Schumi und der Ruck nach rechts

Die Deutschen kickten sich beim Saisonauftakt in Melbourne gegenseitig von der Strecke. Die Schuldfrage zwischen Heidfeld und Schumacher bleibt ungeklärt. Die Rennleitung sah keinen Anlass zum Handeln.

Der Vorfall in der 43. Runde beschäftigte die Rennkommissare noch nach dem Rennen. Nick Heidfeld und Michael Schumacher mussten zur Anhörung, legten ihre Sicht der Dinge dar und hörten das Urteil: Rennunfall. Niemand wird zur Rechenschaft gezogen. „Unglücklich und unnötig“, nannte BMW-Sportchef Mario Theissen das Manöver.

Ferrari-Technik-Chef Ross Brawn schritt gleich zur Absolution seines Schützlings: „Ich konnte nicht erkennen, dass Michael viel falsch gemacht hat. Das muss ich Nick ankreiden." Der Betroffene sah das freilich anders: „Ich bin in der dritten Kurve neben ihm gewesen. Er hat mich auf die Wiese gedrückt. Da kann sich jeder sein eigenes Bild machen.“

Was war passiert? Michael Schumacher war gerade vom Tankstopp aus der Boxengasse zurückgekehrt, und Nick Heidfeld witterte Morgenluft. In der Hoffnung, das höhere Gewicht und die abgekühlten Reifen würden den Ferrari zum leichten Opfer machen, erfüllte sich nicht. Als Heidfeld längsseits ging, schlug Michael Schumacher schon vor der Kurve die Tür zu, und es knallte. Während Heidfeld sofort dem havarierten Williams entstieg, ließ sich Schumacher aus dem Kiesbett schieben, musste aber in der 45. Runde das Auto in der Ferrari-Box abstellen.

Ein wenig scheint der Weltmeister schon gezittert zu haben, dass ihn die Regelwächter wegen Verursachung eines vermeidbaren Unfalls belangen. Vor dem Schiedsrichterspruch mochte er erst einmal nicht vor den Fernseh-Kameras erscheinen. Schließlich gab der Weltmeister doch eine kurze Audienz: "Es gibt keinen eindeutig Schuldigen. Ich habe ihn gesehen, dann aus dem Spiegel verloren, eingelenkt und bumms“.

Dass er schon wusste, wo Heidfeld war und nicht nur seine Rennlinie beanspruchte, sondern den Kollegen einfach nach rechts ins Gras drängte, mochte Schumacher nicht leugnen, aber auch nicht so richtig zugeben. Immerhin begnadigte der Formel 1-König den Kontrahenten in Bezug auf die eigentliche Kollision: „Auf dem Gras hat man natürlich wenig Kontrolle.“

Schumacher ließ durchblicken, dass es sich jedoch bei dem Zwischenfall durchaus um einen Fall von Majestätsbeleidigung gehandelt haben könnte: „Er ist ein bisschen optimistisch zu glauben, dass ich ihm die innere Spur zur Verfügung stelle. Er kann es gern auf der Außenbahn versuchen", sprach Schumi der Siebenfache.

Wiederholungs-Täter Schumacher

Irgendwie ist es häufig ein Ruck nach rechts, der den Schuminator überfällt, wenn er in Bedrängnis gerät. 1995 ließ er in Australien nach eigenem Mauerkuss Rivale Damon Hill zu seiner Rechten in die Falle laufen. 1997 rumpelte er beim WM-Finale dem heranstürmenden Thron-Erben Villeneuve in die linke Flanke. Den aufmüpfigen Bruder drängte er schon mal in Richtung Boxenmauer, um ihn zur Raison zu bringen.

Schumacher versprach, er werde mit Heidfeld noch das klärende Gespräch suchen. Abgesehen von der in bilateralen Verhandlungen zu klärenden Schuldfrage sah Heidfeld auch die bedeutendere nationale Komponente der Affäre: "Das war kein optimaler Anfang für uns Deutsche.

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