Sebastian Vettel - Ferrari - GP Singapur - Formel 1 - Donnerstag - 19.9.2019 Motorsport Images
Ferrari - GP Singapur - Formel 1 - Donnerstag - 19.9.2019
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Ferrari - GP Singapur - Formel 1 - Donnerstag - 19.9.2019 76 Bilder

Schwere Phase für Vettel

Fühlt sich Leclerc als Ferraris Nummer 1?

Die Gefühlslage könnte bei Ferrari nicht unterschiedlicher sein. Sebastian Vettel musste in Belgien und Italien einstecken. Charles Leclerc flog hingegen zu Ferraris einzigen beiden Saisonsiegen.

Der Monat September meint es bislang gut mit Charles Leclerc. In Belgien feierte der Monegasse seinen ersten Karriere-Sieg. Eine Woche später legte Ferraris Wunderknabe in Monza nach. Spätestens mit dem Heimsieg im Hochgeschwindigkeitstempel hat sich Leclerc in die Herzen der Tifosi gefahren.

Der zweifache Saisonsieger genoss die Zeit zwischen Monza und Singapur zu Hause in Monte Carlo. Und er stattete seinem Team einen Besuch in Maranello ab. „Dort konnte ich den 1.300 Ferrari-Mitarbeitern persönlich für ihre Arbeit danken. Die Siege kamen zum perfekten Zeitpunkt nach einer bis dahin schwierigen Saison für uns.“

Vettel nicht am Tiefpunkt

Während Leclerc zu schweben scheint, und trotzdem abgeklärt bleibt, müssen die beiden letzten Rennen an Sebastian Vettel nagen. Auch wenn es der viermalige Weltmeister nicht zugeben will. „Monza war sicher kein Highlight für mich. Aber ich halte mich damit nicht mehr auf. Es geht weiter“, sagt der WM-Fünfte, der durch das punktelose Rennen hinter den Teamkollegen gefallen ist.

Die Gefühlslage könnte nicht unterschiedlicher sein beim Rennstall der Herzen. Leclerc obenauf, Vettel tief unten. Der 52-fache GP-Sieger ist angeschlagen, aber noch nicht gefallen. „Ich hatte schon bessere Tage“, sagt Vettel. „Es ist bestimmt nicht die beste Phase meiner Karriere. Aber sicher auch nicht die schlechteste. Es ist nicht der Tiefpunkt.“

Vettel gibt sich kämpferisch. Die letzten Wochen hätten nicht an seinem Selbstverständnis als Rennfahrer gekratzt. „Diese Momente gehören dazu. Ich habe mich in der Vergangenheit aus schweren Phasen herausgeboxt und werde es auch dieses Mal tun.“ So hört sich keiner an, der aufgegeben hat.

Charles Leclerc - Ferrari - GP Singapur - Formel 1 - Donnerstag - 19.9.2019
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Charles Leclerc hat im Ferrari-Teamduell momentan die Oberhand.

Wer ist die Nummer 1?

Während sich Vettel den unangenehmen Fragen stellen muss, genießt der Teamkollege derzeit die Sonnenseiten des Geschäfts. In der Qualifikation hat Leclerc inzwischen die Oberhand. Nach Rennsiegen steht es 2:0 für den Monegassen. Alles läuft in seine Richtung. Da stellt sich zwangsläufig die Frage, wie Ferrari reagiert. Vor der Saison hatte Teamchef Mattia Binotto Vettel zur Nummer eins ausgerufen. Fühlt sich Leclerc inzwischen als der Chef im roten Rennstall? „Nein, so fühle ich nicht. Die Leute mögen die Situation von außen anders betrachten. Aber bei uns herrscht Chancengleichheit“, verneint der 21-Jährige. „Manchmal hat mir Sebastian in dieser Saison geholfen. Manchmal war es anders herum. Wir sind ein Team. Und ich denke, ein Teamplayer zu sein, zahlt sich langfristig mehr aus als egoistisch zu sein.“

Leclerc verfällt nicht in Euphorie. Selbst nach den Erfolgen, selbst nachdem er zwei Mal die Mercedes niedergerungen hat, sucht er das berühmte Haar in der Suppe. „Ich blicke nicht auf die positiven Dinge zurück. Nur aus Fehlern kann man lernen. Auch in Spa und Monza lief nicht alles reibungslos. Ich muss mich weiter verbessern. Das werde ich nur, wenn ich die negativen Aspekte anschaue. Ich muss zum Beispiel noch an meinem Setup arbeiten. Da stimmt der Kompromiss zwischen Qualifikation und Rennen nicht immer. Manchmal leide ich am Sonntag mehr.“

Es ist die Abgeklärtheit, die an Charles Leclerc beeindruckt. Doch der GP3-Meister von 2016 und Formel 2-Champion 2017 genießt gegenüber Vettel auch einen Luxus. Leclerc werden Fehler verziehen. Weil er jung ist, und es seine Premierensaison bei Ferrari ist. In Baku, Monte Carlo, Deutschland und Ungarn leistete sich der 21-Jährige Fahrfehler.

Klärendes Gespräch nach Monza

Auf Vettel regnet hingegen nach jedem Patzer Kritik ein. Weil er ein 52-facher GP-Sieger ist. Weil er vier Weltmeisterschaften gewonnen hat. Weil er der Routinier im Team ist. Zuletzt unterlief dem Ferrari-Pilot in Monza ein folgenschwerer Fehler. Nach einem Dreher in der Frühphase des Rennens ruinierte er auch noch Lance Stroll den Grand Prix. „Ich gehe immer kritisch mit mir selbst um. Das hat mir in der Vergangenheit am meisten geholfen.“

In Belgien musste Vettel das Schutzschild für den Teamkollegen spielen. In Monza gab es Zwist nach der Qualifikation. Vettel fühlte sich vom Teamkollegen veräppelt. Es war eigentlich vorgesehen, dass ihm Leclerc im zweiten Anlauf auf den langen Geraden zieht. Doch statt Windschatten zu spenden, wurde gebummelt. Leclerc betonte in Singapur nochmals, dass hinter seinen Manövern keine Absicht steckte. „Es gab einfach ein großes Durcheinander. Was ich sicher nicht wollte, war Sebastians Runde zu opfern.“ Wie dem auch sei: Leclerc hat jedenfalls maximal clever agiert. Was dazu führt, dass man ihm keinen Vorwurf machen kann.

In der Zwischenzeit gab es ein klärendes Gespräch unter den Fahrern. „Die Details kehre ich sicher nicht nach außen. Das bleibt intern. So habe ich es immer gehandhabt“, sagt Vettel. „Er hat ein paar Zweifel über meine Fahrweise geäußert. Ich habe mich ihm erklärt. Damit ist der Fall aus der Welt“, berichtet Leclerc.

Vettel muss liefern

In Singapur ist Vettel gefragt. Auf dem Marina Bay Street Circuit hat der Heppenheimer vier Mal gewonnen: 2011, 2012 und 2013 für Red Bull, 2015 für Ferrari. Singapur zählt zu seinen stärksten Strecken. Wenn nicht auf dem Stadtkurs, wo will Vettel dann das Ruder im Teamduell noch einmal rumreißen? „Diese Strecke war in der Vergangenheit oft gut zu mir.“

Auf der anderen Seite braucht es in den 23 Kurven, braucht der Pilot im Leitplankendschungel das maximale Vertrauen ins Auto, um schnell zu sein. Zweifel machen in Singapur besonders langsam. Und Vettel hat noch immer nicht das maximale Vertrauen in seinen SF90 gefunden. „Es wird aber besser. Hoffentlich macht es früher als später endlich klick.“ Das sollte für den 32-Jährigen am besten am Wochenende passieren.

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