Hamilton - Verstappen -GP Brasilien 2021 - Rennen Motorsport Images
Max Verstappen - Lewis Hamilton - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen
Max Verstappen - Lewis Hamilton - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen
Lewis Hamilton - Mercedes - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen
Max Verstappen - Red Bull - GP Brasilien 2021 - Sao Paulo - Rennen 59 Bilder

Sieg & Geldstrafe für Hamilton: Verstappen hart

Sieg und Geldstrafe für Hamilton Verstappen-Verteidigung erregt Gemüter

Es sprach alles gegen Mercedes. Und trotzdem holten das Team und sein Superstar mehr Punkte als Red Bull und Max Verstappen. Lewis Hamilton richtete es mit der zweiten Aufholjagd des Wochenendes. Nach dem Rennen wurde über ein Verteidigungsmanöver von Max Verstappen kontrovers diskutiert.

Dieses Rennwochenende in Brasilien war reich an Kontroversen und an Wendungen. Der Motorwechsel vor dem ersten Training, der Lewis Hamilton am Rennsonntag in der Startaufstellung fünf Plätze kostete. Disqualifikation nach der Qualifikation, weil sich das DRS um ein Haar zu weit öffnet. Vermutlich wegen zwei losen Befestigungsschrauben am Heckflügel. Deshalb wurde der Weltmeister ans Ende des Feldes strafversetzt.

Es folgte eine furiose Aufholjagd am Samstag im Sprint, die ihn bis auf den fünften Platz vorbrachte. Hamilton überholte dabei neun Rivalen nach der Startrunde. Am Rennsonntag von Brasilien knackte der Titelverteidiger nach einer gelungenen Startrunde, die ihn von Platz zehn auf Platz sieben führte, noch weitere sechs Rivalen. Das bringt ihm den sechsten Saisonsieg.

Bottas - Hamilton - Verstappen - GP Brasilien 2021 - Rennen
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Mercedes machte trotz zweier Strafen mehr Punkte als Red Bull.

Red Bull trotz Vorsprung im Nachteil

Nach zwei Strafen gegen sich war eigentlich Mercedes auf Schadensbegrenzung aus. Hinterher sprach Red Bull nach den Positionen zwei und vier mit Max Verstappen und Sergio Perez davon. "Ich hatte es erwartet, nachdem, was Mercedes am Freitag und am Samstag aufgeführt hat", erzählte Red Bulls Teamchef Christian Horner. "Sie waren einfach superschnell. Besonders auf den Geraden."

So machte Mercedes als Team trotz der schlechten Ausgangsposition am Ende zehn Punkte mehr als der Rivale. Hamilton verringerte den Abstand in der Weltmeisterschaft von zuvor 19 auf nun 14 Punkte. Im Lager von Red Bull ist man nach dem Brasilien-Rennwochenende trotz  Vorsprung pessimistisch gestimmt. Der Mercedes-Topspeed-Vorteil umtreibt den Herausforderer. "Es gibt nicht zwei Raketen, sondern eine. Nur der Hamilton hat auf den Geraden so einen unglaublichen Überschuss", führt Sportchef Helmut Marko aus. "Ich sehe uns trotz des Vorsprungs im Nachteil, wenn Hamilton diesen Motorenvorteil beibehält." Weil noch drei Strecken mit langen Geraden kommen.

Das Speed-Delta zwischen Verstappen und Hamilton lag im Rennen von Brasilien am Messpunkt am Ende der Zielgeraden bei 15,2 km/h. Red Bull erklärt sich den Vorteil des Mercedes so. Erstens habe Hamilton durch den frischen fünften Motor zusätzliche Leistung gewonnen. Zweitens senke Mercedes seine Hinterachse weiterhin extrem auf den Geraden ab. Drittens steht im Verdacht, dass sich das Heckflügelhauptblatt bei einer Geschwindigkeit ab 260 km/h nach unten verbiegt. Das öffnet die Spalte zwischen Hauptblatt und Flap und senkt den Luftwiderstand. Auf einen Protest verzichtete man. Mercedes hätte auch keine Angst davor. "Sie können unseren Flügel gerne in tausend Teile zerlegen. Sie werden nichts finden."

Geldbuße für offenen Gurt

Die zwei WM-Rivalen wurden jeweils zur Kasse gebeten. Verstappen belegten die Sportkommissare mit 50.000 Euro, weil er im Parc fermé den Heckflügel von Hamiltons Mercedes an zwei Stellen anlangte. Der Weltmeister, weil er sich nach dem zweiten Husarenritt des Wochenendes nach Zieldurchfahrt ausschnallte. Hamilton absolvierte noch seine Auslaufrunde. Er habe gegen Anhang L, Kapitel III, Artikel 4 des Internationalen Sport-Kodex verstoßen. Dafür brummte man ihm eine Geldstrafe von 5.000 Euro und 20.000 Euro zur Bewährung auf. Sie verfällt Ende 2022. Ein Nasenwasser für die Großverdiener des Sports.

Mercedes wittert eine Verschwörung gegen sich. Noch immer stößt es dem Seriensieger sauer auf, dass man nach der Qualifikation disqualifiziert wurde. "Warum darf Red Bull in drei aufeinanderfolgenden Rennen sein Auto jeweils unter Parc fermé reparieren, und wir nach der Quali nicht?" Red Bull hatte am Auto von Max Verstappen zwischen Qualifikation und Sprintrennen den Heckflügel-Flap gewechsel, weil er beschädigt war. Es gibt da einen feinen Unterschied. Am Flügel von Red Bull wurde nichts festgestellt, was gegen die Regeln verstößt, am Mercedes schon.

Weiterhin wird im Lager des Weltmeisters darüber gesprochen, dass die Entscheidungen mit zweierlei Maß getroffen werden. Im Rennen regte sich Mercedes über das Verteidigungsmanöver von Verstappen gegen Hamilton in der 48. Runde auf. "Lewis hat den Kontakt vermieden. Das war über der Grenze von Max. Eine Strafe von fünf Sekunden wäre angebracht gewesen. Es unter den Teppich zu kehren, ist einfach lächerlich", meinte Teamchef Toto Wolff.

Und weiter: "In den Event Notes aus der Rennleitung heißt es, dass man einen anderen Fahrer nicht von der Strecke drücken darf. Die FIA ist in der Auslegung der Regeln einfach nicht konsistent. Wenn sie die Notes schreddern, ist das für uns auch in Ordnung, und wir einfach hart gegeneinander fahren." Mit einer Fünfsekundenstrafe wäre Verstappen jedenfalls Dritter und nicht Zweiter geworden.

Hamilton - Verstappen -GP Brasilien 2021 - Rennen
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Verstappen und Hamilton lieferten sich ein beinhartes Duell.

Red Bull anderer Meinung

Red Bull konterte. Naturgemäß ist der Rivale einer ganz anderen Meinung. "Fahren wir Rennen oder sind wir im Kindergarten?", fragte Marko. Teamchef Christian Horner attestierte: "Das sind zwei Jungs, die hart gegeneinander fahren. Ihre Räder haben sich aber nicht berührt. Sie fahren um die Weltmeisterschaft. Da wäre eine Strafe wirklich nicht angebracht, wenn es nicht zur Kollision kommt."

Ein Teammanager ist da ganz anderer Meinung: "Verstappen gehört mit fünf Sekunden bestraft. Da hat Toto recht. Man sieht in den Aufnahmen ganz genau, dass er die Lenkung noch einmal bewusst aufmacht, um Lewis abzudrängen." Verstappen wehrte sich mit Händen und Füßen gegen den mit Überschuss heranstürmenden Mercedes. Mitte der Gegengerade zog Hamilton links daneben.

Am Bremspunkt lag er rund eine Dreiviertel-Wagenlänge vor dem Red Bull. Doch Verstappen machte, was er so oft in dieser Saison tat, wenn er auf der Innenspur war. Er hielt maximal dagegen und hielt rein. Beide segelten in die Auslaufzone. Die Rennleitung notierte den Fall, eine echte Untersuchung gab es allerdings nicht. Erst später verwarnten sie den WM-Führenden, weil er Schlangenlinien zur Verteidigung fuhr.

Verstappen "leichte Beute"

Wie sehen die beiden Protangonisten die Szene in Runde 48. Zuerst der Pilot, der sich verteidigte. "Wir wollten beide in der Kurve vorne sein. Ich habe etwas später gebremst, um meine Position zu halten. Aber meine Reifen waren schon ein bisschen abgenutzt. Sie waren am Limit mit dem Grip. Deshalb habe ich den Scheitelpunkt verpasst. Ich bin natürlich glücklich über die Entscheidung der Kommissare, uns fahren zu lassen", sagte Verstappen.

Hamilton sieht es so: "In der Hitze des Gefechts kann das mal passieren. Ich muss es mir später noch einmal genau anschauen. Ich war anfangs jedenfalls vorn, dann ist er reingestochen. Das war ein harter Zweikampf. Immerhin haben wir uns nicht berührt." Wie so oft hat er mehr nachgegeben als sein Rivale um den Titel.

Im 59. Umlauf konnte sich Verstappen nicht mehr wehren. Da hatte sich Hamilton den Rivalen im Senna-S besser zurechtgelegt, war näher an ihm dran, um schon vor Kurve vier vor ihm einzuscheren. "Ich war leichte Beute", urteilte Verstappen. Sein Problem: Um wenigstens eine halbe Chance zu haben, musste er im kurvenreichen Mittelabschnitt die harten Reifen stark beanspruchen. Damit er dort den Abstand möglichst vergrößert. Irgendwann zahlt man dafür aber Tribut.

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