So wird Red Bull 2018 Weltmeister

20 bis 30 PS kann ein gutes Auto ausgleichen

Max Verstappen - Red Bull - Formel 1 Foto: xpb 61 Bilder

Max Verstappen ist der Mann der Stunde. Der Holländer gewann zwei der letzten vier Rennen. In diesem Jahr reicht es nicht mehr für die drei Topplätze in der WM. 2018 will Verstappen Weltmeister werden. Selbst mit einem Motor, der 20 bis 30 PS weniger Leistung hätte.

Die Saison, die für Max Verstappen mit so vielen Enttäuschungen begonnen hat, wendet sich am Saisonende zum Guten. Der 20-jährige Holländer ist der Mann der Stunde. Verstappen holte aus den letzten vier Rennen zwei Siege und 80 Punkte. Da kann nicht einmal Weltmeister Lewis Hamilton mithalten. Der Engländer hat auch zwei Rennen gewonnen, aber nur 70 Zähler gesammelt. So soll es nach Verstappens Geschmack nächstes Jahr weitergehen: „Wenn ich 2018 mit Lewis kämpfen kann, dann fahre ich automatisch auch um den Titel mit.“

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Die Wende brachte ein unsichtbares Upgrade im mechanischen Bereich am Red Bull RB13 in Malaysia. Seitdem hat Red Bull auf praktisch allen Strecken ein Siegerauto. Verstappen beschreibt es so: „Wir haben noch nicht das beste Paket, aber das beste Auto. Das ist mir wichtiger, weil es ausreicht, um damit Rennen zu gewinnen. Selbst wenn uns ein paar PS zu unseren Gegnern fehlen.“ Das macht Hoffnung auf mehr. Wenn Renault sich 2018 mit der Standfestigkeit stabilisiert und die Lücke zu Mercedes und Ferrari noch ein bisschen schließt, dann ist Verstappen ein heißer Titelkandidat. „20 bis 30 PS kannst du mit dem besten Chassis ausgleichen“, glaubt der dreifache GP-Sieger und schiebt nach: „Das hat Red Bull in den Jahren gezeigt, wo sie vier Titel gewonnen haben.“

Verstappen will „die Gegner in Fehler treiben“

Es ist zwar nur eine hypothetische Frage, aber es wäre trotzdem interessant, die Antwort zu kennen. Wäre Red Bull im Winter nicht von den Windkanaldaten in die Irre geführt worden und hätten die Fahrer von Saisonbeginn das Auto gehabt, das sie seit dem GP Malaysia haben, wäre dann das Titelrennen ein Drei- oder Vierkampf geworden? Mit den beiden Red Bull-Piloten? Verstappen überlegt ein bisschen, bevor er sagt: „Ja und nein. Ja, weil wir dann theoretisch überall eine Siegchance gehabt hätten. Nein, weil wir wegen unserer Qualifikationsschwäche auf bestimmten Strecken hinter unseren Konkurrenten angestanden wären. Wir hätten sie dann wie zuletzt im Zweikampf in Fehler hetzen müssen. Es ist aber schwer zu sagen, ob das immer gelungen wäre.“

Max Verstappen - Christian Horner - Helmut Marko - Red Bull -  GP Mexiko 2017 Helmut Marko optimistisch nach Sieg "Sehe uns 2018 im Titelkampf"

Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko führt auch noch die sieben Ausfälle ins Feld, die auf die Bilanz gedrückt hätten: „Das ist zu viel. So kannst du nicht Weltmeister werden.“ Das Pech, das Verstappen in der ersten Saisonhälfte hatte, ist jetzt auf Daniel Ricciardo übergesprungen. In den letzten beiden Rennen sah der Australier keine Zielflagge. Und wahrscheinlich wird er auch beim GP Brasilien von einem zweistelligen Startplatz aus ins Rennen gehen. Nach dem Defekt an der MGU-H in Mexiko droht ein weiterer Motorwechsel. „Wir könnten es mit alten Teilen versuchen, aber das Risiko ist wahrscheinlich zu groß. Wenn meine Ankunftschance bei 10 Prozent liegt, nehme ich freiwillig eine Motorstrafe. Bei 50/50 würde ich es riskieren.“

Ricciardo: „Ich habe mir diesen Sport ausgesucht“

Ricciardo hat zwar immer noch 44 Punkte mehr als Verstappen auf dem Konto, doch das Trainingsduell steht ziemlich eindeutig bei 12:6 für den Holländer. Ricciardo weiß, dass er nachlegen muss: „Ich habe das Duell gegen Max in den letzten zwei Jahren ziemlich ausgeglichen gestaltet, aber zuletzt ist er immer stärker geworden. Wenn ich wie in Mexiko in der Qualifikation die Reifen nicht in ihr Fenster bringe, muss ich mich auch an meine eigene Nase greifen. Das Reifenfenster ist schwerer zu treffen als letztes Jahr, aber das darf keine Ausrede sein. Dann muss ich eben meinen Fahrstil anpassen. Wir wissen jetzt immerhin, was wir in Mexiko falsch gemacht haben.“

Dass er ausgerechnet jetzt das Technikpech seines Teamkollegen geerbt hat, wo das Auto gewinnen kann, sieht Ricciardo nicht als eine böse Laune des Schicksals: „Dein Anteil an Glück und Pech verläuft immer in Wellenbewegungen. Es ist, wie es ist. Und es bringt nichts zu jammern. In der ersten Saisonhälfte habe ich dankbar jede Chance angenommen, die sich mir geboten hat. Das hat zu einem Sieg in Baku und acht Podiums geführt. Ich habe mir diesen Sport ausgesucht und darf jetzt nicht über seine Eigenheiten klagen.“ Wenn der Teamkollege gewinnt und man selbst nach fünf Runden ausscheidet, sei das zwar die Höchststrafe, lässt Ricciardo durchblicken, doch andererseits freut er sich auch mit dem Sieg des Stallrivalen mit: „Weil er mir zeigt, dass ich in einem Auto sitze, mit dem man gewinnen kann.“

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