Sebastian Vettel - Aston Martin - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 17. April 2021 xpb
Yuki Tsunoda - Alpha Tauri - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 17. April 2021
Lando Norris - McLaren - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 17. April 2021
Antonio Giovinazzi - Alfa Romeo - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 17. April 2021
Sebastian Vettel - Aston Martin - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 17. April 2021 53 Bilder

Sebastian Vettel: Formanstieg in Imola

Leichter Formanstieg bei Vettel Weiter Rückstand zu alten Gegnern

Aston Martin steht in Imola dort, wo man schon in Bahrain stand – an der Schwelle zu den Top Ten. Für Sebastian Vettel lief es immerhin eine Spur besser als beim Saisonstart. Er kam seinem Teamkollegen Lance Stroll und dem Aufstieg ins Q3 ein Stück näher.

Aston Martin steht massiv unter Druck. Unter dem neuen Namen war der WM-Vierte des Vorjahres mit dem Ziel angetreten, dieses Jahr Dritter zu werden. Davon ist man noch meilenweit entfernt. McLaren, Ferrari und Alpha Tauri haben schnellere Autos. Die Lücke ist auch nach dem zweiten Aerodynamik-Upgrade nicht entscheidend geschrumpft. Aston Martin bleibt ein Team, das an der Schwelle zu den Top Ten steht.

Auch diesmal brauchte Lance Stroll fremde Hilfe um ins Q3 vorzustoßen. Carlos Sainz versaute seine entscheidende Q2-Runde. In Bahrain tat ihm Sergio Perez den Gefallen. Sebastian Vettel dagegen zeigte eine kleine Formsteigerung. Der neue Mann im Team qualifizierte sich ohne Nervenflattern für das Q2 und verkürzte den Abstand zum Teamkollegen auf 0,256 Sekunden. In Bahrain waren es noch deutlich mehr als drei Zehntel. Ein Zehntel verlor der Deutsche auf den Geraden. "Ich war in meinem Versuch ziemlich alleine unterwegs." Der Rest ging auf das Konto kleinerer Fehler.

Vettel hakte seine zweite Qualifikation in neuer Umgebung als kleinen Fortschritt ab: "Es war eine ordentliche Sitzung. Ich bin einigermaßen zufrieden, auch wenn es keine optimale Runde war. Aber das Gefühl für das Auto wird besser. Das absolute Vertrauen, um es richtig laufen zu lassen, fehlt mir aber noch." Die rote Flagge im Q1 nach dem Tsunoda-Crash erwies sich für Vettel als Nachteil: "Da habe ich einen extra Satz Soft-Reifen verheizt, der mir im Q2 dann gefehlt hat."

Lance Stroll - Aston Martin - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 17. April 2021
Motorsport Images
Noch hat Lance Stroll im Teamduell gegen Vettel die Oberhand.

Das Problem der Umsteiger

Es ist offenbar auch für gestandene Formel-1-Fahrer nicht so einfach, von einem Auto auf das andere umzusteigen. "Unser Aston Martin benimmt sich völlig anders als alles, was Seb bis jetzt gefahren ist. Es wird eine gewisse Zeit brauchen, bis er sich daran gewöhnt hat", gibt Teamchef Otmar Szafnauer Rückendeckung. Die komplexe Technik macht die einzelnen Autos unterschiedlicher als sie aussehen. Nur wer alle Eigenheiten genau kennt, kann die letzten zwei, drei Prozent des Potenzials ausschöpfen. Und die sind bei zwölf Autos, die innerhalb einer halben Sekunde liegen, die entscheidenden.

Vettels Leidensgenossen geht es nicht besser. Alle Umsteiger haben noch ihre Anpassungsschwierigkeiten. Fernando Alonso verlor 0,476 Sekunden auf Alpine-Kollege Esteban Ocon. Carlos Sainz flog wie Vettel im Q2 aus der Qualifikation. Zeitunterschied zu Charles Leclerc im anderen Ferrari: 0,391 Sekunden. Daniel Ricciardo steht in der Startaufstellung nur vor Lando Norris, weil seinem jungen Stallrivalen bei McLaren die schnellste Runde gestrichen wurde. Sonst wäre Norris 0,372 Sekunden schneller gewesen.

Vettel kann sich damit trösten, dass der Trend stimmt. Immerhin konnte er am Imola-Wochenende ordentlich Runden abspulen. An den ersten beiden Tagen kamen 407 Kilometer Erfahrung mit seinem neuen Dienstfahrzeug dazu. Und die Erkenntnis, dass man mit diesem AMR21 leben muss, so wie er ist: "Wir können dieses Auto nicht auf ein anderes Konzept umbauen, sondern müssen es so nehmen wie es ist. Es gibt aber einen klaren Plan, wie wir uns verbessern können."

Sebastian Vettel - Aston Martin - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 17. April 2021
Jerry André
Für Sebastian Vettel war das Qualifying schon wieder nach dem Q2 beendet.

Der Sturm im Wasserglas

Um eine echte Trendwende einzuleiten müsste Aston Martin allerdings je nach Strecke zwischen drei und fünf Zehntel finden. Das ist eine Menge Holz in einer Saison, in der man die Entwicklung des aktuellen Autos lieber früher als später einstellen würde. Aston Martin sieht sich als Opfer einer kurzfristigen Reglementsänderung im September letzten Jahres und zettelt jetzt einen Sturm im Wasserglas an.

Die FIA hatte schon im Mai im Rahmen des großen Rettungspakets beschlossen, den Unterboden vor den Hinterrädern anzuwinkeln, um zum Schutz der Pirelli-Reifen rund zehn Prozent Abtrieb zu reduzieren. Weil Simulationen der Teams ergaben, dass die Maßnahmen nicht ausreichen, wurde vier Monate später mit Restriktionen an den hinteren Bremsschächten und den vertikalen Leitblechen im Diffusor nachgebessert.

Um diese Korrektur geht es bei der Kritik von Aston Martin. Sie sei nur mit einer 70 Prozent Mehrheit beschlossen worden, behauptet man. Tatsächlich gab es aber gar kein echtes Votum, denn die FIA drückte das neue Aero-Reglement auf Grund von Sicherheitsgründen durch. Aston Martin sieht sich im Nachteil, weil das eigene Fahrzeugkonzept mit der moderaten Anstellung davon mehr betroffen ist als das der Konkurrenz.

Lance Stroll - Aston Martin - Imola - Formel 1 - GP Emilia Romagna - 17. April 2021
xpb
Bei Aston Martin fühlt man sich immer noch durch die Regeländerungen benachteiligt.

Es gab nie ein ein echtes Votum

Die Teamleitung verlangt nun vom Weltverband, die Änderungen so zu modifizieren, dass sie für alle fair sind. Zwischen den Zeilen war sogar von juristischen Schritten zu hören. Red Bull-Teamchef Christian Horner bezeichnet die Kampagne als "naiv". Selbst Mercedes geht das Säbelrasseln zu weit, obwohl das eigene Auto wegen der Baugleichheit zum Aston Martin genauso leiden müsste. "Man sollte die Sache jetzt auf sich beruhen lassen", meinte Teamchef Toto Wolff. Trotzdem zeigt er Verständnis für seinen Geschäftspartner: "Es ist legitim, wenn Aston Martin die Frage stellt, welche Motivation hinter der Regeländerung stand. Vielleicht zielten die Maßnahmen ja auf uns, und Aston Martin ist jetzt der Kollateralschaden."

Aston Martin jedoch lässt nicht locker, und macht sich damit weder bei der FIA noch bei der Konkurrenz Freunde. Selbst wenn die Theorie stimmen würde, gibt es keine Handhabe gegen die Maßnahme. Es kommt immer mal wieder vor, dass das ein oder andere Fahrzeugkonzept im Nachteil ist. Als die FIA 2019 die Frontflügel kastrierte, traf es die Autos mit viel Bodenfreiheit im Heck härter. Ein Teamchef verrät: "Es war bei den Diskussionen um die finalen Aerodynamikregeln nie ein Thema, ob Autos mit viel oder wenig Anstellung davon profitieren oder nicht."

Vielleicht hat sich Aston Martin auch keinen Gefallen damit getan, den 2020er Mercedes zu kopieren statt auf dem 2019er Nachbau weiter aufzubauen. Den hatte man nach einem Jahr gut verstanden, wie das Aero-Upgrade im letzten Saisondrittel zeigte. Mit der neuen Kopie kam eine neue Unbekannte hinzu. Die Ingenieure mussten jetzt die Aerodynamik für ein Auto adaptieren, das sie erst wieder neu lernen müssen. So könnte sich der Rennstall aus Silverstone doppelt strafen. Um die Lücke zu den alten Gegnern zu schließen, braucht es mehr als eine Ausbaustufe. Und diese Entwicklungszeit geht Aston Martin vom 2022er Auto ab.

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