Stefano Domenicali

Schnelligkeit vor Schönheit

Stefano Domenicali Foto: Ferrari 25 Bilder

Die erste Ausfahrt mit dem neuen F60 stimmt Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali zuversichtlich. Die große Frage lautet allerdings: Wie weit ist die Kokurrenz?

Bevor die harten Testwochen in Südeuropa beginnen, gönnt die Scuderia ihren wichtigsten Mitarbeitern noch ein paar gemütliche Tage in den Bergen. Das Team hat zum traditionellen Saisonauftakt in Madonna di Campiglio eingeladen, wo Fahrer und Teamleitung beim entspannten Wedeln neue Kraft für die Saison tanken können.

Am Rande der Veranstaltung stellte sich Stefano Domenicali der versammelten Presse, um über den aktuellen Stand der Saisonvorbereitung zu informieren. "Wir haben die erste Ausfahrt analysiert und die Ergebnisse sind sehr interessant", erklärte der Teamchef. Auch Präsident Montezemolo war bei der Auswertung der Daten involviert.

Über den ersten Test des neuen Hybrid-Systems machte Dominicali keine genaueren Angaben: "Das wichtigste ist, dass es am Abend noch funktioniert hat." Bei den anstehenden Testfahren soll das System weiter verbessert werden. "Wir wollen dieses Jahr auf jeden Fall noch mit KERS fahren", lautet das erklärte Ziel.

Große Teams mit großem Risiko

Allerdings betonte der Italiener auch, dass die Zuverlässigkeit oberste Priorität habe. Zum größeren Problem könnte dabei das Testverbot während der Saison werden. "Wir müssen das Auto unbedingt bis März fertig bekommen." Domenicali glaubt, dass vor allem die großen Teams während der Saison aggressiver vorgehen und auch Risiken eingehen müssen. An einen großen Spareffekt durch das Testverbot glaubt der Ferrari-Mann allerdings nicht: "Wir werden dadurch mehr am Prüfstand arbeiten, was die Tests auf der Strecke nicht ersetzen kann, aber leider auch sehr kostenintensiv ist."

Die große Unbekannte ist noch die Einschätzung der Konkurrenz: "Die ersten Tests werden diesbezüglich sicher sehr interessant. Es wird schwer zu vergleichen, weil alle Teams auf einem unterschiedlichen Entwicklungsstand sind. Keiner weiß genau, wie weit der andere ist." Neben den üblichen Favoriten McLaren-Mercedes und BMW-Sauber hat Domenicali auch das Team von Fernando Alonso auf der Rechnung: "Ich erwarte, dass Renault nach den guten Ergebnissen in der zweiten Saisonhälfte auch über den Winter schnell gearbeitet hat."

Piloten sind noch stärker

Ferrari sei bereit, die Herausforderung anzunehmen. Dazu soll auch ein starkes Fahrerduo beitragen. Vor allem vom braungebrannt aus Brasilien zurückgekehrten Felipe Massa erwartet der Teamchef eine gute Saison: "Das vergangene Jahr hat ihn reifer gemacht. Er glaubt an sich, hat einen starken Willen und er ist erwachsen geworden. Felipe will unbedingt den Titel."

Aber auch Kimi Räikkönen soll 2009 wieder zurück zur alten Weltmeisterform finden: "Ich bin überzeugt, dass das neue Jahr wieder gut für Kimi wird. Seine Stärke sei, dass er die Kritik in der vergangenen Saison nicht an sich ranlässt. "Er kann sich isolieren, manchmal lebt er auf einem anderen Planeten", so Domenicali. Um dem Finnen wieder zu alter Stärke zu verhelfen, soll vor allem am Setup der Vorderachse gearbeitet werden, die dem Blondschopf in der vergangenen Saison noch Schwierigkeiten bereitet hatte.

Einer vorzeitigen Verpflichtung von Fernando Alonso erteilte Domenicali dabei noch einmal eine Abfuhr: "Wir haben immer gesagt, dass wir mit unseren beiden Piloten glücklich sind. Und um es noch einmal zu betonen - die Fahrer haben uns in der vergangenen Saison nicht einen Punkt gekostet."

"Schneeschieber" sind Gewöhnungssache

Mit Humor wurde bei Ferrari der Vorwurf aufgenommen, dass der neue F60 nicht gerade zu den schönsten F1-Modellen der Geschichte gehört. "Wir werden uns an die Form des Schneeschiebers gewöhnen müssen, auch wenn wir den hier in den Bergen wohl etwas besser gebrauchen könnten." Allerdings habe es in der Vergangenheit noch weitaus kuriosere Gefährte gegeben. "Im Rückblick wird man hoffentlich sagen, dass es gar nicht so schlimm war. Außerdem muss das Auto nicht in erster Linie gut aussehen, sondern schnell sein."

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