Mercedes - Formel 1 - Teamfoto - GP Brasilien 2018 Motorsport Images

Mercedes, Renault, Force India

Der Stammbaum der Teams

1000. GP

Ist Mercedes wirklich Mercedes? Betreibt man Ahnenforschung, dann stößt man darauf, dass dieser Rennstall aus dem ehrwürdigen Tyrrell-Rennstall entstanden ist. Nach dieser Rechnung ist Renault auch nicht gleich Renault.

Früher sind Formel 1-Teams auf der grünen Wiese entstanden. Früher, als vieles einfacher war. Heute könnte höchstens noch ein Hersteller von Null beginnen. Er wäre aber schlecht beraten, wenn er es täte. Die Formel 1 ist heute so komplex, technisch wie organisatorisch, dass es zu lange dauern würde, den Wissensvorsprung der Konkurrenz einzuholen. Somit blüht die Inzucht. Die Teams wechseln die Besitzer, nicht aber ihre Identität. Von den aktuellen Teams haben nur Ferrari, McLaren und Williams eine Geschichte mit reiner Weste.

So entstand Mercedes

In den 50er Jahren eroberte Mercedes noch mit einem Werkseinsatz die Formel 1. Alles kam aus Stuttgart. Die Leute, die Technik, die Organisation. Zwei deutsche Fahrer waren Pflicht. Weil es eine Fangio-Kopie in Deutschland nicht gab, kaufte man den echten Fangio ein. Das moderne Mercedes-Team hat einen langen Stammbaum. Die Urahnen aus der Gründerzeit der Formel 1 haben nichts damit zu tun.

Tora Takagi - Tyrrell 026 - GP Australien 1998
sutton-images.com
Tyrrell war eines der Vorgänger-Teams von Mercedes.

Genau genommen entstand Mercedes aus dem Tyrrell-Team. Der ehemalige Holzhändler Ken Tyrrell setzte 1969 Matra-Chassis und 1970 Autos von March ein. Beim GP Kanada 1970 debütierte die erste Eigenkonstruktion des Teams. 1971 und 1973 ging der WM-Titel an den knorrigen Ken. Der Rennstall blieb bis 1998 in der Königsklasse. Dann musste Uncle Ken verkaufen. Er war Mitte der 90er Jahre in diesen Teufelskreis geraten, der schon so viele Teams dahingerafft hatte: kein Erfolg, kein Geld, keine Zukunft. Der Tabakkonzern British American Tobacco kaufte die Startrechte des einst so berühmten Teams und trat ab 1999 unter dem Kürzel BAT an. Übernommen wurde hauptsächlich die juristische Hülle. Das Personal wurde von überall zusammengekauft.

Aus BAR wurde 2006 das Werksteam von Honda. Die Tabakfritzen hatten genug von einem Sport, in dem sie nicht mehr offensiv werben durften. Honda verlor Ende 2008 die Lust. Offiziell, um sich um die Entwicklung von umweltfreundlichen Serienautos zu konzentrieren. Tatsächlich wegen Erfolglosigkeit. Die Japaner verkauften ihr Adoptivkind für ein symbolisches Pfund an Ross Brawn und statteten den noch mit einem Notgroschen von 80 Millionen Pfund aus. BrawnGP stand nur ein Jahr am Start. Mit durchschlagendem Erfolg. Jenson Button wurde Weltmeister, Rubens Barrichello Dritter. 2010 schlug Mercedes zu. Es war ein kostengünstiger und bequemer Weg, ein Werksteam zu etablieren. Für kleines Geld gab es eine Mannschaft, eine Fabrik, Werkzeuge, alle Rechte, alles Know-How. Seit fünf Jahren gewinnt Mercedes alle Titel.

Jaguar wurde zu Red Bull, Minardi zu Toro Rosso

Red Bull ist der Nachfolger von Jaguar und Stewart. Ford bezahlte 1997 seiner Galionsfigur Jackie Stewart einen eigenen Rennstall. Zwei Jahre später kam das Team in Schwung, feierte seinen ersten GP-Sieg, war aber auch schon wieder Geschichte. Es war die Zeit, in der sich Autofirmen gerne mit einem Formel 1-Einsatz schmückten. Jaguar griff zu, und Stewart machte ein gutes Geschäft. Nach vier Jahren Misswirtschaft musste der britische Sportwagenhersteller sein Sorgenkind loswerden und war froh, dass mit Red Bull-Gründer Dietrich Mateschitz ein potenter Interessant auf der Matte stand. Ein bisschen ausmisten und umlackieren, und schon war das Red Bull-Imperium geboren.

Ein Jahr später kaufte Mateschitz auch noch Minardi und nannte seine italienische Filiale Toro Rosso. Sie wurde sein Juniorteam. Zuerst als schlanke Truppe mit Red Bull-Technik, aber anderem Motor. Dann verlangten die Regelhüter mehr Eigenständigkeit. Toro Rosso musste seine Autos selbst bauen und expandieren. Von anfangs 130 auf zuletzt 550 Mitarbeiter. 2019 gibt es wieder mehr Synergien mit dem großen Bruder Red Bull. Beide Autos fahren mit Honda-Power. HaasF1 und Ferrari sind das Vorbild.

Renault geht es wie Mercedes. Der aktuelle Rennstall hat nichts mit dem Unternehmen zu tun, das 1977 mit dem Turbo-Motor eines der größten Abenteuer der Formel 1 wagte. 1985 sperrte Renault sein Formel 1-Team zu, ohne den WM-Titel gewonnen zu haben. 17 Jahre später traten die Franzosen wieder unter eigenem Namen in der Königsklasse an. Renault kaufte sich Benetton und eine neue Basis. Sie steht im englischen Enstone. Nur noch die Motoren werden in Viry-Chatillon gebaut.

Benetton war übrigens auch keine Neugründung. Das Team der Modefirma wurde auf dem Fundament von Toleman errichtet, die 1981 den Sprung aus der Formel 2 in die höchste Spielklasse gewagt hatten. Auch ein bisschen Alfa Romeo war mit dabei. Der Erfolg gab Renaults Praxis, ein bestehendes Team zu erben Recht. 2005 und 2006 ging der Titel nach Paris. 2009 trat Renault unter dem Druck der Finanzkrise seinen Rennstall an den Luxemburger Finanzjongleur Gérard Lopez ab. Der durfte noch zwei Jahre unter dem Namen Renault an den Start gehen, dann firmierte der Rennstall als Lotus. 2016 kaufte sich Renault das Team zurück.

Der Ur-Ur-Enkel von Jordan

Force India ist der Ur-Ur-Enkel von Jordan. Dazwischen lagen noch die Stationen Midland und Spyker. Die Fabrik in Silverstone diente schon Eddie Jordan als Basislager. Die Story von Force India ist nach elf Jahren auch schon wieder zu Ende. Seit dem GP Belgien 2018 fahren die Überlebenskünstler unter der Flagge von Racing Point. Darunter verbirgt sich eine kanadische Investorengruppe um den Milliardär Lawrence Stroll. Er löste den indischen Paradiesvogel Vijay Mallya ab.

Sauber ist seit 1993 ein fester Bestandteil der Formel 1 und damit das viertälteste Team der Gegenwart. Juristisch gibt es da aber eine Lücke von vier Jahren. Von 2006 bis 2009 segelte der Schweizer Rennstall unter der Flagge von BMW. Peter Sauber durfte 20 Prozent behalten. Als der ganz große Erfolg ausblieb, gab BMW sein ungeliebtes Kind wieder an Firmengründer Peter Sauber zurück.

Mercedes, Renault, Force India: Stammbaum der Formel 1-Teams

Mercedes - Formel 1 - Teamfoto - GP Brasilien 2018
Mercedes - Formel 1 - Teamfoto - GP Brasilien 2018 Tora Takagi - Tyrrell 026 - GP Australien 1998 Jenson Button - BAR-Honda 007 - GP Ungarn 2005 Jenson Button - Brawn GP 001 - GP Monaco 2009 21 Bilder

Schon in den 70er und 80er Jahren gab es die ersten Übernahmen. ATS begann 1977 mit einem Penske der Saison 1976 und deckte sich ein Jahr später mit dem Inventar von March ein, um eigene Autos zu bauen. Arrows wurde von Shadow-Deserteuren gegründet. Fittipaldi klaubte die Überreste des Wolf-Teams auf, als das eigene Projekt an die Wand zu fahren drohte. Wolf war aus dem ersten Rennstall von Frank Williams und der technischen Hinterlassenschaft von Hesketh entstanden.

Osella ging in Fondmetal über. Arrows fuhr zwischendurch unter der Bewerbung von Footwork, legte sich als Arrows aber aufs Sterbebett. March war zeitweise unter der Nennung von Leyton House unterwegs. Guy Ligier trat 1997 sein Team an Alain Prost ab. Prost sperrte Ende 2001 zu. Lotus sollte zwei Mal wiederbelebt werden. 2010 von Caterham-Chef Tony Fernandes, zwei Jahre später von Gérard Lopez. 2015 stand das Team finanziell kurz vor dem Ende. Renault schickte den Rettungsanker. Die Puristen waren nicht traurig. Das echte Lotus-Team ist 1994 gestorben.

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