Stimmen zum Tod von Charlie Whiting

„Er war ein echter Racer“

Charlie Whiting & Sebastian Vettel - GP Australien 2019 Foto: Motorsport Images

Das Leben im Fahrerlager der Formel 1 geht auch nach dem Tod von Rennleiter Charlie Whiting weiter. Doch die Stimmung ist gedrückt Immer mehr wird klar, dass der am Morgen verstorbene Engländer nicht so schnell ersetzt werden kann.

Viele im Fahrerlager hofften auf eine Falschmeldung. Kurz nach Mittag Ortszeit Melbourne gab die FIA offiziell den Tod ihres Rennleiters Charlie Whiting bekannt. Der 66-jährige Engländer war am Morgen tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden worden. Whiting starb an einer Lungenembolie. Möglicherweise eine Folge des langen Überseefluges von Europa nach Australien. Kaum ein Mensch im Formel 1-Fahrerlager saß so oft im Flugzeug wie Charlie Whiting.

Haas-Teamchef Guenther Steiner war einer der ersten in der Szene, der von der tragischen Nachricht erfahren hatte, lange bevor sie offiziell wurde. „Ich dachte zuerst, das kann nicht wahr sein. Es ist für mich ein emotionaler Moment. Charlie war ein persönlicher Freund. Er hat unserem Team viel geholfen. Ohne ihn würde es uns vielleicht nicht geben. Er hat nie schlecht über andere geredet, hat seinen Standpunkt immer freundlich erklärt. Von dieser Sorte gibt es nicht viele in diesem Sport. Er war einer der Größten in unserem Geschäft.“

Sergio Perez bestätigte: „Als Fahrer bist du meistens zu Charlie gerufen worden, wenn es Probleme gab. Aber er blieb immer friedlich und freundlich und hat dir in aller Ruhe seine Meinung gesagt. Sie war immer auf Fakten aufgebaut. Er ist unersetzlich. Die Formel 1 wird nie mehr das sein, was sie vorher war.“ Robert Kubica ergänzt: „Seine Tür war immer offen. Du konntest ihm immer trauen.“

Sebastian Vettel mochte ebenfalls nicht glauben, was da in den frühen Morgenstunden in einem Melbourner Hotel passiert ist. „Ich habe ihn gestern bei meinem Streckenrundgang getroffen und über die ersten zwei Kurven noch zehn Minuten mit ihm gequatscht. Charlie war wie immer, kein Anzeichen von irgendwelchen Problemen. Es ist schwer zu verstehen, dass er nun nicht mehr da ist.“ Der Ferrari-Star fasst zusammen, was alle im Fahrerlager denken: „Er war ein großartiger Typ, ein echter Racer.“

Charlie Whiting & Sebastian Vettel - GP Australien 2019 Foto: Motorsport Images
Am Donnerstag begleitete Whiting noch Sebastian Vettel bei seinem Trackwalk.

Der Mann zwischen Fahrern und Regeln

Romain Grosjean hatte seine Meinungsverschiedenheiten mit dem Formel-1-Rennleiter, doch auch der Franzose fühlte sich, als hätte er einen guten Freund verloren. „Charlie hat uns Fahrer immer unterstützt. Er war unser Ansprechpartner und hat auf unsere Meinung gehört.“ Vettel ergänzt: „Er war der Mann in der Mitte zwischen den Fahrern und den Regeln.“

Lewis Hamilton hörte wie viele seiner Kollegen die traurige Nachricht auf dem Weg ins Fahrerlager: „Es war ein unglaublicher Schock. Charlie hat mit seinem unglaublichen Einsatz unendlich viel für den Sport getan.“

Robert Kubica ist traurig, nicht mehr mit Whiting gesprochen zu haben: „Ich habe Charlie mit Seb auf der Strecke gesehen und gedacht: Charlie, den triffst du spätestens am Freitag beim Fahrer-Briefing. Das ist nun leider nicht mehr möglich.“

Auch Nico Hülkenberg war fassungslos: „Da legst du dich schlafen, und am nächsten Morgen bist du nicht mehr da.“ Max Verstappen zieht daraus die Schlussfolgerung: „Du musst jeden Morgen dankbar sein, wenn du gesund aufwachst. Deshalb musst du jeden Tag genießen. Das Leben besteht nicht nur aus Formel 1.“ In einem schnelllebigen Sport wie der Formel 1 gibt es nur ein kurzes Innehalten. Die Show muss weitergehen, auch ohne den Mann, den Martin Brundle als Ankerpunkt der Königsklasse bezeichnete. „Charlie hätte es nicht anders gewollt. Wenn er könnte, würde er uns jetzt auffordern: Macht einfach weiter und bringt das Rennen gut über die Bühne“, meint Sergio Perez.

Charlie Whiting & Sebastian Vettel - GP Brasilien 2016 Foto: sutton-images.com
Vettel bezeichnete Charlie Whiting als einen Freund der Fahrer.

Michael Masi möglicher Whiting-Vertreter

Um 14 Uhr fand die erste der vielen turnusgemäßen Sitzungen eines GP-Wochenendes ohne Charlie Whiting statt. Colin Haywood leitete die Sitzung mit den Teammanagern, die nur 10 Minuten dauerte. Der Sekretär der Sportkommissare bat alle Sportdirektoren um Unterstützung in der schweren Stunde. Die Teams haben bereits versprochen, an diesem Wochenende zu helfen, wo sie helfen können. „Wir werden so wenig Ärger machen wie möglich und alles tun, der FIA über dieses Wochenende zu helfen“, erklärte Steiner.

Sauber-Teamchef Frédéric Vasseur meinte, dass ihm aus dem Stegreif kein Name einfalle, der Whiting ersetzen könnte. Haywood teilte den Teammanagern mit, dass der Australier Michael Masi wahrscheinlich den Job des Rennleiters übernehmen werde. Das müsse aber noch von FIA-Präsident Jean Todt bestätigt werden. Masi, der in den australischen Rennserien bereits als Renndirektor gearbeitet hatte, saß 2018 an der Seite von Whiting in der Rennleitung geht deshalb nicht ganz unbedarft an die große Aufgabe heran.

Charlie Whiting: Ein Leben für die Formel 1

Charlie Whiting - Formel 1 - 2018 Charlie Whiting - Formel 1 - 2018 Charlie Whiting & Lewis Hamilton Charlie Whiting Charlie Whiting & Ross Brawn Charlie Whiting - Formel 1 - 2018 Charlie Whiting - Formel 1 - 2001 Charlie Whiting - Türkei - 2005 Charlie Whting & Bernie Ecclestone - Formel 1 - 2001 Charlie Whiting - F3000 - Hockenheimring - 1999 Charlie Whiting - Brabham - GP Italien 1986 Charlie Whiting - Brabham-Reunion - GP Brasilien 2011 Charlie Whiting - Hesketh - 1978
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