Helmut Marko & Sebastian Vettel - F1 2019 xpb
Sebastian Vettel - GP USA 2007
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Red Bull dementiert Wechselgerüchte

„Kein Platz bei uns für Vettel“

Hat Sebastian Vettel noch eine Zukunft in der Formel 1? Nachdem die Chancen bei Mercedes schwinden, hoffen einige nun auf ein Comeback bei Red Bull. Doch Helmut Marko sieht keine Möglichkeit für die Verpflichtung.

Für Sebastian Vettel hätte das Auftaktwochenende der Saison kaum schlechter laufen können. Der Ferrari-Pilot kam im Qualifying nicht einmal in die Runde der letzten Zehn. Das ist ihm in den letzten zwölf Jahren nur passiert, wenn irgendwelche widrigen Umstände im Spiel waren, wie zum Beispiel Wetterkapriolen oder Technik-Probleme.

Statt wie Teamkollege Charles Leclerc am Rennsonntag eine Aufholjagd hinzulegen, ging es nach einem Dreher im Duell mit Carlos Sainz noch weiter rückwärts. "Es sollte eigentlich gar keine Attacke sein", verriet Vettel einen Tag später im Interview bei Servus TV. "Ich hatte nicht gerechnet, dass Carlos innen reinzieht. Ich habe dann den Anker geworfen, weil ich ihn nicht touchieren wollte. Aber es war natürlich mein Fehler."

Vettel kämpfte das ganze Rennen über mit einem bockigen Auto. Selbst gegen die Konkurrenz aus dem Mittelfeld tat er sich schwer. Nur weil die Konkurrenz reihenweise ausfiel, sprang am Ende doch noch ein WM-Pünktchen heraus. "Es war alles in allem kein guter Tag", so das schmerzhafte Fazit des Piloten.

Eigentlich wollte Vettel direkt zum Auftakt der Saison Werbung in eigener Sache machen. Nach dem Rauswurf bei Ferrari sucht der 33-Jährige für nächste Saison nach einem neuen Cockpit. Konkrete Gespräche hinter den Kulissen laufen aber noch nicht. Vettel muss erst einmal ausloten, welche Optionen überhaupt vorhanden sind.

Sebastian Vettel - Ferrari - Formel 1 - GP Österreich - 4. Juli 2020
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Hängt Sebastian Vettel den Helm ganz an den Nagel?

Keine Hoffnung auf Mercedes-Wechsel

"Ich habe noch keine Entscheidung getroffen", erklärte Vettel in Spielberg. "Wichtig ist es, auch ein Umfeld zu finden, das passt. Die letzten fünf Jahre haben sehr viel Kraft gekostet. Ich will etwas finden, das mir Spaß macht. Das Finanzielle steht dabei überhaupt nicht im Vordergrund. Motorsport ist mein Leben. Die nächsten Wochen und Monate werden Aufschluss geben, was möglich ist."

Nicht mehr möglich scheint ein Wechsel zu Mercedes. Teamchef Toto Wolff hatte ja schon mehrfach angedeutet, dass die eigenen Piloten Priorität bei der Cockpit-Vergabe für 2021 haben. Valtteri Bottas galt zwar als Wackelkandidat, doch nach beeindruckenden Leistungen wie in Spielberg gibt es für Wolff keinen Grund, seinen finnischen Schützling vor die Tür zu setzen.

Auch Vettel weiß, dass seine Chancen auf ein Wechsel zum Weltmeisterteam gering sind: "Ich glaube, dass das Team aktuell sehr zufrieden ist und sehr gut zurechtkommt. Die letzten Jahre geben dem ja auch Recht. Ich kann natürlich verstehen, dass man daran festhalten will. Es ist zwar noch keine Entscheidung gefallen, aber es ist klar, dass Lewis weitermachen kann, wenn er will. Und bei Valtteri ist es, nach einem Wochenende wie dem letzten, ähnlich."

Helmut Marko & Alex Albon - GP Österreich 2020
Red Bull
Solange Alex Albon gute Leistungen zeigt, muss sich der Thailänder keine Sorgen machen.

Vettel sagt ja, Red Bull sagt nein

Nach der gemütlichen Talkrunde beim Red-Bull-Sender Servus TV, zu der auch Teamchef Christian Horner eingeladen war, hofften viele Fans, dass der alte Arbeitgeber Vettel vielleicht eine zweite Chance geben würde. Zwar stellte Horner fest, dass das Timing der Ferrari-Trennung von Vettel nicht optimal sei, aber eine Rückkehr zur Red Bull wollte der Brite nicht explizit ausschließen. Kein Hindernis sei es offenbar, dass man mit Max Verstappen schon einen A-Fahrer im Team habe: "Mit beiden kann man sehr gut zusammenarbeiten", so Horner.

In der Donnerstags-Pressekonferenz an der Strecke in Spielberg wurde Vettel natürlich direkt darauf festgenagelt, was er von der Option Red Bull hält und ob er ein Angebot annehmen würde: "Ich habe ja schon gesagt, dass ich ein konkurrenzfähiges Auto suche. Und der Red Bull ist sicher ein Auto, mit dem man Rennen gewinnen kann. Von dem her würde ich also ja sagen."

Die Aussicht Red Bull und Vettel wieder vereint zu sehen, dürfte viele Fans in Deutschland glücklich machen. Am Ende gab jedoch Sportchef Helmut Marko den Spielverderber. Auf Nachfrage von auto motor und sport erstickte der Grazer die Diskussion direkt im Keim: "Bei uns ist kein Platz für Vettel. Wir sind mit Albon besetzt und auch zufrieden mit ihm. Albon ist zur Hälfte Thailänder, und Red Bull gehört zu 51 Prozent Thailändern."

Marko hatte für seinen guten Freund stattdessen einen Tipp parat, der den Fans nicht gefallen dürfte: "An Stelle von Sebastian würde ich ein Jahr Auszeit nehmen und mir die Sache von außen anschauen. Vielleicht tut sich in dem Jahr etwas auf, vielleicht hat er dann einen besseren Überblick, vielleicht gefällt ihm aber das Leben mit der Familie so gut, dass er ganz hinschmeißt."

Lance Stroll - Racing Point - Formel 1 - GP Österreich - Spielberg - 3. Juli 2020
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Vettel hat ein Auge auf die schnellen Racing-Point-Autos geworfen.

Racing Point als letzte Option?

Vielleicht gibt es ja noch eine weitere Option, um den Helm nicht direkt an den Nagel hängen zu müssen. Racing-Point-Teamchef Otmar Szafnauer ist ein guter Bekannter von Vettel. Wenn das Team nächstes Jahr als Werksteam von Aston Martin firmiert, könnte man einen vierfachen Weltmeister als Aushängeschild gut gebrauchen.

Problematisch ist dabei nur, dass Sergio Perez noch einen Vertrag für 2021 hat und Besitzersohn Lance Stroll sicher nicht vor die Tür gesetzt wird. Vettel selbst wäre wohl nicht ganz abgeneigt. "Es sieht so aus, als seien sie generell in einer guten Position dieses Jahr. Ich kenne Teile des Teams. Raing Point ist gut aufgestellt. Sie haben dieses Jahr auf jeden Fall ein schnelles Auto."

Eine Auszeit oder ein Rücktritt stehen aber ebenfalls auf der Liste der Optionen. Der Heppenheimer ist sich allerdings noch nicht im Klaren, was er selbst will: "Wenn man die Entscheidung trifft, die Tür zu schließen, sollte man es nicht so machen, dass man die Hoffnung hat, sie irgendwann wieder zu öffnen. Man muss selbst dazu bereit sein, die geschlossene Tür auch geschlossen zu lassen."

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