Stahlgewitter gegen Alonso

Fernando Alonso hatte Riesenglück

Fernando Alonso  - Formel 1 - GP England - 30. Juni 2013 Foto: Ferrari 112 Bilder

Fernando Alonso sprach von einem glücklichen Tag. Beim Start hätte er sich fast den Frontflügel abgefahren. Dann kam er mit einem platten Reifen an die Box. Dann fiel sein WM-Gegner Sebastian Vettel aus. Und in der 45.Runde flogen ihm Reifentrümmer von Sergio Perez um die Ohren. Es waren nicht nur Gummifetzen dabei, sondern auch Teile des Stahlmantels. Die Geschosse verfehlten seinen Kopf um Zentimeter.

Das hätte ins Auge gehen können. Im wahrsten Sinne des Wortes. Als Sergio Perez in der 45. Runde zu Beginn der Hangar-Geraden bei 290 km/h der linke Hinterreifen explodierte, da lag Fernando Alonso direkt hinter dem Mexikaner. Die drei Kilogramm schwere Lauffläche des Reifens verfehlte ihn nur um Zentimeter.

Viel schlimmer noch waren die Teile des Stahlgürtels, die Alonso um die Ohren flogen. Sie beschädigten sogar den Ferrari mit der Startnummer 3. Wenn eines dieser Stahlgeschosse Alonso auf dem Visier trifft, dann gute Nacht. Red Bull-Berater Helmut Marko verlor 1972 in Clermont-Ferrand ein Auge, nachdem er von einem Stein getroffen worden war. Der Spanier meinte Freunden gegenüber: "Ich habe wahnsinniges Glück gehabt."

Plattfuß in der Boxeneinfahrt

Auch sonst standen dem Ferrari-Piloten alle Renngötter zur Seite, die er sich wünschen konnte. "Nach einem der schlechtesten Starts meines Lebens hätte ich mir in der ersten Kurve fast den Frontflügel abgefahren. Es ging um Millimeter." Neun Runden später stand ihm Fortuna erneut bei. Just in der Boxeneinfahrt spürte Alonso rechts hinten einen Luftverlust im Reifen. Die Ferrari-Ingenieure untersuchten das Corpus delicti und stellten einen schleichenden Plattfuß fest, ausgelöst durch einen Schnitt in der Reifenschulter. "Es sieht so aus, als wäre es das gleiche Schadensmuster wie bei den anderen, nur auf der rechten Seite", verrät Rennleiter Stefano Domenicali.

Das erste Safety Car schenkte Alonso 15,5 Sekunden. So groß war sein Rückstand auf Sebastian Vettel, als Jean-Eric Vergne der linke Hinterreifen explodierte. Vettel hätte Alonso nie mehr eingeholt. Dafür war sein Ferrari zu langsam, dazu hing er zu lange hinter Daniel Ricciardo, Adrian Sutil und den Lotus-Piloten fest. Doch das Problem Vettel löste sich von selbst. In der 41. Runde brach die Eingangswelle ins Getriebe. Alonso hatte auch Glück, dass Lotus mit Kimi Räikkönen falsch taktierte und den Finnen nicht zu einem Reifenwechsel an die Boxen holte.

Das zweite Safety Car kam zur falschen Zeit

Nur einmal war bei der Fahrt des WM-Zweiten auf Rang 3 Pech dabei. Der dritte Reifenwechsel in der 41. Runde kam zum dümmsten Zeitpunkt. Sekunden später ging wegen Vettels immobilen Red Bull auf der Zielgeraden zum zweiten Mal das Safety Car auf die Strecke. Alonso musste sich im Verkehr hinter dem Safety Car anstellen, während seine direkten Gegner zwar mit gedrosselter Fahrt, aber immer noch schneller als Alonso den Weg zurück an die Boxen zurücklegten. "Das hat mich sechs Positionen gekostet", rechnete Alonso vor. "Ich darf mich aber nicht beschweren, weil ich heute so oft so viel Glück hatte."

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