Rennautos und ihre Spitznamen

Gelber Teekessel, rote Sau, Tausendfüßer

Porsche 917/20 Coupé - Rennwagen - Spitzname "Rosa Sau" Foto: sutton-images.com 33 Bilder

Jedes Rennauto hat eine eigene Typenbezeichnung. Viele bekamen dazu noch einprägsame Spitznamen verpasst. Weil sie erfolgreich waren, floppten oder einfach nur ungewöhnlich aussahen. Hier eine Auswahl an ausgefallenen Kosenamen.

Der gelbe Teekessel, die weißen Elefanten, der Tausendfüßer, die rosa Sau und der weiße Wal: Das klingt nach britischer Teekultur und einem Exkurs in die Tierwelt. Tatsächlich könnte man aber auch von einem Ausflug in die Historie des Motorsports sprechen. Die Fachkundigen wissen, dass es sich um die Spitznamen von Rennautos handelt.

Der Schneepflug aus Maranello

Die Fachpresse und die Konkurrenz verspottete das erste Formel 1-Auto mit Turboantrieb, den Renault RS01, als gelben Teekessel. Weil der Rennwagen so schön dampfte, wenn mal wieder ein Defekt den aufgeladenen 1,5-Liter-V6 heimgesucht hatte. Weiße Elefanten: Das waren die Mercedes-Rennautos vor den berühmten Silberpfeilen. Angefangen mit dem rund 180 PS starken Typ S, der die Kraft aus einem 6,8-Liter-Kompressormotor schöpfte.

Als Tausendfüßer ging der Tyrrell P34 mit seinen vier kleinen Vorderreifen und den zwei Hinterrädern in die Formel 1-Geschichte ein. Die rosa Sau ist einer der berühmtesten Porsche überhaupt. Obwohl der Porsche 917/20 in Le Mans 1971 ausschied. Und der Chaparral 2H, genannt weißer Wal, gehört mit seiner Form ins Kuriositätenkabinett des Motorsports.

Williams-BMW FW26 - Baujahr 2004 - Formel 1 - Rennwagen - BMW Depot Foto: Uwe Fischer / BMW
Die ungewöhnliche Nase brachte dem Williams FW26 aus dem Jahr 2004 den Spitznamen Walross ein.

Die meisten Spitznamen für die Rennautos stammen aus der Tierwelt. Weitere Beispiele sind der Ferrari 156 (Haifischmaul), Williams FW26 (Walross) und McLaren MP4-18 (Delfin). Zu ihren Kosenamen kommen die Rennwagen, weil sie entweder besonders erfolgreich waren, eine auffällige Lackierung und Verkleidung trugen, oder ein Techniktrick glückte oder floppte. Manche unter ihnen bestritten nicht ein Rennen. Wie zum Beispiel der MP4-18, der zwar schnell, aber chronisch unzuverlässig war. Und deshalb nie über Testfahrten hinauskam. Oder der Ferrari 312B3 aus dem Jahr 1972 mit seiner Frontpartie, die die italienischen Journalisten dazu trieb, das Auto als „spazzaneve“ – zu Deutsch „Schneepflug“ – zu verspotten. Erst mit einer konventionellen Lösung tauchte der 312B3 bei Grand Prix auf.

Allein schon aus Ehrfurcht vor dem Vierzylinder mit über 28 Liter Hubraum gehört der Fiat S76 aus dem Jahr 1911 in diese Geschichte. Man nannte ihn liebevoll „das Monster oder Biest von Turin“. In unserer Fotoshow zeigen wir Ihnen eine Auswahl an Rennautos mit bekannten Spitznamen. Wir verzichten auf Kosenamen wie sie so mancher Fahrer verteilt. Wie etwa Sebastian Vettel, der seine Autos gern mal Eva, Margherita oder Gina tauft.

Neuester Kommentar

Ich erinnere mich noch an den Porsche 911 RSR, den Manthey 2011 bei der VLN auf die Strasse brachte. Der Wagen war einer von 20 RSR aus Zuffenhausen mit zusätzlicher Verbreiterung, einiges an Carbon Teilen und einem stärkeren Motor, der allerdings nach verkürzten Wartungsintervallen verlangte.
Leider fruchtete die 400.000 € teure Investition nicht wie gewünscht, weil die Veranstalter die Motorleistung mit einem Air Restriktor einbremsten. Deswegen konnte ein Cup Porsche für die Hälfte des Preises mithalten, sehr zum Unmut des Firmenchefs Olaf Manthey. Wegen seiner brachialen Optik erhielt der bei der VLN einzigartige RSR bei seinen Fans den Spitznamen „Der Dicke“. Der gelb-grün lackierte Renner errang dank guter Fahrer wie Marc Lieb trotz der Restriktionen die Meisterschaft.

Manfred S. 22. April 2018, 06:23 Uhr
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