Strecken-Kritik

"Wie Rallyefahren"

Foto: Daniel Reinhard 47 Bilder

Am Samstag (7.6.) musste man sich um den GP Kanada Sorgen machen. Wie jedes Jahr war die Strecke aufgebrochen, doch nie war es bereits in der Qualifikation passiert und nie so dramatisch.

In der Nacht wurde der löchrige Belag mit Kunstharz behandelt, doch schon nach den Rahmenrennen am Sonntagmorgen deutete sich an, dass die Reparaturen das Problem nicht aus der Welt geschafft haben. "Es war nicht so schlimm wie im Training, aber trotzdem nicht akzeptabel", schimpfte der Drittplatzierte David Coulthard.

Bereits nach fünf Runden begannen sich wieder kleine Steine aus der Asphaltdecke zu lösen. "Zum Schluss war es wie Rallyefahren", vergleicht Sebastian Vettel. Timo Glock warf ein: "Du musstest höllisch aufpassen, auf der sauberen Spur zu bleiben. Ich bin kurz vor Schluss auf den Steinen in der zweiten Kurve ausgerutscht. Das hätte mich fast den vierten Platz gekostet."

Jeder Ausflug neben die saubere Linie kostete laut Vettel bis zu anderthalb Sekunden. Mark Webber ergänzte: "Oder du klebst wie ich im Training in der Mauer." Fernando Alonso machte es dem Australier im Rennen nach. Auf der Jagd nach Nick Heidfeld flog der Spanier auf den Kieselsteinen ab. Glock warf ein, dass auch das Hinterherfahren nicht ungefährlich war: "Du wirst regelrecht sandgestrahlt."

Hamilton mit Quali-Glück

Die unberechenbare Strecke erklärte auch das ungewöhnliche Trainingsergebnis. "Wir waren nicht eine Sekunde schneller als Ferrari", gab der Trainingsschnellste Lewis Hamilton zu. "Ich hatte das Glück, für eine Runde eine saubere Spur erwischt zu haben." Kimi Räikkönen jammerte: "Ich hatte nicht ein einziges Mal so eine Runde. Das schwierige war, dass die Steine jede Runde an einer anderen Stelle lagen. In der Haarnadel habe ich nie eine saubere Spur gefunden."

Der Streckenbetreiber gab den Formel 1-Autos die Schuld. Die Rillenreifen in Verbindung mit der fehlenden Traktionskontrolle würden beim Beschleunigen derart den Asphalt malträtieren, dass man sich nicht wundern müsse, wenn der Belag aufbricht. Die Fahrer hatten dafür kein Verständnis. "Warum ist das nur in Kanada so?", fragte Montreal-Sieger Robert Kubica. Der Veranstalter hat jetzt ein Jahr Zeit, das Problem zu lösen. "Wie wäre es", schlägt Webber vor, "wenn man mal den ganzen Kurs neu asphaltiert?"

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