Startplatzstrafe für Ricciardo

Red Bull glaubt nicht an Siegchance in Brasilien

Daniel Ricciardo - Red Bull - GP Brasilien 2018 Foto: xpb 49 Bilder

In Mexiko dominierte Red Bull die Trainings, das Qualifying und das Rennen. Die besonderen Umstände machten den RB14 zum schnellsten Auto. Für Brasilien erwartet Red Bull das gewohnte Bild. Im Normalfall sollte man sich hinter Ferrari und Mercedes einordnen. Ein Turbolader-Tausch wirft Daniel Ricciardo ohnehin zurück.

Red Bull feierte in dieser Saison vier Siege: in China, Monaco, Österreich und zuletzt in Mexiko. In der dünnen Höhenluft waren die dunkelblauen Autos nicht zu halten. Daniel Ricciardo raste auf die Pole-Position. Max Verstappen gewann das Rennen. Die Strecke auf einer Höhe von 2.200 Metern raubte dem Renault-Motor weniger Leistung als den Konkurrenzprodukten von Ferrari und Mercedes. Und die Red Bull hatten weder Schwierigkeiten, die Reifen anzuzünden noch sie in Schuss zu halten.

Interlagos begünstigt Ferrari

Für Brasilien erwartet der Rennstall aus Milton Keynes die Rückkehr zur Normalität. „Hier zählt Leistung. Die Strecke hat zu wenige Kurven, damit wir den Verlust auf den Geraden wieder aufholen könnten“, glaubt Verstappen. „An einem normalen Wochenende landen wir auf den Plätzen fünf und sechs.“ Red Bulls Ingenieure stufen die Rennstrecke in Interlagos zu den oberen 20 Prozent im Rennkalender ein, was die Abhängigkeit vom Motor anbetrifft. „Der Motor ist ein bisschen weniger wichtig als in Spa, aber entscheidet über eine gute Rundenzeit.“ Besonders das lange Bergaufstück nach Kurve 12 sorgt in Red Bulls Lager für Kopfzerbrechen.

Das mittlere Abtriebsniveau begünstigt auf dem Papier vor allem Ferrari. Sowohl Mercedes als auch Red Bull erwarten, dass die Italiener in Interlagos besonders stark sein werden. „Sie haben weniger Abtrieb als wir“, führen Red Bulls Ingenieure aus. „ Das nutzt uns aber zu wenig. Der Mittelsektor ist zu fließend, um viel Zeit gutzumachen oder zu verlieren. Es gibt dort keine harten Bremspunkte, wo wir unsere Stärken ausspielen könnten oder beim Einlenken viel gewinnen können.“ Red Bull klammert sich an die Reifenabnutzung. „Da waren wir sowohl in Austin als auch in Mexiko sehr stark.“

Red Bull - GP Brasilien 2018 - Donnerstag Foto: ams
Red Bull rechnet damit, dass der RB14 in Interlagos nur das drittschnellste Auto im Feld sein wird.

Sebastian Vettel will sich von der Konkurrenz nicht in die Favoritenrolle drängen lassen. „Wir sollten hier einigermaßen konkurrenzfähig sein. Wie sehr, kann man vor einem Wochenende schwer beurteilen. Unser Ziel ist es in jedem Fall, mit beiden Autos vorne rein zu fahren und die Konstrukteurs-Weltmeisterschaft offen zu halten.“ Ferrari muss dafür 13 Punkte mehr erzielen als Mercedes.

Turboladerschaden bei Ricciardo

Die Red Bull-Piloten durchlebten in Mexiko unterschiedliche Gefühlswelten. Am Samstag strahlte Daniel Ricciardo noch mehr als üblich. Verstappen hingegen ärgerte sich über die verpasste Pole-Position. „Ich war das ganze Wochenende der schnellste Mann. Nur in diesen 75 Sekunden nicht, weil der Motor nicht mitspielte. Ich war so sauer, dass ich großen Schaden hätte anrichten können. Mir ging es nicht um den Rekord des jüngsten Pole-Manns der Geschichte, sondern einzig um die Pole als solche. Fragen Sie mal Lewis: Den interessiert auch nicht, wer diesen Rekord hält, sondern seine fünf WM-Titel.“ Einen Tag später feierte der 21-Jährige seinen fünften Karriere-Erfolg. Ricciardo hingegen schied an zweiter Stelle liegend mit einer defekten Kupplung aus. „Ein Zuliefererteil, aber wir tragen die Schuld“, sagt Red Bull. Zwei Ausfälle in zwei Wochen wischten das Lächeln aus Ricciardos Gesicht.

Inzwischen lacht der Australier wieder. Obwohl die Technik weiter gegen ihn arbeitet. Red Bull muss im Auto mit der Startnummer 3 für den GP Brasilien den Turbolader tauschen. Das wirft Ricciardo in der Startaufstellung um fünf Positionen zurück, wie es von Red Bull-Seite heißt. Der siebenfache GP-Sieger sagte nach dem Mexiko-Rennen, er habe abgeschlossen mit seinem Auto. „Soll Gasly es doch fahren.“ Pierre Gasly übernimmt 2019 Ricciardos Cockpit bei Red Bull, der zu Renault wechselt. Bereits am Montag nach dem Rennen sei der Ärger verflogen gewesen und die Lust aufs Auofahren wieder da. „Ehrlich gesagt war ich nach meinem Ausfall in Austin noch frustrierter“, berichtet der 29-jährige aus Perth. „Ich hatte zu beiden Rennen meine sechs engsten Freunde eingeladen. Sie fliegen um die halbe Welt und ich scheide zwei Mal aus. Das hat sich schlecht angefühlt. Ich schaute am Sonntagabend nach Mexiko ein Baseball-Spiel im Hotel. Und ich ging mit meinen Kumpels zum Abendessen. Das brachte mich auf andere Gedanken. Die Woche danach verbrachten wir in LA.“

Eine Erklärung für seine Pechsträhne hat Ricciardo nicht. „Es ist einfach Pech. Im Vorjahr war es wenigstens gleich verteilt. In der ersten Hälfte traf es Max, in der zweiten mich. Jetzt hat es das Pech irgendwie auf mich abgesehen. Die Jungs mögen mich immer noch. Daran kann es nicht liegen. Ich hoffe, ich kann das Pech spätestens mit Saisonende abstreifen.“

2019 wird Ricciardo wohl nicht mehr um Siege kämpfen können. Sein aktueller Teamkollege hingegen hofft, mit dem Motorwechsel zu Honda endlich an Mercedes und Ferrari heranrücken zu können. Ob es reicht, um die Weltmeisterschaft zu fahren? „Wir werden zu Saisonbeginn sicher noch etwas hinten liegen bei der Leistung. In diesen Rennen müssen wir die bestmöglichen Ergebnisse erzielen, um die Punktelücke nicht zu groß werden zu lassen“, sagt Verstappen. Der Niederländer jedenfalls ist überzeugt, mit dem richtigen Material Weltmeister zu werden.

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