Ferrari-Pannenserie geht weiter

Vettel kassiert Startplatz-Strafe

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP USA - 19. Oktober 2018 Foto: sutton-images.com 90 Bilder

Alles hat sich gegen Ferrari verschworen. Zuerst das Wetter und jetzt auch noch eine Startplatzstrafe für Sebastian Vettel. Der Aero-Test für alte und neue Teile fiel buchstäblich ins Wasser.

Wenn es mal nicht läuft, dann geht alles schief. Ferrari wollte in Austin zur großen Schlussoffensive gegen Mercedes blasen und musste schon am ersten Trainingstag mehrere Rückschläge einstecken. Als würde ein Fluch auf Ferrari lasten, verschwor sich alles gegen den WM-Herausforderer. Ferrari hätte so dringend eine trockene Strecke für seine angesetzten Aero-Tests gebraucht, doch das Wetter machte den Ingenieuren und Fahrern einen Strich durch die Rechnung. Es regnete Bindfäden. Die Strecke war zu keiner der 180 Trainingsminuten trocken.

Es kam noch schlimmer. Nach 40 Minuten im ersten Training wurde die rote Flagge gezeigt. Charles Leclerc hatte nach einem Ausrutscher jede Menge Kies auf die Strecke geschaufelt. Rund um den Kurs und auf den Displays der Autos leuchteten die roten Signallampen. Von den 14 Fahrern war einer auf einem Abschnitt von 150 Metern zu schnell. Sebastian Vettel wurde auf dem Weg zurück in die Boxen geblitzt. Ausreden gab es nicht. Vettels Cockpit-Kamera zeigte eindeutig gut sichtbar die roten Warnlampen rund um den Kurs. Und das Team hatte den Fahrer über Funk gewarnt.

Kein Pardon für Vettel

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP USA - 19. Oktober 2018 Foto: Wilhelm
Vettel kehrte im ersten Training etwas zu schnell an die Box zurück.

Vettels Pech war, dass es in diesem Jahr schon zwei Fahrer mit dem gleichen Vergehen erwischt hat. Daniel Ricciardo bei seinem Heimrennen in Australien und zuletzt Esteban Ocon in Suzuka. Beide wurden jeweils 3 Startplätze zurückgestuft. Beide Male ging es nur um geringe Tempoüberschreitungen. Bei schweren Vergehen und rücksichtslosem Fahren können die Sportkommissare auch mit 5 Plätzen strafen. Das Reglement verlangt, dass die Fahrer bei einer roten Flagge innerhalb von 400 Metern das Tempo auf 145 Prozent der durchschnittlichen Trainingszeit reduzieren müssen.

Bei roter Flagge kennt die Rennleitung keinen Pardon, schon gleich gar nicht im Regen. Weil zu dem Zeitpunkt theoretisch Helfer auf der Strecke sein könnten. Vettel konnte das Urteil dennoch nicht nachvollziehen. „Die roten Flaggen kamen raus, ich bin vom Gas gegangen, aber nach Meinung der Stewards offenbar nicht schnell genug“, schilderte der Pilot die Dinge aus der Cockpit-Perspektive.

„Sie haben mir gesagt, dass ich 27,7 Sekunden gebraucht hätte, bis ich das Tempo ausreichend verringert habe. Ich habe die roten Flaggen gesehen, habe verlangsamt und habe mich nach anderen Autos umgesehen, die möglicherweise einen Unfall hatten. Dann habe ich richtig gebremst, um die Regeln einzuhalten. Für mich war die Sache eigentlich klar.“

F1-Fotos GP USA 2018 (Freitag)
Bilder vom Freien Training

Vettel bemängelt Fehler im System

„Bei solchen Sachen sollte man einfach gesunden Menschenverstand walten lassen. Dass man mir die Zeit, die ich nicht verlangsamt haben soll, genau vorhält, ist meiner Meinung nach nicht richtig. Ich hatte alles im Blick und bin vorsichtig gewesen. Ich war langsamer als das Auto vor mir, aber es kommt leider immer darauf an, wo man sich genau auf der Strecke befindet. Je nachdem, muss man unterschiedlich stark abbremsen. Das System hat seine Fehler und seine Lücken. In den Augen der Stewards war es klar und deshalb gab es die Strafe für uns.“

In der Diskussion mit den FIA-Schiedsrichtern argumentierte Vettel vergeblich mit den besonderen Umständen: „Es war das erste Mal, dass solch ein Fall im Nassen passiert ist. Da ist die Zielzeit, die man einhalten muss, noch viel langsamer. Ich hätte fast stoppen oder auf 30 km/h runterbremsen müssen, um das Delta einzuhalten. Das muss ich dann wohl das nächste Mal machen, auch wenn ich nicht glaube, dass es das Richtige ist. Es hätte ja auch ein Auto direkt hinter mir fahren können, das in mich reinkracht. Aber wichtiger ist es natürlich, keine Strafe zu kassieren.“

Aero-Tests im Regen mit zu vielen Fehlern

Für Vettel ist die Strafe doppelt ärgerlich. Der WM-Zweite hatte auf trockenes Wetter gehofft, damit Ferrari das neue Aerodynamikpaket auf der Strecke mit den Windkanaldaten abgleichen kann. Fast noch wichtiger aber ist, den Verdacht zu bestätigen, ob das Singapur-Upgrade für die Probleme bei den letzten drei Rennen verantwortlich war. Ein neues Heckflügel-Konzept und Änderungen an den Leitblechen hatte vermutlich die Aero-Balance verschoben und die Hinterreifen überfordert. Als Reaktion darauf musste Ferrari Kompromisse bei der Fahrzeugabstimmung eingehen, um die Hinterreifen zu schützen. Das drückte auf die Rundenzeiten. Deshalb kehrte man schon am Samstag in Suzuka wieder zum alten Heckflügel-Konzept zurück. Mit guten Ergebnissen.

Ferrari - GP USA 2018 Foto: ams
Ferrari versuchte im ersten Training herauszufinden, welcher Unterboden besser ist. Der neue oder der alte?

Ferrari war sich ziemlich sicher, den Grund für die Talfahrt der letzten Grand Prix gefunden zu haben. „Wir haben in den letzten Wochen nicht geschlafen“, bestätigte Teamchef Maurizio Arrivabene. „Wir haben die Schwachpunkte, die wir in den letzten Rennen beobachtet haben, analysiert und Lösungen dafür nach Austin mitgebracht. Doch die Strecke muss zeigen, ob diese Lösungen auch Lösungen sind.“

Vettel meinte: „Wir hätten gerne noch eine Absicherung, ob wir mit unserem Verdacht richtig liegen.“ Und natürlich auch die Gewissheit, ob der neue Boden und die Leitbleche funktionieren. Der Regen ließ es nicht zu. Bei zu viel Wasser auf der Strecke saufen die Drucksensoren ab, die den Technikern die Daten über den Anpressdruck liefern. Auf Intermediates sind Aerodynamik-Messungen mit zu vielen Fehlern behaftet. Das Auto wird vier bis fünf Millimeter höher gesetzt.

Die Intermediates und noch mehr die Extremwetter-Reifen walken in Vertikalrichtung anders als Slicks und verschieben sich unter Fliehkräften auch anders auf der Felge. Damit ist das Aerodynamik-Modell im Vergleich zu Trockenreifen massiv gestört. Es geht generell Abtrieb verloren. Wie viel entscheidet das Fahrzeugkonzept. Der Mercedes scheint unter den geänderten Bedingungen im Regen weniger zu leiden als der Ferrari und der Red Bull.

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