Lewis Hamilton - GP Belgien 2021 xpb
Impressionen - Formel 1 - GP Belgien - 29. August 2021
Sergio Perez - Red Bull - Formel 1 - GP Belgien - 29. August 2021
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Setup GP Belgien: Regen bestraft Mercedes

Setup-Pech beim GP Belgien Regen bestraft Mercedes

Die Entscheidung für den GP Belgien fiel schon am Samstag. Wer sein Auto wie Mercedes oder Alpine mehr Richtung Top-Speed abgestimmt hatte, bekam am Sonntag keine Chance mehr, davon zu profitieren.

Wir werden nie erfahren, wer in Spa auf das richtige Pferd gesetzt hatte. Die Startaufstellung war eine Momentaufnahme im Regen. Und da profitierten die Teams, die ihre Autos eine Spur mehr Richtung Abtrieb abgestimmt hatten. Das macht man in Spa eigentlich ziemlich ungern, weil im Rennen der Top-Speed wichtiger ist. Selbst wenn es am Samstag regnet, tendieren die Ingenieure eher zu weniger Abtrieb.

Das Opfer ist in beide Richtungen in Bezug auf die nackte Rundenzeit etwa gleich. Wer mit wenig Abtrieb im Regen fährt, verliert im Vergleich zu einem größeren Heckflügel am Auto zwei Zehntel. Setzt man einen größeren Flügel ein, und es ist im Rennen plötzlich trocken, büßt man auch zwei Zehntel ein. Und trotzdem ist der Preis höher. Weil man dann auf den Geraden verwundbar ist.

Mercedes und Red Bull haben sich über das Wochenende gegenseitig belauert. Red Bull hatte zwar den Baku-Flügel am Auto, der aber mit dem Spa-Setup wegen der starken Anstellung mehr Abtrieb bringt.

Valtteri Bottas - GP Belgien 2021
Wilhelm

Gurney in letzter Minute

Mercedes probierte am Freitag drei Flügelvarianten aus und entschied sich für die mittlere. Die Flügelniveaus schwankten zwischen Silverstone und Baku. "Am Ende waren wir mit weniger Anpressdruck unterwegs als Red Bull", bilanzierte Teamchef Toto Wolff.

Das zeigten auch die Sektorzeiten. Der erste Abschnitt mit seinem 23 Sekunden langen Vollgasstück gehörte Mercedes, der zweite Red Bull. Der dritte war nahezu ausgeglichen. Da kann man in der Schikane noch etwas gutmachen, was man auf dem Stück zwischen Stavelot und Blanchimont verliert.

Als sich abzeichnete, dass es die gesamte Qualifikation durch nass bleiben würde und auch die Aussichten für Sonntag nicht rosiger waren, baute Mercedes in letzter Minute noch einen Gurney auf den Heckflügel. Red Bull in der Garage nebenan machte das gleiche. Somit neutralisierten sich die WM-Kandidaten in ihrer Korrektur. Für den Regen am Samstag war Red Bull also besser gerüstet.

"Wir hoffen, dass wir von unserer Flügelwahl morgen im Rennen profitieren", sagte Hamilton nach seinem dritten Platz in der Qualifikation. Da konnte er noch nicht ahnen, dass es kein Rennen geben würde. Unter dem Strich hat die Flügelwahl fünf Punkte gekostet.

Das Aufsetzen eines Gurney-Flaps hatte nur minimale Konsequenzen. "Der kostet ungefähr einen km/h im Top-Speed", erklärten die Mercedes-Ingenieure. Der Abtriebsgewinn ist dagegen kaum messbar. "Er bringt hauptsächlich deshalb etwas, weil die Fahrer mehr Vertrauen in ihr Auto haben."

Max Verstappen - GP Belgien 2021
Wilhelm
Red Bull setzte am Ende auf etwas mehr Abtrieb und damit auch mehr Luftwiderstand, was Verstappen im Qualifying zur Pole Position half.

Sache des Vertrauens

Vertrauen war am Samstag der Schlüssel zu einer guten Startposition, die sich am Sonntag dann als Rennresultat herausstellte. Max Verstappen und George Russell hatten es, die Ferrari-Piloten nicht, und Lando Norris hatte zu viel davon. Nach zwei Bestzeiten im Q1 und Q2 ging der McLaren-Pilot zu sehr ins Risiko.

Innerhalb der Teams gab es zum Teil eklatante Unterschiede. Was bei gleicher Abstimmung nur mit der Reifentemperatur zu erklären war. Lewis Hamilton war um 2,5 Sekunden schneller als Valtteri Bottas. Der Finne klagte, dass seine Reifen in der Runde zwischen den beiden Q3-Versuchen zu stark ausgekühlt sind.

Hamilton hatte zwar auch eine zu langsame Vorbereitungsrunde, doch der Weltmeister ging die entscheidende Runde aggressiver an. "Lewis ist mit mehr Dampf durch Eau Rouge. Das hat den Unterschied ausgemacht", erzählte man bei Mercedes.

Bei Alpine ergab sich ein ähnliches Bild. Esteban Ocon war im Q2 um neun Zehntel schneller als Fernando Alonso. "Ich habe bei den wechselnden Bedingungen nie den nötigen Grip gefunden", klagte der Spanier. Seine goldene Serie ist damit gerissen. Als Elfter schrammte er knapp an dem halben Punkt für Platz 10 vorbei.

George Russells zweiter Startplatz war sicher eine Sensation, ist aber nur noch halb so überraschend, wenn man die Umstände kennt. Es passten einfach alle Parameter. "Er hatte die richtige Linie, das richtige Setup und das richtige Timing", lobte sein Mentor Toto Wolff.

George Russell - Williams - Formel 1 - GP Belgien - 28. August 2021
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Russell hatte im entscheidenden Moment im Qualifying Glück mit dem Timing. Der Youngster bewies aber auch Nervenstärke.

Bei Russell stimmten alle Parameter

Der Williams des Engländers war auf viel Abtrieb getrimmt. Russell fuhr aus Zeitnot zwei schnelle Runden am Stück, die erste mit minimaler Elektrokraft um zum Schluss noch einmal eine volle Batterie zu haben. Die aggressive Vorbereitungsrunde brachte die Reifen ins Fenster. "Das hat mir das Vertrauen gegeben, überall ans Limit zu gehen", erzählte der Williams-Pilot.

Daniel Ricciardo steigerte sich aus den gleichen Gründen plötzlich um 3,2 Sekunden. Der Australier musste in der Abkühlrunde Gas geben, um vor Ablauf der Zeit über die Linie zu kommen. McLaren hatte im Vergleich zu WM-Gegner Ferrari auf relativ viel Abtrieb gesetzt. Ferrari wollte sein Leistungsmanko mit weniger Flügel kompensieren, bezahlte dann aber im Regen. Der Sonntag wäre bei dem Regen nicht besser gelungen.

Auch Alfa Romeo hatte aufs falsche Pferd gesetzt. Bei Kimi Räikkönen wurde noch vor dem Rennen der Heckflügel getauscht. Der Finne hätte damit aus der Boxengasse starten müssen. Das mussten am Ende alle anderen auch. Und es hat trotzdem nichts genützt.

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