Sergio Perez - Racing Point - GP Sakhir 2020 - Bahrain - Rennen F1/FIA
Sergio Perez - Racing Point - GP Sakhir 2020 - Bahrain - Rennen
Sergio Perez - Racing Point - GP Sakhir 2020 - Bahrain - Rennen
Charles Leclerc - Ferrari - GP Sakhir 2020 - Bahrain - Rennen
Sergio Perez - Racing Point - GP Sakhir 2020 - Bahrain - Rennen 51 Bilder

Perez empfiehlt sich mit Bahrain-Sieg bei Red Bull

Perez empfiehlt sich für Red Bull Vom letzten auf den ersten Platz

Sergio Perez ist ein Grand Prix-Sieger. Der Mexikaner war nach der ersten Runde in Bahrain eigentlich schon aus dem Rennen, stand auf und profitierte vom Mercedes-Chaos in der Box. Doch Perez verdiente sich diesen Sieg auch mit zehn Überholmanövern.

Vor einer Woche noch trauerte Racing Point einer verpassten Chance nach. Sergio Perez verpasste im ersten Bahrain-Rennen auf der Langversion den zweiten Podestplatz der Saison, weil die MGU-K im dümmsten Moment ausgestiegen war. Lance Stroll machte einen Salto aus dem Rennen. Racing Point kam ohne Punkte zum zweiten Rennen in der Wüste, glaubte den dritten Platz in der Weltmeisterschaft schon an McLaren verloren zu haben und ist jetzt ein Team mit einem Grand Prix-Sieg auf der Habenseite. Und Sergio Perez ist ein Rennsieger.

Das verpasste Podest der Vorwoche war vergessen. Racing Point holte nach einer Energieleistung 40 WM-Punkte und ist ein Rennen vor Saisonende wieder zurück auf dem dritten Platz im Konstrukteurs-Pokal – zehn Punkte vor McLaren. Teamchef Otmar Szafnauer dankte nach seiner Mannschaft zuhause in Silverstone. "Wir hatten nach den Schäden der Vorwoche nicht genug Ersatzteile. Die mussten erst einmal eingeflogen werden", sprach der US-Amerikaner in die TV-Mikrofone.

Sergio Perez - Racing Point - GP Sakhir 2020 - Bahrain - Rennen
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Sergio Perez fuhr ein fehlerloses Rennen. Er war hinter den Mercedes der zweitschnellste Mann im Feld.

Perez: kein geschenkter Sieg

Sergio Perez wollte gar nicht mehr vom Podest. Der 30-Jährige saugte den Glücksmoment ähnlich auf wie Pierre Gasly nach seinem Premierensieg in Monza. Damals teilte sich der Franzose das Podest mit Carlos Sainz und Lance Stroll. Perez stand auf der obersten Stufe mit Esteban Ocon und dem Teamkollegen an seiner Seite. Der Grand Prix von Sakhir war ein ähnlich verrücktes Rennen wie in Italien. Wieder stolperte Mercedes über Boxenstopps. Wieder gab es einen Überraschungssieger.

Perez wollte aber nicht von einem geschenkten Sieg sprechen. "Ich verdiene ihn mir. Ich hätte George in der Schlussphase hinter mir gehalten", sagte ein selbstsicherer Pilot. "Er hatte zwar die frischeren Reifen, war aber nur zwei bis vier Zehntel schneller als ich. Auf dieser Strecke musst du aber acht Zehntel schneller sein, um wirklich überholen zu können. Ich hatte noch genug Saft in den Reifen, um ihn aufzuhalten." Ein Zweikampf blieb uns verwehrt. Ein schleichender Plattfuß zwang den Mercedes-Aushilfsfahrer ein viertes Mal zum Boxenstopp. Der Weg war frei für den Routinier im Racing Point.

Dieser Erfolg kam trotzdem wie aus dem Nichts. Racing Point hatte über die Distanz zwar das zweitschnellste Auto, doch Perez hätte schon nach vier Kurven raus sein können. Charles Leclerc traf ihn bei einem ungestümen Überholversuch am rechten Hinterreifen. Perez kreiselte vor den Red Bull von Max Verstappen, der auswich und dabei selbst in der Bande landete. Während die Streckenposten den Red Bull und den Ferrari abschleppten, rettete sich Perez an die Box zu einem ersten Reifenwechsel. Sein Team legte den weichen Reifen ab und steckte auf die Mediums um, die der Reifenstreichler aus Guadalajara bis zur 47. Runde an seinem Auto trug.

Bremsplatten hinter Safety Car

Der 30-Jährige hatte Glück, dass die Rennleitung ein Safety Car ausrief. Damit war der Anschluss an das Feld hergestellt. Auf dem Weg dahin ruinierte sich Perez fast den Reifensatz. Er handelte sich einen Bremsplatten ein, weil er zu aggressiv versuchte, die Mediumreifen anzuzünden. Der linke Vorderreifen eierte. "Die Vibrationen waren ziemlich schlimm. So schlimm, dass ich das Lenkrad kaum gerade halten konnte. Die Pace war trotzdem gut." Racing Point dachte nicht daran, früh ein zweites Mal die Reifen zu wechseln. Sonst wäre das Rennen für Perez wirklich gelaufen gewesen.

Der Mexikaner humpelte zeitweise über den Kurs, ließ aber trotzdem acht Gegner stehen. Nach 30 Runden war er bereits wieder Fünfter. Dort, wo er gestartet war. Nach den Boxenstopps von Ocon und Stroll belegte Perez den dritten Platz hinter den Mercedes. Auf seinem Weg zum Sieg ließ er auch Alexander Albon im Red Bull stehen. Es war die nächste Bewerbung von Perez, ihm statt des Thailänders den Sitz 2021 neben Verstappen zu geben.

Dem 46 Runden langen Stint auf den Mediumreifen folgte ein 40 Runden langer auf der harten Mischung bis ins Ziel. Perez fühlte sofort, dass sein Racing Point auf den neuen Reifen noch mehr flog als ohnehin schon. "Das Auto fühlte sich komfortabel wie eine Limousine an." Er schnappte sich in den Runden 56 und 57 erst den Teamkollegen, dann Ocon im Renault. Sieben Runden später führte er nach den Boxenpannen bei Mercedes den 16. WM-Lauf des Jahres an. Und vollstrecke die Steilvorlage eiskalt zum Sieg.

Sergio Perez - Racing Point - GP Sakhir 2020 - Bahrain - Rennen
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Der Sieg ist eine Genugtuung für Perez: Für 2021 hat er noch kein Cockpit.

Strategen machen alles richtig

Mit seinen zehn Überholmanövern verdiente sich Perez den Premierenerfolg. Auch wenn es eigentlich der des tragischen Helds George Russell gewesen wäre. Perez exekutierte eine kluge Strategie nach einer verkorksten Startrunde. Diesmal machten die Strategen am Racing Point-Kommandostand alles richtig. Das war in dieser Saison schon mehrmals nicht der Fall. Sonst wäre Perez nicht zwei, sondern vier Mal auf dem Podest gestanden. "Wir haben aus Imola gelernt. Als das Safety Car rauskam, blieben wir auf der Strecke. Die Position war wichtiger als ein frischer Reifensatz", erklärte der Sieger.

In seinem 190. Grand Prix ist Perez endlich am Ziel. "Es fühlt sich wie ein Traum an. Hoffentlich ist es keiner.Ich habe zehn Jahre auf diesen Sieg hingearbeitet." Jetzt hat er sein zehntes Podest, das ihm in der Vorwoche noch die Technik verwehrt hatte. Garniert mit dem ersten Sieg. "Das Rennen lief wegen der späten Startzeit um 11 Uhr vormittags in Mexiko. Ich glaube, die Hälfte meiner Landsleute trinkt einen Tequila auf mich", scherzte der Racing Point-Pilot.

Es wäre schon tragisch, wenn einer der zuverlässigsten und konstantesten Piloten im Feld ohne Cockpit für nächstes Jahr ausgehen würde. Perez will zu Red Bull. Doch dort fällt die Entscheidung erst nach dem Finale in Abu Dhabi. Plan B ist eine Auszeit. Plan C ein Job als Testfahrer bei einem Topteam. Vermutlich bei Mercedes. "Ich will 2021 hier sein. Wenn das nicht klappt, bin ich so angefixt, 2022 wieder mitzufahren. Ein Sabbatical wäre kein Beinbruch. Die Regeln ändern sich 2022 so dramatisch, dass es für alle ein Neustart wird. Ich werde schnell wieder zu meinem Speed finden." Und dann schiebt Perez hinterher. "Ich habe jetzt schon gute Angebote für übernächstes Jahr."

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