Formel 1-Speedvergleich 2014-2015

Autos um eine halbe Sekunde schneller

Sebastian Vettel - GP Abu Dhabi 2015 Foto: xpb 11 Bilder

Die Regeln blieben im Winter 2014/2015 weitgehend stabil. Pirelli brachte zwar zu vielen Rennen weichere Mischungen mit, die aber insgesamt härter waren. Also Gleichstand auch hier. Trotzdem ist die Formel 1 schneller geworden. Im Training um 0,519 und im Rennen um 0,350 Sekunden.

Das zweite Hybrid-Jahr der Formel 1 ist gelaufen. Die Motoren sind ein bisschen lauter und auch ein bisschen stärker geworden. Die Autos dank der geänderten Nasen-Regel schöner. Doch wurden sie auch schneller? Das zeigt nur ein Vergleich der Trainingsbestzeiten und schnellsten Rennrunden von 2014 zu heute.

Stabile Regeln erlauben fairen Vergleich

Für einen fairen Vergleich braucht man stabile Regeln. Das war in diesem Jahr der Fall. Die neuen Bestimmungen für die Fahrzeugnase kosteten auf dem Papier zwar 10 Prozent Abtrieb, doch die Konstrukteure hatten das mit ihren neuen Autos praktisch schon wieder wettgemacht. Dafür lieferte Pirelli eine neue Hinterreifen-Konstruktion, die wegen einer vergrößerten Auflagefläche eine bessere Traktion erlaubte. Das Mindestgewicht stieg von 692 auf 701 Kilogramm. Im Ausgleich durften die Motoren mit variablen Ansaugtrichtern versehen werden. Resultat: bessere Fahrbarkeit.

Auch bei den Reifenmischungen wog die eine Maßnahme die andere auf. Pirelli stellte auf vielen Strecken weichere Gummimischungen zur Wahl. Doch die vier Reifentypen wurden auch härter. Dazu kam, dass Pirelli ab dem GP Italien höhere Luftdrücke und geringere Radsturzwerte einforderte, die aufs Tempo drückten.

Singapur mit dem größten Speedgewinn

Bevor wir zum Ergebnis des Speedvergleichs kommen, noch eine Einschränkung. In sechs der 18 Fälle verhinderte das Wetter eine Aussage. 2014 regnete es fünf Mal in der Qualifikation. In diesem Jahr nur zwei Mal. Wobei sich Malaysia überschnitt. Im Rennen war das Wetter gnädiger. Nur der Vergleich in Japan entfällt. Im letzten Jahr behinderte ein Taifun den Grand Prix.

Ein Vergleich des Rennschnitts ist wegen der unterschiedlichen Safety Car-Einsätze nur in fünf Fällen möglich. Erstaunliche Erkenntnis: In drei der fünf Rennen war die Formel 1 im Jahr 2014 schneller am Ziel.

Doch jetzt zu den relevanten Zahlen. Um es kurz zu machen. Die Formel 1 wurde im Vergleich von 12 Trainingsbestzeiten im Schnitt um 0,519 Sekunden schneller. Die größte Differenz ergab sich mit 1,696 Sekunden zugunsten von 2015 in Singapur. Was auch an einer etwas flüssigeren Schikane vor der Anderson Bridge lag. Andererseits legte Mercedes auf sich selbst sehr viel weniger zu. Nur knapp drei Zehntel.

Zwei Rennstrecken stemmten sich gegen den Fortschritt. Interlagos war mit 1,259 Sekunden langsameren Rundenzeiten bei der 2015er Ausgabe besonders krass. Es lag an einer Strecke, die ein Jahr lang nicht benutzt und obendrein in vier Kurven mit aggressiven Randsteinen bestückt worden war.

Die 17 Vergleiche der schnellsten Rennrunden gingen mit durchschnittlich 0,350 Sekunden besseren Rundenzeiten an die 2015er Autos. 13 Mal wurde die Vorjahreszeit unterboten. Am meisten in Melbourne (1,533 s), Montreal (1,517 s) und in Monza (1,332 s). Bei vier Grand Prix wurde 2014 schneller gefahren. Shanghai, Spa, Interlagos und Abu Dhabi lagen unter den 2015er Werten.

Formel 1 gewinnt auf Gerade und beim Beschleunigen

Was lernen wir aus den Zahlen? Die Formel 1 wurde hauptsächlich dort schneller, wo es viel Stop and Go gibt. Die Gründe liegen auf der Hand. Effizientere Motoren haben in 13 von 18 Fällen die Topspeeds ansteigen lassen. In Australien und Russland um über 11 km/h. Die Fahrzeugingenieure haben viel an der Bremsstabilität und Traktion gearbeitet. Dort war die meiste Rundenzeit zu erwarten. Drehmoment ist im Überfluss vorhanden. Wer es am besten auf die Straße bringt, macht die meiste Zeit gut.

In den schnellen Kurven hat sich nicht viel getan. Da hat die neue Nasen-Regel offenbar dazu geführt, dass der sonst übliche Abtriebszuwachs eingedämmt wurde. So ist es auch zu erklären, dass auf Rennstrecken mit flüssigen Kurvenfolgen die Verbesserung der Rundenzeit am geringsten ausfiel oder gar nicht eintrat. Auch für das Stagnieren der Gesamtzeiten im Rennen gibt es eine Erklärung. Der 2015er Pirelli-Reifen erlaubte im Neuzustand zwar eine schnellere Rundenzeit, aber nicht auf Dauer.

Der Speedvergleich der Formel 1

Pole 2014 Pole 2015 schn. Rennrunde 2014 schn. Rennrunde 2015
Australien Regen - 1.32,478 1.30,945
Malaysia Regen Regen 1.43,066 1.42,062
China Regen - 1.40,402 1.42,208
Bahrain 1.33,185 1.32,571 1.37,020 1.36,311
Spanien 1.25,232 1.24,681 1.28,918 1.28,270
Monaco 1.15,969 1.15,098 1.18,479 1.18,063
Kanada 1.14,874 1.14,393 1.18,504 1.16,987
Österreich 1.08,759 1.08,455 1.12,142 1.11,235
England Regen - 1.37,176 1.37,093
Ungarn 1.22,715 1.22,020 1.25,724 1.24,827
Belgien Regen - 1.50,511 1.52,416
Italien 1.24,109 1.23,397 1.28,004 1.26,672
Singapur 1.45,581 1.43,885 1.50,417 1.50,041
Japan 1.32,506 1.32,584 Regen -
Russland 1.38,513 1.37,113 1.40,896 1.40,071
USA - Regen 1.41,379 1.40,666
Brasilien 1.10,023 1.11,282 1.13,555 1.14,832
Abu Dhabi 1.40,480 1.40,237 1.44,496 1.44,517
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