saison. "Ferrari versucht immer, den besten verfügbaren Piloten zu bekommen", sagte Schumacher.

Wenn Ferrari den Fortschritt wolle, brauche man zusätzliche Leute, sagte Schumacher, der seit 1996 für die Mythos-Marke aus Maranello fährt und fünf Mal in Serie die Weltmeisterschaft gewann. In der vergangenen Saison wurde er vom spanischen Renault-Piloten Fernando Alonso entthront. "In der Formel 1 kann man sich Stillstand nicht leisten. Ich will wissen: Wo geht bei Ferrari die Reise hin?" Dabei stellte Schumacher klar, dass bislang alle Wünsche bei der Scuderia erfüllt wurden. "Aus unserer Chefetage sind noch nie Sätze gefallen wie: Das können wir uns nicht leisten, tut uns leid. Auch deshalb
bin ich bei Ferrari schon so lange glücklich."

Für Ferrari könne es aber nur darum gehen, ganz vorn dabei zu sein und um die Weltmeisterschaft zu kämpfen. "Es wäre keine Schande, nach hartem Kampf Zweiter zu werden", sagte Schumacher, der 2005 lediglich einen geschenkten Sieg beim Skandalrennen in Indianapolis einfuhr und in der Endabrechnung Dritter wurde. "So eine missratene Saison wie die vorige möchten wir bei Ferrari nicht noch einmal erleben", sagte der Kerpener und stellte fest: "Manchmal war es wie verhext."

Die Last mit der Routine

Schumacher sucht die Schuld aber auch bei sich und räumte eigene Antriebsschwächen ein: "Wenn man so erfolgsverwöhnt und so anspruchsvoll ist wie ich nach 84 Grand-Prix-Siegen, dann ist es verdammt schwierig", für einen kleinen Schritt noch Motivation aufzubringen. Das gelte für ihn genauso wie für das Team. Ihm seien Fehler unterlaufen, "die ich mir nicht hätte gestatten dürfen. Nach all den Erfolgen schleichen sich Nachlässigkeiten ein, vieles will man mit Routine erledigen", gab er offen zu.

Als Reaktion habe er auf Urlaub verzichtet und sei gleich nach der Saison wieder in sein Fitness-Studio gegangen, um zu trainieren. Zum ersten Mal seit sieben Jahren absolvierte der Renn-Oldie im Dezember zudem Testfahrten. "Ich habe nicht das Gefühl, mir die Pause verdient zu haben", sagte er.

Bei sich und seinem Team hat er nun, rund zwei Monate vor dem Auftaktrennen in Bahrain am 12. März, den nötigen Biss wieder ausgemacht. "Im Moment brenne ich aufs Fahren wie schon lange nicht mehr", sagte Schumacher: "Was ich spüre, ist der Wille, die Dinge wieder voranzubringen." Und es gebe Anzeichen, dass Ferrari nach den verheerenden Problemen mit Reifen und Aerodynamik im Vorjahr, mit der Einführung des V-8-Motors wieder näher an der Konkurrenz sei.

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