Sebastian Vettel gelöst und optimistisch

Keine Versprechen an Ferrari-Fans

Ferrari SF71H - Vorstellung - Maranello - F1 Foto: Ferrari 26 Bilder

Sebastian Vettel geht 2018 in sein viertes Jahr mit Ferrari. Es soll endlich der Weltmeistertitel her. Vettel ist optimistisch, hält sich mit großen Ankündigungen aber zurück. Von seinem neuen Auto ist der vierfache Weltmeister angetan.

Wie gegensätzlich die beiden großen WM-Anwärter doch sind. Lewis Hamilton ist der Extrovertierte mit Goldkette um den Hals und Tattoos am Körper. Der amtierende Formel 1-Champion liebt die sozialen Netzwerke, auch wenn es über den Winter einen Kahlschlag auf seinen Profilen gab. Hamilton löschte von einem auf den anderen Tag sämtliche Einträge. Sebastian Vettel dagegen spricht an der Rennstrecke, zieht sich privat zurück und will seine Familie aus der Öffentlichkeit halten. Tattoos sind ihm so fremd wie die sozialen Netzwerke. Diese Gegensätze verstärken den Reiz dieses Duells genauso wie der Kampf Silber gegen Rot.

Lewis Hamilton - Mercedes - 2018 Mercedes-Verträge laufen aus Hamilton vor Saisonbeginn fix?

Während Hamilton Vertragsverhandlungen mit Mercedes führt, bindet ein Arbeitspapier Vettel bis 2020 an Ferrari. Auch das Winterprogramm unterschied sich. Hamilton tingelte durch die USA und Japan. Und inszenierte sich mit Fotos seiner Tricks auf dem Snowboard. Vettel hingegen besuchte das berühmte Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel und fuhr selbst Ski. „Aus fahrerischer Sicht ist die Winterpause langweilig. Auf der anderen Seite bleibt viel Zeit für wichtige Sachen“, sagt Vettel. Gemeint ist die Familie.

Fahrer vor allem zu Entwicklungsbeginn stark involviert

Zwischendurch reiste der vierfache Weltmeister nach Maranello, um sich über die Fortschritte beim Bau des neuen SF71H zu informieren und in den Simulator zu steigen. „Vor allem im Dezember und Februar war ich immer mal wieder für ein, zwei Tage in der Fabrik. Eine Woche am Stück würde ich den Jungs zu sehr auf die Nerven gehen“, witzelt Vettel. „Natürlich ruft man auch immer mal wieder an, und fragt nach dem Entwicklungsstand und nach den Zahlen.“

Den SF71H sah der 30-Jährige am Vorabend der Präsentation erstmals zusammengebaut. Wie fällt der erste Eindruck aus? „Das Auto sieht sehr aufgeräumt aus. Alles scheint Sinn zu machen. Die Zahlen sind gut, wir müssen sie aber in der Praxis bestätigen. Wir sind zuversichtlich.“ Das darf Vettel auch sein. Der SF70H war eine gute Basis. Der SF71H ist eine konsequente Weiterentwicklung dessen. Wie war Ferraris große Hoffnung in die Entwicklung des neuen Autos involviert? „Als Fahrer nimmst du vor allem in der Frühphase eine entscheidende Rolle ein. Du sagst den Ingenieuren, was gut war am letztjährigen Auto und was dir missfallen hat. Das beeinflusst die Entwicklungsrichtung. Die Auslegung des Fahrzeugdesigns ist dann die Aufgabe der Fachmänner.“

Wie viel lernt man in Barcelona?

Ferraris Ziel ähnelt dem von Mercedes. Das Auto soll auf allen Strecken wettbewerbsfähig sein, und um Siege kämpfen. Die Aufgabenstellungen waren verschieden. Während Mercedes sein Auto für langsame Strecken verbessern muss, stehen bei Ferrari die schnellen Kurse auf der Agenda. Dafür wurde der Radstand gelängt. Einen ersten Vorgeschmack, ob die Zielsetzungen erfüllt werden können, geben die Testfahrten in Barcelona. Vettel schränkt ein: „Es dürfte kalt werden. Keine Ahnung, ob man da so viel lernt.“ Schon das zweite Rennen der Saison in Bahrain verspricht ein Hitzerennen zu werden. Dafür ist der Circuit de Barcelona-Catalunya alles andere als eine optimale Referenzstrecke.

Ferrari SF71H für die F1-Saison 2018
Infos, Daten und Bilder

Ferrari hat im Winter die Schwachpunkte der Vorsaison aufgearbeitet. „Es hat uns schon noch ein Stück auf Mercedes gefehlt“, sagt der WM-Zweite. „Es war trotzdem ein gutes Jahr. Einiges ist gut gelaufen, anderes nicht. Unterm Strich müssen wir überall ein bisschen aufholen. Beim Auto. Beim Motor. Wir brauchen mehr Leistung und mehr Effizienz. Die Jungs haben große Aufmerksamkeit in die kleinsten Details gelegt. Das sieht man dem Auto an. Das Auto kann nie leicht genug sein. Durch den Halo und den längeren Radstand ist diese Aufgabe gar nicht so leicht. Und auch das Reglement mit nur noch drei Motoren für das Jahr ist eine große Herausforderung.“ Ob der SF71H das Mindestgewicht von 733 Kilogramm schon jetzt erfüllt, oder gar leichter ist, um mit Ballastgewichten die Balance zu trimmen, war bei der Fahrzeugvorstellung noch nicht zu hören.

Vettel zeigt sich gelöst und locker. Große Ankündigungen gibt es nicht. Vettel weiß, dass in Maranello sowieso nichts Anderes erwartet wird als die Weltmeisterschaft. So wie zum Beispiel auch von Real Madrid erwartet wird, jedes Jahr die Champions League zu gewinnen. „Wir stehen erst am Anfang. Das Saisonende 2017 liegt näher als das Saisonende 2018. Die nächsten Wochen werden sehr wichtig. Ich kann keine Versprechungen abgeben.“ Getreu dem Motto: Verspreche nichts, was du nicht ganz sicher einhalten kannst.

Die Formel 1-Welt sehnt sich nach einem Dreikampf zwischen Mercedes, Ferrari und Red Bull. Wie denken die Ferrari-Fahrer? „Klar wäre es cool, wenn es eng zugehen würde. Aber das Idealszenario ist natürlich, dass wir vorne wegfahren.“ Das unterstreicht auch Kimi Räikkönen. „Wenn wir es uns raussuchen dürften, würden wir jedes Rennen eine halbe Runde vor der Konkurrenz beenden.“

Zur Startseite
Die neue Ausgabe als PDF
Oberklasse Rolls-Royce Champagner-Truhe Champagner-Truhe von Rolls-Royce Fünf Autos statt Schampus Bentley Continental GT Kettenantrieb Ultratank Russland Bentley Ultratank aus Russland Achtzylinder-Wahnsinn auf Ketten
Sportwagen BMW Z4 sDrive30i BMW Z4 sDrive30i im Fahrbericht Leicht, flott und kernig BMW M5 Competition Edition 35 Jahre BMW M5 Edition 35 Jahre Vergoldetes Aluminium in Karbon-Optik
SUV Mercedes G-Klasse Alexander Bloch erklärt Technik Missverständnisse über die neue Mercedes G-Klasse Audi Q3 35 TDI Quattro S line, Audi Q3 35 TSFI Advanced, Exterieur Audi Q3 35 TDI vs. Audi Q3 35 TSFI Hier entscheidet der Geschmack
Anzeige