Streit um den Vierzylinder

Showdown in der F1-Kommission

Bernie Ecclestone GP Spanien 2011 Foto: xpb 12 Bilder

Update ++ Die Fronten im Streit um den Vierzylinder-Motor für 2013 verhärten sich. Bernie Ecclestone will die neue Motorenformel kippen. Vor der Formel 1-Kommissionssitzung am Dienstag (21.6.) drohte er seinem Gegenspieler Jean Todt rechtliche Konsequenzen an.

Der Streit um die neue Motorenformel ab 2013 schwelt seit dem Dezember 2010. Der FIA-Weltrat segnete vor sechs Monaten für 2013 den Einsatz eines Vierzylinder-Turbos mit 1,6 Liter Hubraum, Direkteinspritzung und KERS ab. Damals waren noch alle Teams und Motorenhersteller für die "Formel grün".

Das hat sich geändert. Cosworth hat festgestellt, dass ein solcher Motor für sie nicht finanzierbar ist. Ferrari will den Vierzylinder gar nicht, und Mercedes wünscht sich einen Aufschub bis 2014 oder 2015, weil man Angst hat nach dem Verlust von Cosworth mehr als drei Teams beliefern zu müssen. Und dann geht die Kostenrechnung nicht mehr auf. Nur Renault unterstützt standhaft die Kampagne von FIA-Präsident Jean Todt. Und droht sogar mit dem Ausstieg, sollte die Formel 1 weiter mit Achtzylinder-Motoren fahren.

Ecclestone will V8-Motoren behalten

Bernie Ecclestone will die Vierzylinder-Formel mit allen Mitteln verhindern. Er sorgt sich um das Image der Formel 1. Die Schmalspurmotoren würden zu wenig Lärm machen und wären auch sonst zu mickrig für die Königsklasse. Nachdem Ecclestone lange nur gezündelt hatte, macht er jetzt ernst. Als die Motorenformel bei der letzten FIA-Weltratsitzung am 3. Juni in Barcelona unter etwas fragwürdigen Bedingungen mit knapper Mehrheit bestätigt wurde, greift Ecclestone nun zu Plan B.

Er berief für Dienstag (21.6.) eine Formel 1-Kommissionssitzung ein. Sein Argument: Jean Todt hat sich bei der Weltratsitzung im Dezember 2010 nicht an die Statuten gehalten. Die sehen vor, dass der FIA-Weltrat nur über Dinge abstimmen kann, die zuvor die Technische Arbeitsgruppe und die Formel 1-Komission durchlaufen haben. Beides war nicht geschehen.

Deshalb setzte Ecclestone die Frage ob Vierzylinder oder V8 ganz oben auf die Agenda der nächsten Formel 1-Kommissionssitzung. Todt versuchte den Punkt von der Liste zu streichen, stieß dabei aber auf massiven Widerstand seines Gegenspielers aus London. Der beharrt auf einer Abstimmung zum Thema Motor und lieferte gleich eine detaillierte juristische Anfechtung der Weltratentscheidung mit. Darin ist anhand von Protokollen der Technischen Arbeitsgruppe und der Formel 1-Kommission lückenlos dokumentiert, dass die Einführung des Vierzylinder-Motors in keiner Sitzung der vorangegangenen 18 Monate disktutiert worden war. Demzufolge auch gar nicht auf der Abstimmungsliste des FIA-Weltrats hätte stehen dürfen.

Renault-Teams stehen hinter Todt

Die FIA-Anwälte argumentieren, dass die Entscheidung des Weltrats die Saison 2013 betreffe. Da das Concorde Abkommen Ende 2012 ausläuft, fühle man sich nicht an die darin festgelegten Abstimmungsprozeduren gebunden. Damit kommt sie bei der Gegenseite nicht durch. Jede Entscheidung im Rahmen des Concorde Abkommen sei unabhängig vom Auslaufdatum für eine gewisse Übergangszeit gültig. Das habe schon Todts Vorgänger Max Mosley erfahren müssen, als er 2006 gegen den Willen einiger Motorenhersteller Zehnzylindermotoren gegen den V8 austauschen wollte. 

Die Dokumentation aus Bernie Ecclestones Hauptquartier in London erreichte die Teams und die FIA Mitte der Woche. Darin kündigt der Formel 1-Chef notfalls sogar rechtliche Schritte an, sollte der Vierzylinder über alle Köpfe hinweg durchgedrückt werden. Offenbar verspricht sich Ecclestone von einer Abstimmung in der Formel 1-Kommission ein Votum für den V8 und gegen den Vierzylinder.

Würde der Vierzylinder noch kippen, wären auch die Chassisregeln für 2013 hinfällig. Die schlanke, aber hochbauende Vierzylinder mit seinem Hilfsrahmen und dem dazugehörigen Achtgang-Getriebe verändert die gesamte Architektur der Autos. Damit würden die Berechnung der Abtriebswerte nicht mehr stimmen, die die Größe und Position der Flügel festlegen.

Möglicherweise würde beim Verbleib des V8 mit den aktuellen Autos weitergefahren. Was Ecclestone ohnehin am liebsten wäre. Er hat genug von den ständigen Regeländerungen, die höchstens die Zuschauer vertreiben. Angesichts der spannenden Rennen in diesem Jahr gilt sein Grundsatz: "Never change a winning team."

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